Parasite Inc. Cover "Cyan Night Dreams"

Review Parasite Inc. – Cyan Night Dreams

PARASITE INC. Haben sich mit ihren zwei bisherigen Alben bereits einen starken Status in der Szene erarbeitet. Ihre Idee von Melodic Death Metal sah von Anfang an etwas anders aus, sehr modern gehen die Aalener das Genre an und scheuen sich weder vor elektronischen noch poppigen Elementen. Das wurde beim Zweitwerk „Dead And Alive“ schon deutlich und kommt bei „Cyan Night Dreams“ jetzt so richtig zum Vorschein.

Ein Paradebeispiel für die Öffnung des Sounds ist der vorab ausgekoppelte Titeltrack: Spacige Synthesizer, klebrig-süße Keyboards, verzerrter Scream- und Klargesang, dazu ein poppiger, anschmiegsamer Refrain – was ist hier denn los? Von Melodic Death Metal sind bei „Cyan Night Dreams“ nur noch Spuren vorhanden. Die Elektrokomponente und der Keyboardanteil waren bei PARASITE INC. noch nie gering, auf Album Nummer drei geht die Band ihre Entwicklung aber mit überraschend großen Schritten als erwartet weiter.

Der rasante Opener „I Am“ ballert nach dem ruhigen Sci-Fi-Intro „Lithium“ noch recht gewohnt los und erinnert mit klassischen Melodeath-Strukturen stark an die bisherigen PARASITE-INC.-Outputs. Die Sounds erinnern auf bekannte Weise an die ungefähre Richtung Children Of Bodom, Arch Enemy oder weniger harten und technischen The Black Dahlia Murder. Auch der deutliche Industrial-Beat bei „First Born“ ist nicht gänzlich überraschend – nur eben unerwartet deutlich ausgeprägt. „Follow The Blind“ erinnert dann sogar etwas an die experimentellen Klänge von Heaven Shall Burns „Of Truth and Sacrifice“. Aber auch hier sind die Keyboards Nebendarsteller von der Art, die versuchen, die altgedienten Hauptdarsteller mit aller Macht an die Wand zu spielen. Neben dem Titeltrack sind vor allem „In False Light“ und „Under Broken Skies“ sehr moderne, keyboardschwangere Songs, die mit Melodic Death Metal nicht mehr viel am Hut haben.

Die Entwicklung von PARASITE INC. auf „Cyan Night Dreams“ ist nur logisch und folgerichtig. Die 80er sind nach wie vor voll im Trend, die Elemente waren auf den beiden Vorgängeralben schon deutlich vorhanden und keineswegs versteckt, nun übernehmen sie eben eine extrem große Rolle im Klangbild. Das wird in diesem Ausmaß sicher auch einige alte PARASITE-INC.-Fans vor den Kopf stoßen, während die moderne, elektronische Ausrichtung der Musik andererseits für mehr eigene Identität sorgt und sicher auch neue Fans anziehen wird. Die eingeschlagene Richtung ist spannend, oftmals aber noch nicht zwingend genug umgesetzt: Die poppigen Refrains verpuffen teilweise, Dynamik und Druck mussten einer sanften und gefälligen Synthwave-Atmosphäre weichen. Dadurch sind manche Songs und Songteile etwas zu lahm. Dagoba haben einen ähnlichen Schritt mit „By Night“ in diesem Jahr bereits besser und konsequenter durchgezogen.

PARASITE INC. wissen, was sie wollen und haben einen spannenden, modernen und relativ eigenständigen Weg eingeschlagen. Mit mehr Power, mitreißenderen Refrains und etwas weniger Weichspüler-Poppigkeit kann das nächste Album auch auf diesem Weg richtig einschlagen.

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Wertung: 6.5 / 10

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