CD-Review: Nornír - Verdandi

Besetzung

Lethian – Gesang, Gitarre, Perkussion
Angrist – Gitarre
Reineke – Bass, Gesang
Farliath – Schlagzeug

Tracklist

01. Kveld
02. Vergessenheit
03. Natt
04. Transzendenz
05. Yggdrasil Og Nornene
06. Isvinden I Nord
07. Valhalla’s Call


Obwohl es überaus spannend ist, zu beobachten, wohin sich Black Metal als Musikrichtung über die Jahre entwickelt hat, gibt es viele Bands, die sich das Genre schlicht und einfach in die 90er Jahre zurückwünschen – eine Zeit, als Industrial-Experimente und Symphonic-Bombast noch in weiter Ferne lagen. Auch NORNÍR zählen zu den Truppen, denen nicht an Fortschritt, sondern an der Wiederbelebung des Geistes der Second-Wave gelegen ist. Ebendies gelang dem 2014 gegründeten, deutschen Quartett auf seiner Debüt-EP „Urd“ schon halbwegs gut, mag das Minialbum auch ein wenig unspektakulär gewesen sein. Mit „Verdandi“ legen NORNÍR nunmehr ihre erste Full-Length-Platte nach und warten darauf doch mit ein paar kleinen Überraschungen auf, die jedoch keineswegs aus dem Rahmen fallen, den sich die Band selbst gesetzt hat.

Anstatt von der ersten Sekunde an die schwarzmetallischen Funken fliegen zu lassen, haben NORNÍR mit „Kveld“ unerwarteterweise ein bedächtiges, leicht rituell angehauchtes Folk-Intro mit Klargesang, Perkussion und Sound-Samples an den Anfang ihrer Debütplatte gestellt. Vergleichbar urtümliche Parts mit Akustikgitarren und Gesängen finden sich allerdings nicht nur im Intro, sondern beispielsweise auch im eher wehmütigen „Yggdrasil Og Nornene“ und im heroischen „Valhalla‘s Call“. Nichtsdestotrotz ist „Verdandi“ ansonsten in erster Linie eine überwiegend konventionelle Black-Metal-Platte und trägt somit auch für die Spielart typische Stärken und Schwächen in sich.

Zu ersteren zählen definitiv die stürmischen Tremolo-Riffs („Vergessenheit“) und das nicht minder rabiate Drumming. NORNÍR ringen den Saiten hier so manch prägnante Melodie ab und auf „Isvinden I Nord“ lassen sich die Deutschen sogar zu einem herrlich ausgelassenen Solo hinreißen. Gesangstechnisch begeistern NORNÍR mit ihren eher eindimensionalen, nur vereinzelt leicht verzweifelt klingenden Screams („Natt“) zwar nicht gerade, aber an der Performance gibt es nichts auszusetzen. Selbiges lässt sich von der Produktion leider nicht sagen. Während die ruhigeren Akustik-Abschnitte einigermaßen klar, wenn auch etwas zu rau klingen, reiht sich bezüglich des Sounds der Black-Metal-Instrumentalisierung ein Makel an den anderen.

Die Songs machen wegen ihres dumpfen und zugleich übertrieben spröden Klangs einen unfertigen Eindruck, die an sich coolen Leads werden bedauerlicherweise von den Rhythmusgitarren übertönt und die Hi-Hats wurden im Vergleich zur Bassdrum viel zu dominant abgemischt. Besonders störend fällt die Produktion hinsichtlich der Samples auf – man muss sich schon anstrengen, um etwa das eigenartige Knacken auf „Natt“ als knisterndes Feuer wahrzunehmen. Die Fähigkeiten, die NORNÍR in ihrem schlüssigen, wenn auch alles andere als einzigartigen Songwriting an den Tag legen, können darüber leider auch nur bis zu einem gewissen Grad hinwegtrösten.

In der Gegenüberstellung mag es zwar interessanter sein, einer Band beim Erforschen neuer Klangvariationen zuzuhören, doch auch das Rezipieren eines bereits existenten Stils will geübt sein. NORNÍR verstehen sich auf ihr Handwerk und folglich sind die neuen Songs ein paar kleineren Unstimmigkeiten zum Trotz im Großen und Ganzen äußerst solide. Wenn es einen Grund gibt, aus dem man dennoch lieber zu den Klassikerwerken des Genres greifen sollte, dann ist es die Produktion. Natürlich wäre ein aufpolierter Hochglanz-Sound hier genauso wenig sinnvoll gewesen, dennoch hätte man die Instrumente auf „Verdandi“ wesentlich effektiver aufeinander abstimmen und natürlicher klingen lassen können. In dieser Hinsicht haben NORNÍR somit noch einiges zu lernen.

Bewertung: 6 / 10

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