CD-Review: Sangre De Muerdago - O Camiño Das Mans Valeiras

Besetzung

Pablo C. Ursusson - Gesang, Gitarre
Emma Skemp - Gesang, Schlagzeug, Flöte
Georg Börner - Gesang, Nickelharpa, Dulcimer, Bratsche
Bubu - Gitarre

Tracklist

01. De Terra e Madeira
02. Xordas
03. O Camiño das Mans Valeiras
04. Mensaxeiros do Pasado
05. De Musgo e Pedra
06. O Conxuro
07. Noites de Treboada e Ollos Abertos
08. Voar máis Aló das Montañas


SANGRE DE MUERDAGO ist eine (weitere) Spielwiese des galizischen Musikers Pablo Ursursson. Gemeinsam mit der singenden Schlagzeugerin Emma Skemp, Georg Börner (dem Mann fürs Exotische) und dem Gitarristen namens Bubu legt der Iberer das Album “ O Camiño das Mans Valeiras“ vor.

Natürlich benötigt jede Band, die mit Konventionen bricht, eine eigene Stilbeschreibung, hier wählte man unspektakulär und dennoch treffend „Forrest Folk“. Darunter kann sich der Hörer auch tatsächlich etwas vorstellen, denn Parallelen zu den deutschen Waffenbrüdern Empyrium sind genauso wenig zu leugnen wie eine Seelenverwandschaft mit den Dark Rockern Antimatter zu deren akustischen Phasen. Denn SANGRE DE MUERDAGO verzichten gänzlich auf Stromgitarren und Keyboards; alles, was aus den Boxen klingt, ist handgemacht.

Dies schließt die außergewöhnlichen Instrumente ein, die Georg Börner bedient: Niemand sollte an seinem schulischen Musikunterricht zweifeln, wenn er von Dulcimer oder Nyckelharpa (zu Deutsch Schlüsselfiedel) bisher nichts gehört hat. Konventioneller ist da schon die Bratsche, die immer wieder leitende Funktion in den Songs einnimmt.

Diese weisen eine seltene, wie erfreuliche Eigenart auf, denn die Musik nimmt den Hörer gleich beim ersten Durchlauf mit auf die spannende Reise durch Nordwestspanien, offenbart aber sukzessive immer mehr von sich und ihrer Seele. Gerade für den nativen Metalfreund gibt es bei dieser Sorte Klänge immer viel zu entdecken. Trotzdem stellt „O Camiño das Mans Valeiras“ da noch einmal die rühmliche Ausnahme dar: Besonders die hübsch eingefangenen Stimmungen, die ohne viel Anstrengung in fremde Gegenden entführen, machen das Gesamtkonzept von SANGRE DE MUERDAGO aus.

Darin unterscheiden sie sich auch von den genannten Referenzbands: Die Instrumentierung mag Empyrium ähneln. Wo das deutsche Äquivalent aber vor allem düster und bedrohlich agiert, wohnt den 43 Minuten dieser Platte eine erfrischende Leichtigkeit inne. Woran das liegt, ist schwer auszumachen. Vielleicht ist es das gekonnte Wechselspiel der Sänger: Vor allem die Duette aus weiblichem und männlichem Gesang sorgen für eine schöne Dynamik, die die Sonne im Inneren aufgehen lässt. Selbst die sonst so abgegriffenen „Ah“-Gesänge fügen sich hier nahtlos ein.

Seele ist ein Stichwort, das im Zusammenhang mit den Texten noch einmal aufgegriffen werden sollte. Die Authentizität, die die Musik verströmt, wird durch den Gesang hervorragend unterstützt, der sich dabei der galizischen Heimatsprache bedient. Klingt ein bisschen wie eine Mischung aus Spanisch und Portugiesisch, ist aber dennoch (mittlerweile) als eigenständige Sprache anerkannt. Und lohnenswerterweise wird sie nicht nur von 3,5 Millionen Menschen gesprochen, sondern auch von SANGRE DE MUERDAGO für die Umsetzung ihrer Visionen.

Eigentlich ist jeder Song ein kleines Kunstwerk und die Gesamtheit der acht Lieder macht aus „O Camiño das Mans Valeiras“ ein echtes Highlight. Nicht nur als Freund von ruhigem Folk sei hier das Antesten dringend empfohlen. SANGRE DE MUERDAGO sind sicher zurzeit noch ein kleines Licht auf dem internationalen Musikkuchen, aber für Pablo und Co. kann man nur hoffen, dass sich das bald ändert. Die Band hat ihren Beitrag jedenfalls geleistet.

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Bewertung: 9 / 10

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