CD-Review: Sangre De Muerdago - Noite

Besetzung

Asia Kindred Moore – Gesang, Harfe
Georg „Xurxo“ Börner – Gesang, Nyckelharpa, Viola,
Erik Heimansberg – Gesang, Flöte, Bodhrán
Pablo C. Ursusson – Gesang, Klassikgitarre, Hurdy-Gurdy, Trommel, Glocken

Tracklist

01. Medianoite
02. Xuramento
03. O Canto Do Lunar
04. A Chamada Da Néboa
05. Roubando O Viño Do Fauno
06. Longa Noite De Pedra
07. A Danza Das Ánimas
08. Lume De Solsticio
09. O Camiñante Coxo
10. Mariñeiros
11. O Descanso
12. O Amor


Wie bei vielen anderen Musikrichtungen kann man auch bei Folk oft in etwa erahnen, woher die jeweilige Band, die ihn spielt, stammt. So steht etwa in Europa der kalten, trostlosen Akustikmusik aus Skandinavien der eher sanfte, erdige, zum Teil aber auch heißblütige Stil der mediterranen Gefilde gegenüber. Zu den Vorzeigebands der letzteren Gruppe zählen allen voran SANGRE DE MUERDAGO, die den Hörer mit ihrem eigens kreierten „Forest Folk“ auf „Noite“ bereits zum vierten Mal für die Dauer eines Albums auf eine Reise in die galicischen Wälder mitnehmen. Wer mit der Musik des Quartetts noch nicht vertraut ist und nun aufgrund ihrer iberischen Herkunft mit dem feurigen Temperament eines Flamencos rechnet, sei gewarnt: SANGRE DE MUERDAGO zielen hier nicht darauf ab, das Blut in Wallung zu versetzen.

Es mag abgedroschen klingen, doch „Noite“ ist eines jener Alben, die an einem lauen Sommerabend bei einem Gläschen Rotwein gehört werden sollten. SANGRE DE MUERDAGO versuchen sich hier weder an drängenden Rhythmen noch an sperrigen Klang-Experimenten, sondern spielen schlichtweg das, was sie am Besten können: unaufgeregten, natürlichen Folk, der eine gewisse urtümliche Bedeutsamkeit ausdrückt, ohne dabei allzu weit ins Obskure einzutauchen.

Sanfter, melancholischer, aber niemals gramvoller Gesang schmeichelt den Ohren, während die zart gezupften Akustikgitarren, die zumeist das Grundmotiv der Songs bilden, von scharrenden, mittelalterlich anmutenden Streichern, wunderbar harmonischen Flötentönen und urkräftiger, aber keineswegs aufdringlicher Perkussion umspielt werden. Nur ganz selten bäumen sich die nachdenklichen Lieder in einem lebhaften Kraftakt auf, die meiste Zeit über besingen SANGRE DE MUERDAGO ohne Hast und Hektik den Zauber der Natur – ganz auf Galicisch, versteht sich. Von Zeit zu Zeit halten die vier Folk-Musiker in ihrem Treiben sogar gänzlich inne, geben dem Hörer für einen kurzen Moment der Stille Zeit, das Gehörte zu verinnerlichen, um kurz darauf schon wieder aufmerksam zu lauschen.

Dass SANGRE DE MUERDAGO in ihrer Gemächlichkeit derart konsequent sind, führt dazu, dass die einzelnen Songs einander in vielerlei Hinsicht ähneln und nur wenige davon (wie etwa „Longa Noite De Pedra“) als Hits herausstechen. Die Unterschiede beschränken sich überwiegend darauf, welches Instrument im jeweiligen Song im Vordergrund steht – in den urigen Instrumentals sind es zumeist die Streicher („Roubando O Viño Do Fauno“). Es stört jedoch nicht im Geringsten, dass man die Songs nicht gleich auf Anhieb aus dem Gedächtnis unterscheiden kann. „Noite“ hinterlässt in seiner Gesamtheit ohnehin einen viel stärkeren Eindruck.

Wer sich für die nächste Reise in den Mittelmeerraum mit der passenden musikalischen Untermalung eindecken oder sich diese eigentümliche, leicht melancholische und nostalgische Stimmung, wie man sie oft im Sommerurlaub erlebt, in die eigenen vier Wände holen will, kann mit „Noite“ rein gar nichts falsch machen. SANGRE DE MUERDAGO haben damit wieder einmal ein traumhaft schönes, authentisches Folk-Werk geschaffen, das auf ganzer Länge begeistert – wenngleich „O Amor“ die bis dahin nur leicht schwermütige Platte auf überraschend bedrückende Weise zu einem Ende führt. Nichtsdestotrotz eignet sich „Noite“ perfekt dafür, dem Alltagsstress für eine knappe Stunde zu entfliehen.

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Bewertung: 8.5 / 10

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