CD-Review: Summoning - Dol Guldur

Besetzung

Protector - Gesang, Gitarre, Keyboard, Schlagzeugprogrammierung
Silenius - Gesang, Bass, Keyboard

Tracklist

01. Angbands Schmieden
02. Nightshade Forests
03. Elfstone
04. Khazad Dûm
05. Kor
06. Wyrmvater Glaurung
07. Unto A Long Glory...
08. Over Old Hills


SUMMONING – Wohl eine der wenigen heute noch aktiven Black Metal-Kapellen , die ihren Stil konsequent über die gesamte Diskographie durchgezogen haben, ohne jemals an Abwechslung zu verlieren oder gar langweilig zu klingen. SUMMONING bleiben zusätzlich noch trotz einer inzwischen doch recht ansehnlichen Anzahl an Veröffentlichungen ein schwer definierbares Mittelding, was den Bekanntheitsgrad angeht, das dem Underground zwar schon lange entstiegen, aber trotzdem weit entfernt vom Mainstream ist. Und so haben die vielen Perlen, die sich im Laufe der Zeit unter dem Band-Banner angesammelt haben, trotz zweifellos vorhandener Qualität keinesfalls den ihnen meiner Meinung zustehenden Bekanntheitsgrad erreicht. Das mag wohl auch und vor allem an der vollkommenen Live-Abstinenz der Band liegen, die konsequent über die Jahre eingehalten wird. Abgesehen davon scheinen die beiden SUMMONING-Protagonisten aber sowieso nicht sonderlich interessiert an kommerziellem Erfolg zu sein. Das soll die Hörerschaft aber nicht stören, solange weiter konsequent gute Alben veröffentlicht werden. Im Jahr 2006 eigentlich schon beim monumentalen „Oath Bound“-Werk angelangt, will ich hier aber vielmehr die „Dol Guldur“-CD besprechen, die bei mir zusammen mit dem Vorgänger „Minas Morgul“ nach langer Einhörzeit inzwischen Legendenstatus innehat. Interessant schon beim Betrachten der Tracklist: Bei einer Gesamtzahl von acht Songs sind gerade drei davon unter neun Minuten lang. Man kann sich also schon von vorneherein einmal mehr auf musikalische Epen sondersgleichen gefasst machen.

„Angbands Schmieden“ steht ganz in Tradition von „Soul Wandering“ der „Minas Morgul“-CD und fungiert dementsprechend auch wie dieses als Intro für die Scheibe. Auffallend sind die in Form von Glockengeläut eingespielten Samples, die der so schon sehr atmosphärisch ausfallenden Einleitung nochmal eine ganz besondere Note verleihen und die die sehr maschinell wirkenden Drumcomputer-Sounds von „Soul Wandering“ ablösen. Der Zuhörer mag hier schon merken, dass es nicht mehr halb so düster zugeht wie noch 1995 . Nach dreieinhalb Minuten endet das Intro dann, inzwischen von Keyboard unterstützt, und leitet auf den ersten zehnminütigen Atmosphäre-Hammer über, „Nightshade Forests“. Und hier sei dann schon die Forderung der Scheibe an den Hörer genannt: Sie braucht Aufmerksamkeit, und den Willen, sich auf die Musik einzulassen, sich von ihr gefangennehmen zu lassen. Wenn man diese Voraussetzungen erfüllt, wird aus einem auf seltsame Weise minimalistisch ,und trotzdem von unpassenden Keyboard-Streuseln übersäht wirkenden Klumpen, ein Epos, der an Majestät und Dramatik problemlos an die Texte des ehrwürdigen Meister Tolkiens selbst heranreicht. Man fühlt sich förmlich in die Welt von Mittelerde hineingezogen, zwar wirkt das Ganze in diesem Song noch eher unbestimmt, nichtsdestotrotz stammt die Atmosphäre aber unmissverständlich direkt aus dieser Welt, und lässt einen auch nach noch so vielen Durchläufen nicht mehr los. Die Art, wie diese Atmosphäre vermittelt wird, tut ihr übriges, die schwirrenden Gitarren wirken trotz objektiv betrachtet magerer Spielweise nie langweilig, da sie sich perfekt mit dem allgegenwärtigem – aber immer wohldosiertem – Keyboard ergänzen, welches bei dieser Band seit jeher die Melodie trägt. Einzig der Drumcomputer mag vielen schon aus Prinzip ein Dorn im Auge sein, doch für mich ist die Nutzung dieses Geräts der letzte Schritt zur totalen Eigenheit und Unnachahmbarkeit SUMMONINGs, zumal er sich perfekt ins Soundgewand einfügt und nie unpassend dahertrommelt.

