CD-Review: Procession - To Reap Heavens Apart

Besetzung

F. Plaza - Gesang, Gitarre
J. Pedersen - Gitarre
C. Botarro - Bass
U. Bruniusson - Schlagzeug

Tracklist

01. Damnatio Memorae
02. Conjurer
03. Death & Judgement
04. To Reap Heavens Apart
05. The Death Minstrel
06. Far From Light


Das Zweitwerk der Chilenen von PROCESSION ist ein Kopfhörer-Album geworden; etwas, wofür man sich Zeit nehmen kann und – gerade wenn man in der richtigen Weltuntergangsstimmung ist – auch Zeit nehmen sollte. Denn genau dann kriechen einem die fetten Doom-Riffs, die auf „To Reap Heavens Apart“ abgefeuert werden, so richtig unter die Haut. Fans der frühen Candlemass, Saint Vitus oder Solitude Aeternus brauchen gar nicht weiterzulesen, denn für dieses Album kann man eine Generalempfehlung aussprechen. Doom-Fans können hier kaum enttäuscht werden.

Mit beeindruckender Sicherheit spielt sich das Quartett durch die sechs zumeist überlangen und enorm druckvoll produzierten Songs und legen dabei viel Wert auf Stimmung und eine geschlossene Atmosphäre; beides gelingt ihnen über große Teile hinweg bestens. Schon der instrumentale Opener entwickelt eine griffige Melange aus klassischen Doom-Riffs und aufgelockerteren Rock-Harmonien, in die sich ab „Conjurer“ der treffsichere Gesang von Herrn Plaza mischt. Der Mann verfügt über ein kräftiges, warmes Organ, das sich hervorragend für diese schwere, getragene Musik eignet und mich manchmal (vor allem im Titeltrack) an Warrel Dane zu Zeiten von Nevermores „Dead Heart In A Dead World“ erinnert – stark!
Allerdings neigt der Sänger dazu, die Töne jeweils sehr lange zu halten, was zwar einen durchaus genre-tauglichen Verschleppungseffekt erzeugt, stellenweise aber auch nervt. Ein Aspekt, über den man sicherlich hinwegsehen kann, der meines Erachtens aber auf dem nächsten Album beachtet werden sollte.

Neben den traditionellen one-beat-per-minute-Passagen, in denen man sich in eine schwer dissonante, melancholische Stimmung steigert, brechen geradlinige Rockmomente diese Stimmung immer wieder auf – auch hier zeigt sich der Titeltrack (überhaupt das Herzstück der Scheibe) als gelungene Gratwanderung. Das dann folgende „The Death Minstrel“, in dem unverzerrte Gitarren und gesprochene Vocals zum Tragen kommen, ergießt sich schließlich in das fast elfminütige Schlussstück „Far From Light“, bei dem noch einmal alle Register gezogen werden, bevor der Hörer in die Stille entlassen wird. Wie gesagt: Doom-Fans müssen hier reinhören. „To Reap Heavens Apart“ ist ein kraftvolles, stilbewusstes Album geworden, das Freunde desperater Klänge nicht enttäuschen sollte.

Bewertung: 8 / 10

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