CD-Review: Immortal - Sons Of Northern Darkness

Besetzung

Abbath – Gesang, Gitarre
Iscariah – Bass
Horgh – Schlagzeug

Tracklist

01. One By One
02. Sons Of Northern Darkness
03. Tyrants
04. Demonium
05. Within The Dark Mind
06. In My Kingdom Cold
07. Antarctica
08. Beyond The North Waves


Ja, da sind sie wieder, die Lieblinge des Black Metal, die es als eine der wenigen Bands des Genres schaffen, im Gegensatz zu Cradle Of Filth oder Dimmu Borgir sowohl noch Old School Fans als auch normale Metalhörer zu begeistern. Immortal. Über die Klasse dieser Gruppierung läßt sich spätestens seit ‘At The Heart Of Winter’ nicht mehr streiten. Nein, nicht mal ein kleines bisschen. Wie sich diese Band im Lauf der Jahre zu einer ernstzunehmenden Größe im Metalbusiness gemausert hat, ist mehr als nur beachtlich. Von einer kleinen norwegischen Undergroundgruppe, die primitiven Black Metal spielten, ist man zu den Stars der Szene geworden die mittlerweile achtminütige Hymnen schreiben ohne auch nur einmal die Songs mit gräßlichem Keyboardkitsch zu verunstalten. Abbath wird von Album zu Album filigraner auf seiner Gitarre und Horgh knüppelt wie eh und jeh sein Drumkit zu Kleinholz, während der Bassistenposten mittlerweile eher Nebensache ist und diesmal schon zum zweiten Mal von Iscariah besetzt wurde, was nach den letztjährigen Line-up Wechseln eine verdammt lange Zeit ist.

Nach ständig wachsenden Verkaufszahlen und Auslaufen des Vertrags bei Osmose Productions hat Nuclear Blast nicht lange gefackelt und die Jungs unter Vertrag genommen. Dass das wahrscheinlich wesentlich lukrativer für die Band ist und ihr neue Pforten öffnet muss nicht extra erwähnt werden. Also, neues Label, neues Glück? Ja, davon kann man sich mit dieser Scheibe überzeugen.

Mit ‘One By One’ startet die Platte sofort furios, so wie man das von den Jungs gewöhnt ist. Blast Beat und DoubleBass gepaart mit Abbath Krächzgesang und eisigen Riffs. Nach einer Minute läßt man es dann aber gemächlicher angehen und der Song bewegt sich im schnellen Midtempo, der somit zu einem amtlichen Headbanger wird bevor Horgh dann wieder alles kurz und klein prügelt. Der Stil Immortal anno 2002 ist gekennzeichnet von vielen Tempowechsel die den Sound sehr abwechslungsreich machen. Was für ein Opener! Danach folgt der Titeltrack bei dem direkt das ausgefallene Drumming auffällt. Horgh ist einer der wenigen Black Metaldrummer die nicht blind auf ihr Schlagzeug einprügeln, sondern auch versuchen Akzente zu setzen. Auch hier schlägt der Song nach etwa zwei Minuten um und wird zu einem epischen Viking (oder Pagan) Metaltrack bevor das Tempo wieder stark angezogen wird. Am Schluß weiß Abbath sogar den Hörer mit einem astreinen Solo zu begeistern.

‘Tyrants’ beginnt extrem schleppend was man für diese Art von Musik eigentlich nicht gewohnt ist. Doch anders wie erwartet hält das Lied die ganze Zeit (gute sechs Minuten) über diese Geschwindigkeit. Nur im Mittelteil nach einer Instrumental- und Akustikeinlage (!) gibt es das obligatorische Drum- und Riffsgewitter was durch den langsamen Charakter des Songs umso intensiver wirkt. Wem das zu harmlos ist, der kann sofort das nachfolgende Stück anhören, beim dem sich Immortal wieder auf alte Tugenden besinnen. Das heißt viel Blastbeat und Riffs die sich eigentlich nicht im Ohr festsetzen können und wollen. Und trotzdem oder gerade deswegen ist dieser Song der kürzeste und schwächste der CD.

Die zweite Hälfte des Albums besteht aus vier sieben- bis achtminütigen Hymnen. ‘Within The Dark Mind’ ist ein Midtempostück bei dem Abbath viele verschiedene melodische aber dennoch etwas sperrige Riffs verbratet, so dass das Lied immer die Aufmerksamkeit des Zuhörers fordert. ‘In My Kingdom Cold’ ist im Schnitt schneller als ‘Within The Dark Mind’ besitzt allerdings die gleichen Trademarks und ist in den Strophen mit einem Blast Beat unterlegt. ‘Antarctica’ beginnt etwas bedrohlich mit dem heulen des Windes, den man wahrscheinlich irgendwo auf einem Eisberg in der Antarktis aufgenommen hat. ;) Das darauffolgende Riffing ist dann allerdings alles andere als bedrohlich sondern einfach nur typisch Immortal. Den Song würde ich allerdings nur bedingt als Black Metal bezeichnen, da sich der Sound doch schon arg in Richtung Viking Metal bewegt, als Vergleich würde ich Bathory nennen. ‘Beyond The North Waves’ kann man dann wohl als abschließende Hymne bezeichnen. Anfangs hört man das Plätschern des norwegischen Atlantiks und ein etwas stranges Gitarrenspiel das mich irgendwie an Tools Paraola erinnert. Das Stück bewegt sich auch wieder im Midtempo und kann wiedermal durch eine perfekte kalte Stimmung und das grandiose Ende begeistern.

Immortal haben sich auf diesem Album wieder weiterentwickelt, weg von der alten Raserei hin zum Midtempo. Wer die letzte CD schon nicht mochte wird diese ganz bestimmt nicht mögen, allerdings sollte jeder Metalfan mal reinhören. Die Produktion von Peter Tätgren ist einsame Spitze, ich wüßte wirklich nicht was er am Sound besser hätte machen können. Das Artwork des Digipaks ist sehr schön und stilvoll, und es ist nach allen Seiten aufklappbar, was den Vorteil des Wechsels zu Nuclear Blast zeigt. Die Lyrics deuten auf den immer noch unterkühlten Verstand Demonaz hin, der auch diesmal die Texte geschrieben hat, allerdings sehen die Photos, trotz Kriegbemalung und schrecklichem Posing, diesmal wirklich cool aus. ‘Sons Of Northern Darkness’ ist wieder mal ein sehr gutes Album von Immortal, das jeder in seiner gutsortierten Sammlung haben sollte.

Bewertung: 8.5 / 10

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