Review Onslaught – Live At The Slaugtherhouse (CD/DVD)

Live-Mitschnitte sind, selbst in der von der Generation Spotify ansich schon oft totgesagten Welt der physischen Veröffentlichungen, eine Art Anachronismus: In einer Zeit, in der man auf Youtube vom Handy-Clip bis hin zum semiprofessionellen Bootleg-Film zu nahezu jeder erdenklichen Band das komplette Spektrum an Mitschnittqualitäten findet, wirkt die Idee, Live-Shows auf einen Silberling zu bannen und in Form eines Konzertfilmes (oder gar nur einer Live-CD) zu veröffentlichen, tatsächlich etwas antiquiert. Und doch ist die Live-DVD aus dem Metal nicht wegzudenken und gehört gerade für Thrash-Metal-Fans zum Must-Have in der Diskographie.

So überrascht es nicht, dass auch die Thrash-Veteranen ONSLAUGHT in diesem Sektor mal wieder nachlegen – schließlich sind seit der letzten derartigen Veröffentlichung, „Live Damnation“ (2009), mit „Sounds Of Violence“ und „VI“ schon wieder zwei starke Alben erschienen, deren Livetauglichkeit dokumentiert gehört.

Nun ist es aber leider so: Während wirklich gute Live-DVDs zu produzieren aus vielen Gründen extrem aufwendig und entsprechend teuer ist, sehen viele Labels Live-DVDs als kostengünstige Veröffentlichung zwischen zwei Studioalben, die ohne viel Aufwand nochmal etwas Geld in die Kassen spült. Das Problem dabei: Eine DVD, die – sei es aus reiner Profitgier, sei es, weil schlicht nicht mehr Geld für die Produktion da war – mit zu geringem Budget produziert wurde, ist in der heutigen Zeit schlichtweg überflüssig. ONSLAUGHTs „Live At The Slaughterhouse“ ist dafür leider ein Paradebeispiel.

Gefilmt wurden zwei Shows in der O2-Academy in London und der in Bristol, deren eine (London)  sich als Live-CD im „Live At The Slaughterhouse“-Package findet: Der Sound – direkt über das Mischpult abgenommen – klingt durchaus fett, eigentlich wie aus dem Studio. Dazwischen ein paar Ansagen und fertig ist die Laube. Was fehlt? Richtig – die Live-Atmosphäre und damit der eigentliche Grund, warum man sich diese CD anhören sollte. Denn das Songmaterial in Studioqualität hat der Fan sowieso im Schrank. Um jedoch beispielsweise den Publikumsjubel einzufangen, wäre weit mehr Equipment, Aufwand und Know-How nötig – Aufwand, der sich allerdings lohnt, wie gute Live-Mitschnitte beweisen.

Noch deutlicher fällt ein (zu) niedriges Budget jedoch auf, wenn bewegte Bilder ins Spiel kommen: Das aus genannten Gründen scheinbar stumm jubelnde Publikum ist da noch das geringste Problem und auch über die mittelmäßige Bildqualität ließe sich bei einer Band in der Größenordnung von ONSLAUGHT hinwegsehen. Dass Ton- und Bildspur jedoch bestenfalls näherungsweise zusammenpassen, ist das Ende der „Live-Atmosphäre“ im heimischen Wohnzimmer. Keine Frage, mehrere Shows mitzuschneiden und das Bildmaterial zu einem Konzertfilm zusammenzuschneiden, ist in dem Sektor State of the Art. Damit dieser Trick funktioniert, bedarf es jedoch einiges technisches Geschick im Schnitt. Das Videomaterial aus den beiden gefilmten Shows, wie hier geschehen, mehr schlecht als recht über die Audiospur des CD-Konzertes zu legen, reicht da schlicht nicht aus.

War das Cover von „VI“ auch noch so cool – dass man für „Live At The Slaughterhouse“ nahezu Dasselbe in Grün verwendet hat, passt ebenso ins Bild wie der recht belanglose, halbstündige Roadmovie, der das Package gemeinsam mit dem Video zu „6 6 Fuckin’ 6“ komplettiert: „Live At The Slaughterhouse“ ist leider nicht mehr als eine wohl vergleichsweise kostengünstig produzierte DVD, die die unbestrittenen Live-Qualitäten der Thrash-Veteranen ONSLAUGHT nicht ansatzweise widerspiegelt. Selbst eingefleischte Fans sollten sich den Kauf dieser DVD zweimal überlegen.

Wertung: 3.5 / 10

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