Diese drei Aspekte gepaart mit dem gefühlvoll gefauchten Gesang (das geht tatsächlich) und den Mittelerde-inspirierten Texten ergeben seit jeher das Erfolgsrezept SUMMONINGs, das mich absolut zu faszinieren weiß. Und nie langweilt, da die Musik wirklich nie überladen wirkt, was bei einem einzigen melodieführenden Instrument und der zur Begleitung abgestuften Gitarren auch nicht verwundern sollte. Seine Manifestation findet das Ganze für mich in „Elfstone“, nachdem „Nightshade Forests“ nach zehneinhalb wunderschönen Minuten schließlich sein Ende findet. Mit dem ersten Ton beginnt man seinen Flug über das Königreich Arda, grüne, weite Wiesen erstrecken sich unter einem als man Rohan passiert, in weiter Ferne nimmt man den Wald von Dol Guldur wahr. Schließlich in Bruchtal angekommen beginnt man die Reise nach Zirakzigil, der immer verschneiten Bergspitze, auf der der Balrog gefallen ist – All diese Eindrücke präsentieren sich einem in einer Art ewigem Standbild, von fahlem Sonnenlicht beleuchtet und durchflossen von unendlicher Majestät und Epik, die einem Schauer um Schauer den Rücken herunterjagen. Das ändert sich auch nicht wenn man auf das Riff achtet (auch wenn es sich im ersten Teil des Songs dauernd wiederholt), da dieses in sich schlicht so stimmig ist, dass man es bei jedem Mal hören wieder neu entdecken – und fühlen – kann. Gegen Ende dieses 10-Minüters geht es dann noch etwas ruhiger zu, bevor dieser einen in „Khazad Dûm“ entlässt, welcher wiederum eine unglaublich dichte Atmosphäre auffährt, in der diesesmal sogar ein leicht mittelalterlicher Touch zu bemerken ist. Das Riff kann mich zwar nicht ganz so fesseln, trotzdem ein Hörerlebnis der ganz anderen Art. Wie der Rest des Albums auch, es macht wenig Sinn, diese Atmosphäre, die sich sowieso kaum in Worte fassen lässt, viel weiter zu beschreiben, da sie sich in jedem weiteren Song voll entfaltet und auch in jedem Song zu fesseln vermag. SUMMONING gelang mit dieser CD zweifellos ein ganz großer Wurf, der speziell im Genre Black Metal meiner Meinung nach weit abseits von allem Anderen steht, im Speziellen was Majestät und Epik anbelangt.

Zusammenfassend ist der einzige Makel, den ich vielleicht an dieser CD finden kann, dass die Geschwindigkeit nie wirklich angezogen wird, es geht immer in sehr gemächlichem, langsamem Tempo zu. Andererseits wäre der Preis eines höheren Tempos zweifellos der Verlust einer Menge Epik gewesen, was gerade hier verdammt schade gewesen wäre. So wird hier also eine absolute Kaufempehlung an alle ausgesprochen, die göttliche Melodien, langsames Tempo und gefauchten Gesang, im Idealfall sogar noch Tolkien, mögen. Die einzigen Alben, die meiner Meinung nach in diesem Sektor überhaupt besser sein könnten, stammen von ein und derselben Band – SUMMONING.

Bewertung: 10 / 10

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