Review RPWL – God Has Failed | Live & Personal

„God Has Failed“ – so heißt das Debütalbum der deutschen Artrocker RPWL, das im Jahr 2000 erschienen ist. Eigentlich wollte die Band den 20. Geburtstag des Erstlings mit einer Jubiläumstour feiern, doch daraus wurde im letzten Jahr natürlich nichts. Das Quartett machte aus der Not eine Tugend und filmte eine Live-Session des gesamten Albums. Diese erscheint jetzt unter dem Titel „God Has Failed – Live & Personal“ auf CD, Vinyl, DVD und Blu-ray.

Braucht es wirklich eine Neueinspielung einer Platte, die in der ursprünglichen Fassung schon ziemlich gelungen war? Ja und nein. In den letzten 20 Jahren ist viel passiert bei RPWL: Neun weitere Studiowerke und sieben Live-Alben sind erschienen. Auf dem Weg zu dieser stattlichen Diskografie hatte die Gruppe einige Besetzungswechsel zu verkraften. Immer wieder wurden sie währenddessen mit Pink Floyd verglichen; zu Zeiten von „God Has Failed“ war diese Analogie aber viel zutreffender als in den folgenden Jahren, in denen die Freisinger moderner, rockiger und stellenweise auch elektronischer wurden. Insofern ist es natürlich spannend zu hören, wie die Band ihr Debüt heute interpretiert.

Um es vorweg zu nehmen: Zumindest in dieser Hinsicht bleiben Überraschungen aus. Im Großen und Ganzen ist die Neu-Einspielung ziemlich nah am Sound und Spirit des Originals. Der eine oder andere Part wurde ausgeweitet, sodass die Scheibe jetzt gut fünf Minuten länger geworden ist. Und doch lohnt sich die Veröffentlichung, insbesondere in der Blu-ray-Fassung. Hier ist man der Band ganz nah. Die Musiker haben sich im Kreis zueinander aufgestellt und halten Blickkontakt. Die Gastsängerinnen Bine Heller und Caroline von Brünken sind eine tolle Ergänzung und machen die Musik noch floydiger als sie ohnehin schon ist. Bild und Ton sind Extraklasse, der ruhige Schnitt und das statische Licht wirken edel und verleihen dem Film einen dokumentarischen Charakter. Mit ganz wenig Mitteln wird hier eine tolle Atmosphäre erzeugt. In Zeiten von Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen ist es RPWL gelungen, ihre Session so aufzunehmen, als würden sie in unserem eigenen Wohnzimmer ein Konzert spielen.

Für 67 Minuten können die Zuschauer*innen hier in einen sphärischen, verträumten und melodiösen Klangkosmos eintauchen, gespickt mit vielen elegischen Gitarrensoli von Kalle Wallner. Sänger Yogi Lang ist unaufgeregt wie eh und je und gerade deshalb so gut. Es macht wirklich Freude, der Band beim Musizieren zuzusehen.

Als Extras gibt es auf der Blu-ray noch zwei Diskussionsrunden mit der originalen und der aktuellen Besetzung sowie eine Listening Session mit den Gründungsmitgliedern. Schöner Fanservice! Weniger schön ist, dass die beiden Bonustracks „Cymbaline“ und „Fat Old Sun“ nur auf der Vinyl-Ausgabe enthalten sind. Hierbei handelt es sich um zwei Pink-Floyd-Cover, die RPWL im Jahr 2000 während der Arbeit am Erstling im Studio aufgenommen haben. Immer wieder ärgerlich, wenn solche Raritäten bestimmten Formaten vorbehalten sind.

Nichtsdestotrotz ist „God Has Failed – Live & Personal“ zumindest als Blu-ray ein schönes, wenn auch ziemlich kurzes Livedokument. Fans der ersten Stunde sollten zugreifen, Pink-Floyd-Liebhaber sowieso – und wer RPWL gerade erst entdeckt, bekommt hier eine großartige Neueinspielung des Debüts von der aktuellen Besetzung geboten.

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Wertung: 8 / 10

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