CD-Review: Sangre De Muerdago - Xuntas

Besetzung

Pablo C. Ursusson – Gesang, Gitarre, Drehleier, Musik-Box, Glocken
HannaWerth – Bratsche, Gesang
Georg Börner – Schlüsselfidel, Gesang
Asia Kindred Moore – Keltische Harfe
Erik Heimansberg – Flöte, Bassklarinette, Squaredrum of Peñaparda, Gesang

Gastmusiker
Steve Von Till – Gesang (Track 02)
Germán Díaz – Drehleier (Track 03)

Tracklist

01. Cadeliña
02. Xuntas
03. Unha Das Peores Cousas Que Escoitéi No 2019 Foi “Pedir Perdón É Un Acto De Debilidade”
04. Canción De Berce
05. Lonxanía
06. María Soliña
07. Coma Un Bico
08. Foliada De Tenorio
09. De Néboa E Choiva
10. Heavy Mental
11. Outra Nana Para Os Insomnes


(Neo-Folk) In fast absurder Geschwindigkeit hat die Band Heilung aus der Live-Rollenspiel-Szene heraus die Metal-Welt erobert: Unter den Fittichen von Season Of Mist wurde die Truppe in nur drei Jahren vom Underdog zum Headliner. Ein Gewinner dieser verblüffenden Entwicklung könnten SANGRE DE MUERDAGO sein. Die Band aus Galizien begleitete Heilung auf deren letzter Europatour und dürfte sich dabei unter den Freunden gepflegter Schamanenrituale viele Fans erspielt haben.

Mit Kostümierung, Tanz und dem ganzen Tamtam, das Heilung so beliebt und zugleich streitbar macht, haben die Spanier zwar nichts am Hut – ihr gefühlvoller, unprätentiöser Neo-Folk dürfte dennoch genau den Geschmack der naturverliebten Heilung-Fanbase getroffen haben.

Nur zwei Jahre nach „Noite“ veröffentlichen SANGRE DE MUERDAGO nun ihr nächstes Album, das den Titel „Xuntas“ (gallizisch für „gemeinsam“) trägt. Mal instrumental, mal mit lieblicher Stimme besungen, ziehen die Stücke den Hörer einmal mehr gleich in ihren Bann: Dargeboten auf Instrumenten wie Schlüsselfidel (Nyckelharpa), Bratsche, Hackbrett, Keltischer Harfe, Drehleier und Flöte ist die Musik der Spanier stark von Folkmusik und traditionellen Tänzen geprägt. Dabei interpretieren SANGRE DE MUERDAGO auch galizisches Liedgut („Foliada De Tenorio“) – anrührender sind jedoch ihre Eigenkompositionen. „María Soliña“ mit seiner gepfiffenen Melodie etwa oder das von Flöten getragene „De Néboa E Choiva“. Diese Songs klingen einmal mehr so warmherzig, verträumt und schlichtweg schön, dass man sich in eine zauberhafte Fantasy-Film-Welt versetzt fühlt: So könnte Folk in Valinor klingen, Tolkiens Heimat der unsterblichen Elfen.

Untermauert wird dieser märchenhafte Charakter mit den im Albumkontext immer wieder durchklingenden Naturgeräuschen: Vogelgezwitscher etwa, das stete Plätschern eines Baches oder die kraftvolle Brandung des Meeres. SANGRE DE MUERDAGO verquicken den natürlichen Sound ihrer Instrumente perfekt mit dem Instrumentarium der Natur. Und anders als bei ungezählten anderen Experimenten dieser Art klingt das Resultat eben nicht kitschig oder aufgesetzt, sondern vollkommen stimmig.

Das ist sicher nicht zuletzt dem lebendigen, natürlichen Sound des Albums zu verdanken: Der fängt alle Instrumente so authentisch und dynamisch ein, dass man das Gefühl bekommt, einem Kammerkonzert beizuwohnen. Für diesen zeichnet – wie schon auf den letzten Alben – mit Tobias Häussler (Farsot) übrigens ein Mann mit Black-Metal-Background verantwortlich. Das ist jedoch nicht die einzige Verstrickung von SANGRE DE MUERDAGO mit Metal: Die Schlüsselfidel spielt Georg Börner, bekannt von seinem Black-Metal-Projekt Coldworld. Und mit Steve Von Till (Neurosis), der hier auf Galizisch (!) mitsingt, haben die Spanier im Titeltrack einen prominenten Gast.

Gründe, SANGRE DE MUERDAGO auch als Metalhead eine Chance zu geben, gibt es also genügend. Allen voran jedoch sei hier schlicht und ergreifend die Musik genannt: Wer Metal nicht ausschließlich seiner Brutalität wegen, sondern auch für die oft großartigen Melodien liebt, könnte in „Xantas“ auch ohne Stromgitarren, Schlagzeug und Screams sein Glück finden – für Folk-Fans gilt das sowieso. Es ist jedoch Vorsicht geboten: SANGRE DE MUERDAGO machen süchtig – und aus einem Album im Regal werden schnell mehrere.

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Bewertung: 8.5 / 10

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