CD-Review: Nile - Annihilation Of The Wicked

Besetzung

Karl Sanders - Gitarre, Gesang
Dallas Toler-Wade - Gitarre, Gesang
Jon Vesano – Bass
George Kollias - Schlagzeug

Tracklist

01. Dusk Falls Upon The Temple Of The Serpent On The Mount Of Sunrise
02. Cast Down The Heretic
03. Sacrifice Unto Sebek
04. User-Maat-Re
05. The Burning Pits Of The Duat
06. Chapter Of Obeisance Before Giving Breath To The Inert One In The Presence Of The Cresent Shaped Horns
07. Lashed To The Slave Stick
08. Spawn Of Uamenti
09. Annihilation Of The Wicked
10. Von Unaussprechlichen Kulten


NILE sollten spätestens seit „In Their Darkened Shrines“ jedem auch nur halbwegs an Death Metal interessierten Menschen ein Begriff sein. Über die Jahre hinweg konnte die Band ihren eigenen einzigartigen Stil prägen – technischen, aber auch brutalen Death Metal mit ägyptischen und oft sogar epischen Einflüssen. Auch wenn eine Band wie Behemoth ebenfalls als Genrereferenz angesehen werden kann, ist nicht abzustreiten, dass die Herren um Nergal den Kollegen doch deutlich über die Schulter geguckt haben. Wie dem auch sei, mit „Annihilation Of The Wicked“ schlagen die Amerikaner erneut zu und – trotz meiner relativ kleinen Kenntnis über den Backkatalog der Band erlaube ich mir diese Behauptung – wieder hat sich einiges getan. Das neue Werk ist oft einen Tick brutaler und weniger technisch als das ältere Material. Nichtsdestotrotz vernachlässigt die Band ihre alten Elemente an keiner Stelle, allerdings wurde, wie schon gesagt, die Brutalität öfters an erste Stelle gestellt. Mag sein, dass viele Fans „Annihilation Of The Wicked“ als überwiegend dreistes Geprügel abtun, in meinen Augen ist Technik und Brutalität aber perfekt abgewogen, verständlich ist außerdem, dass der Vierer auch einmal eine etwas andere Richtung einschlagen wollte.

Mit „Dusk Falls Upon The Temple Of The Serpent On The Mount Of Sunrise“, einem typischen Intro aus Karl Sanders Feder beginnt das Album, ägyptische Akustikgitarren, die mit anderen, atmosphärischen Klängen untermalt wurden. Alleine für „Einschübe“ dieser Art lohnt sich der Kauf jedes Nile Albums, auch wenn mann in dieser Hinsicht mit Sanders Soloplatte besser bedient wäre, denn mit „Cast Down The Heretic“ geht es brutal und schnell weiter. Dieser Song zeigt, wie man einen unglaublich brutalen, technischen und sogar genial eingängigen Titel zu schreiben hat, vereint alle Stärken der Truppe – unmenschlich schnelles Drumming, tiefst gegrunzte Vocals und ein wahrlich grandioses Solo – und wird somit bereits zu einem absoluten Highlight innerhalb der ersten fünf Minuten des Albums. „Sacrifice Unto Sebek“ beginnt im schleppenderen Tempo, folgt aber später dem Schema des vorherigen Tracks und entpuppt sich auch als relativ kurze und schnelle Nummer, wirkt aber nie abgenutzt oder langweilig. Wunderbare Akustikklänge erwarten einen wieder am Anfang des fast zehnminütigen „User-Maat-Re“, einem etwas schleppenderen Titels, der mich stark an „Sarcophagus“ vom Vorgängeralbum „In Their Darkened Shrines“ erinnerte, im Großen und Ganzen aber eindeutig mehr Tempo besitzt. Dieser Song zeigt, wie Nile inmitten eines harten Liedes eine unglaubliche Atmosphäre schaffen, welche sich einem aber nicht bei einmaligem Hören ganz öffnen will. Als „gegensätzlichen“ Einwurf gibt es dann mit „The Burning Pits Of The Duat“ einen schnellen, dennoch technischen Song auf die Ohren, dessen Beispiel auch „Chapter Of Obeisance Before Giving Breath To The Inert One In The Presence Of The Cresent Shaped Horns“ folgt. Allerdings wandelt sich auch diese auf den ersten Blick stumpf und schlicht-harte Nummer auf das Ende hinzu zu einem atmosphärischen, spannungsaufbauenden Stück.

Gnadenlos wird man in Form von „Lashed To The Slave Stick“ aus dieser Ruhe gerissen, dem Song, der mich endgültig zum Kauf bewegen konnte. Zwar will ich nicht mehr behaupten, dieses Lied würde „Cast Down The Heretic“ toppen, wer aber beide Songs gehört hat und nicht zum Kauf bewegt werden kann, dem ist wohl kaum mehr zu helfen. Hier werden – in leider etwas zu geraffter Form, sprich „nur“ vier Minuten – wieder die genialsten Elemente der Gruppe vereint, wenn auch mit eindeutig mehr Betonung auf brutal als auf technisch, atmosphärisch oder episch, was den Song aber keinesfalls schwächt. „Spawn Of Uamenti“ leitet als wieder sehr atmosphärisches Interludium in den Titeltrack „Annihilation Of The Wicked“ über. Hier beginnt man sehr schnell, geht insgesamt aber dann doch etwas schleppender zu Werke. Zertrümmernde aber dennoch stampfende Doublebasspassagen und schweres Riffing zeichnet dieses wieder relativ lang geratene, jedoch durchaus gelungene Stück aus. Das durch seine Überlänge doch sehr epische „Von Unaussprechlichen Kulten“ schließt dann perfekt ab, indem erneut alle Elemente und Stärken vereint werden.

„Annihilation Of The Wicked“ ist ein wirklich großartiges Stück Nile-typischen Death Metals geworden. Zwar erfordern die teilweise sehr langen Songs einiges an Geduld, doch nach und nach gehen auch die technisch anspruchsvollen Tracks mehr und mehr ins Ohr. Für Abwechslung ist eindeutig gesorgt, sowohl Freunde der härteren, als auch der technischen Schiene sollten Gefallen finden und wer beides mag, sollte diese geniale Scheibe auf keinen Fall verpassen.

Bewertung: 9 / 10

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