CD-Review: Nornír - Urd (EP)

Besetzung

Lethian – Gesang, Gitarre
Angrist – Gitarre
Søvn – Bass
Farliath – Schlagzeug

Tracklist

01. På Den Andre Siden
02. Winterthrone
03. Above The Mountains
04. På Denne Siden


In kaum einem Metal-Genre ist die Grenze zwischen ewiggestrig und traditionsbewusst so dünn wie im Black Metal. Während einige Bands die düstere Spielart immer wieder neu erfinden, halten viele den Stil der 90er Jahre immer noch für unübertrefflich. So denken vermutlich auch NORNÍR, ein 2014 gegründetes Schwarzmetall-Quartett, das bereits 2015 eine Demo herausbrachte und nun mit „Urd“ seine erste EP nachlegt. Dass die Black-Metal-Newcomer lieber an Altbewährtem festhalten, anstatt zu experimentieren, lässt sich anhand der darauf befindlichen vier Tracks, die zusammen eine knappe halbe Stunde dauern, mehr als nur erahnen, klingen diese doch, als entstammten sie dem vergangenen Jahrtausend.

Der Eröffnungstrack „På Den Andre Siden“ macht’s vor: Raues, kaltes Tremolo-Picking bildet die Hauptmelodie, die NORNÍR Mal um Mal wiederholen und mit brachialen Double-Bass-Drums und Blast-Beats unterlegen. Darüber speit Lethian ihre kratzigen, garstigen Screams aus, die – ebenso wie die Gitarrenriffs – nur selten variiert werden, aber gut ausgeführt sind und stimmig ins Gesamtkonzept passen. Abwechslung ist generell ein Aspekt, dem NORNÍR in ihren Arrangements nur wenig Bedeutung beimessen. Nur selten werden die frostigen, eher monotonen Tremolo-Melodien um melancholische Leads erweitert oder zugunsten ruhigerer, aber immer noch düsterer Parts („Winterthrone“) pausiert. Dementsprechend kommt Klargesang auch nur unterstützend im Hintergrund zum Einsatz.
NORNÍR konzentrieren sich also praktisch durchgehend auf die typischen Schwarzwurzel-Stilmittel, ihre Songs sind eisig kalt, ungeschliffen und stürmisch, wie man es von Bands wie Immortal seit jeher kennt. Doch das noch junge Quartett ist auch nicht gänzlich dem Gestern verfallen. Produktionstechnisch ist „Urd“ nämlich zwar schon sehr roh und druckvoll ausgefallen, aber keineswegs lo-fi, sodass die EP durchaus zeitgemäß klingt. Vom Sound her steht das Minialbum einem „Sons Of Northern Darkness“ also in nichts nach.
Doch auch in puncto Songwriting macht NORNÍR so schnell keiner etwas vor. Zwar bringen NORNÍR praktisch überhaupt nichts Neues auf den Tisch, aber ihrem Vorhaben, den Black Metal der 90er wiederaufleben zu lassen, werden sie auf jeden Fall gerecht. Der Sound stimmt und die Melodien prägen sich zum Teil sogar recht schnell ein. Bis auf den Mangel an Eigenständigkeit gibt es also kaum etwas, das man ihnen ankreiden könnte.

NORNÍR klingen exakt so, wie schwarzer Metal vor der letzten Jahrtausendwende zu klingen hatte: grim und frostbitten. Nicht mehr und nicht weniger. Das einzige, was die Deutschen von den damaligen Vertretern der Musikrichtung unterschieden hätte, ist das Kuriosum eines weiblichen Leadsängers, doch auch das ist heutzutage ein erfreulicherweise immer öfter auftretender Umstand. Natürlich stellt sich bei so genretypischer Musik immer die Frage nach dem Sinn, doch es ist schlichtweg nicht zu überhören, wie gekonnt NORNÍR den Sound ihrer Vorbilder replizieren. Somit hat „Urd“ gewiss auch seine Daseinsberechtigung. Wer seinen Black-Metal-Kaffee am liebsten pur schwarz ohne Zusätze trinkt, für den ist diese EP genau das Richtige.

Keine Wertung

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