CD-Review: Pain Of Salvation - Panther

Besetzung

Daniel Gildenlöw - Gesang, Gitarre
Johan Hallgren - Gitarre
Gustaf Hielm - Bass, Gesang
Daniel "D2" Karlsson - Keyboard
Léo Margarit - Schlagzeug, Gesang

Tracklist

1. Accelerator
2. Unfuture
3. Restless Boy
4. Wait
5. Keen To A Fault
6. Fur
7. Panther
8. Species
9. Icon


Die Paradedisziplin von PAIN OF SALVATION ist es, ihrer Hörerschaft beständig vor den Kopf zu stoßen: Hatte man sich soeben an die überraschenden Elemente auf der neuen Platte gewöhnt, werfen sie diese auf der kommenden Veröffentlichung wieder über Bord und erweitern ihre Musik erneut um ungeahnte Facetten – Prog at its best!

Haben die Schweden beispielsweise noch Discopop-Anleihen in „Scarsick“ (2007) zelebriert oder Oldschool-70s-Rock auf dem Zweiteiler „Road Salt“ (2010, 2011) gespielt, nähert sich das Quintett um Sänger Daniel Gildenlöw mit übergroßen Schritten dem modernen Prog Metal an.

Somit bleiben PAIN OF SALVATION auf „Panther“ auf der groben Marschroute, die sie auf dem Vorgänger „In The Passing Light Of Day“ (2017) eingeschlagen haben.

Damit zementieren die Schweden einen der wenigen guten Aspekte von 2020: Es ist ein gutes Jahr für Prog-Musik. Und es ist ein noch viel besseres Jahr für jene Hörer, die ihren Prog mehr virusesk (Haken) als pitfallsig (Leprous) haben möchten. Und genau diese Menschen müssen unbedingt schnellstmöglich „Panther“ hören – sonst entgeht ihnen nicht weniger als der heißeste Anwärter auf das Prog-Album 2020!

Eröffnet mit dem brillant vertrackten, rhythmisch aufs Äußerste verworrenen „Accelerator“ schießt „Panther“ mit „Unfuture“ sofort das nächste Schwergewicht hinterher, musikalisch wie lyrisch. Denn auch auf dem elften Album bleibt sich Gildenlöw seiner Linie treu und verfasst Material, was nachdenklich stimmt.

Aus der Sicht eines Außenseiters beschreibt der Sänger eine Welt, in der jener Außenseiter aus der Norm fällt, denn anders als ein Großteil der ihn Umgebenden bewegt sich diese genormte, durchstrukturierte Welt zu behäbig für ihn.

I said, I feel like a panther, trapped in a dog’s world“ definiert beide Lager: Den Panther als Außenseiter („You know what I’m thinking? What if I am not the problem here? You think so slow, plan too much, had the matches all along„), die Hunde als Durchschnitt („welcome to the new world, please wait in line, just sign the dotted line, Sir, don’t waste our time„).

Musikalisch unterlegen PAIN OF SALVATION diesen erzählten Reifeprozess mit mehr Detailverliebtheit, als man bei den ersten Hörgängen wahrnehmen und verarbeiten kann; besonders in „Restless Boy“ tritt die neueste Errungenschaft der Schweden, offensiv eingesetzte atmosphärische Syntheinlagen, überdeutlich hervor.

Die Ausbalancierung zwischen Prog-Riffs, Blues-Anleihen („Unfuture“) und elektronischen Einschüben gelingt PAIN OF SALVATION dabei auf einem Niveau, dass man ihnen durchweg auf die Schulter klopfen will – just wow!

Das wunderschöne „Wait“ lässt erneut die Kinnlade runtersacken, denn nach den ersten drei Liedern ist dieser fragile, geradlinige Song mit seinen Klavierpassagen und seinem glasklaren Gesang erneut eine gelungene Überraschung und der Ruhepuls von „Panther“.

Mit „Keen To Fault“ eröffnen PAIN OF SALVATION die zweite, nicht weniger fesselnde Hälfte von „Panther“. Besonders der Titeltrack fordert anfänglich einiges ab: viel Rap, ein melodischer Refrain, polyrhythmische Attacken – kein typischer, aber mit jedem Hörgang wachsender Hit.

Mit „Species“ und dem Long-Track „Icon“ richtet sich das Quintett nochmals neu aus; die Led-Zeppelin-Reminiszenzen zu Beginn werden in „Species“ von heavy Alternative Rock abgelöst, ehe sich das 13-minütige „Icon“ zu einem straighten Riesen mit einigen Klimaxen aufbaut – neben „Accelerator“ und „Panther“ der dritte Song auf dem Album, dessen Qualitäten nicht sofort ins Ohr springen wollen, der dann aber auf ewig dort verbleiben wird.

So einfach es nun ist, der besungenen Geschichte von „Panther“ zu folgen, so schwierig ist es, ihre musikalische Untermalung schnell und in Gänze zu erfassen. Denn PAIN OF SALVATION legen mit „Panther“ eine hervorragend ausbalancierte, detailreiche, technisch einwandfrei arrangierte und schlichtweg hitreiche Platte vor, welche die Messlatte für kommende Prog-Veröffentlichungen kilometerweit nach oben katapultiert.

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Bewertung: 9.5 / 10

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