CD-Review: Summoning - With Doom We Come

Besetzung

Protector – Gesang, Gitarre, Keyboard, Schlagzeug-Programming
Silenius – Gesang, Bass, Keyboard

Tracklist

01. Tar-Calion
02. Silvertine
03. Carcharoth
04. Herumor
05. Barrow-downs
06. Night Fell Behind
07. Mirklands
08. With Doom I Come


Nur wenige Bands können von sich behaupten, ein Genre grundlegend geprägt und damit eine ganze Heerschar von Bands dazu inspiriert zu haben, in ihre stilistischen Fußstapfen zu treten. SUMMONING sind eine solche Band. Mit ihrem bahnbrechenden zweiten Album „Minas Morgul“ haben die beiden Österreicher das Keyboard als primäres Instrument und programmierte Drums im Black Metal salonfähig gemacht. Seinen charakteristischen Sound hat das Duo auf den Folgealben kontinuierlich ausgebaut. Nach der Jahrtausendwende wurden die Veröffentlichungen jedoch unregelmäßiger, sodass man zuletzt fünf Jahre auf den Nachfolger zu „Old Mornings Dawn“ warten musste. Nun aber ist es endlich da, „With Doom We Come“, das achte Werk der Black-Metal-Institution.

Davon abgesehen, dass Silenius und Protector diesmal ausnahmsweise kein Intro an den Beginn ihres Albums gesetzt haben, sondern direkt mit dem mysteriösen, tief grollenden „Tar-Calion“ durchstarten, wird es die Fans der Band nicht überraschen, dass „With Doom We Come“ eine typische SUMMONING-Platte geworden ist. Bei einer so reichhaltigen Inspirationsquelle wie Tolkiens Fantasy-Literatur ist es nicht verwunderlich, dass SUMMONING immer noch neue Sagen aus Mittelerde in ihren abwechselnd heiser und garstig gescreamten Texten zu Tage befördern. Zur passenden musikalischen Untermalung komponieren die Österreicher auch nach über 20 Jahren noch getragene, majestätische und heroische Longtracks, die von ihren vielfältigen Keyboardarrangements leben.

Nun könnte man meinen, dass sich diese Herangehensweise nach so langer Zeit inzwischen totgelaufen hätte. Doch dann hätte man die Rechnung ohne SUMMONING gemacht. Dass sich die Epic-Black-Metaller erneut länger Zeit genommen haben, hat offenbar seinen Grund: „With Doom We Come“ ist trotz seiner üppigen Spielzeit von 65 Minuten beinahe gänzlich frei von Füllmaterial. Das liegt vor allem daran, dass sich SUMMONING nach wie vor unnachahmlich darauf verstehen, Keyboards und Perkussion kreativ einzusetzen. Mal in Form von erhabenen, heldenhaften Fanfaren („Silvertine“), dann wiederum als geheimnisvolle Chöre („Herumor“), melancholische Pianos („Mirklands“) oder liebliche Zupfinstrumente, die einem das Gefühl geben, den Innenhof einer ehrfurchtgebietenden Festung zu erkunden – jeder Song hat in dieser Hinsicht etwas Besonderes an sich.

Die rauschenden, aber auch melodischen Gitarren sind wie schon seit „Dol Guldur“ nur unterstützend tätig, forcieren jedoch die sagenhafte Stimmung, die SUMMONING ganz im Sinne ihres Namens mit ihrer Musik heraufbeschwören. Eine kleine Neuerung stellt am ehesten noch die Produktion dar, die sich diesmal ein wenig imposanter anfühlt, wodurch man den Eindruck gewinnt, dass die neuen Songs ein wenig vielschichtiger arrangiert sind.

Dass SUMMONING nach so langer Zeit noch derart viele Nachwuchsbands dazu animieren, ihnen mehr (Emyn Muil) oder weniger (Eldamar) gekonnt nachzueifern, mag ihrem frühen Schaffen zu verdanken sein – ihr aktuelles Output rechtfertigt es jedoch in gleichem Maße. Meisterstücke wie „The Passing Of The Grey Company“ oder „Khazad Dûm“ sind zwar selbstverständlich nur schwerlich in den Schatten zu stellen, doch der faszinierende Zauber, den epische Hymnen wie „Silvertine“ und „Herumor“ versprühen, kommt dem der alten Tage schon sehr nah. „With Doom We Come“ stellt somit eindeutig eine Bereicherung für die Diskographie des Duos dar, sodass die Fans, die allzu lange danach lechzen mussten, gewiss nicht enttäuscht sein werden.

Bewertung: 8 / 10

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3 Kommentare zu “Summoning – With Doom We Come”

  1. Winterpercht

    Schade, das erste Album, das bei mir nicht völlig zünden will. Es plätschert nett so nebenher, aber wirklich zwingend hängen bleiben mag bei mir nur wenig. Auch der neue Gesang, wie bei anschließendem Titelstück, begeistert mich nicht so sehr. Dadurch dass viele Sounds und die Produktion dem Vorgänger sehr ähnlich sind, wirkt alles etwas recycelt und die Alleinstellungsmerkmale, die bisher jede Platte hatte, fehlen mir hier. Summoning bleiben damit immer noch dir Speerspitze ihres eigenen Minigenres, die ähnlich gearteten Kollegen holen aber durchaus auf. Hätten Überplatten wie Oath Bound und Stronghold von mir 10/10 bekommen, die letzte noch 9/10, bin ich hier aktuell bei für Summoning-Verhältnisse eher mäßigen 7,5/10. Könnte auch an meine völlig überzogenen Erwartungshaltung liegen, der die Herren auch mit der Discography im Hintergrund nur schwer gerecht werden konnten. Aber ich warte gerne wieder sechs Jahre um mich eines besseren belehren zu lassen.

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Schade, dass dir das Album nicht so sehr zusagt. Wobei deine 7.5 ja eh sehr nah an meinen 8 liegen. ;)
      Ich verstehe, was du meinst, und ich würde es auch nicht unbedingt zu ihren stärksten Platten zählen. Aber ich muss eben schon sagen, dass es darauf ein paar Tracks gibt, deren Hauptmelodien mir tagelang im Kopf geblieben sind. Und die anderen Songs, bei denen das nicht so war, haben zumindest beim Hören selbst einen guten Eindruck gemacht. Eingängigkeit ist ja auch nicht alles. Aber das scheint bei dir ja nicht direkt der Kritikpunkt zu sein. Ob eine Melodie bei jemandem zündet oder nicht, ist ja äußerst subjektiv, da muss man sich wohl damit abfinden.
      Dafür würde ich nicht allen Vorgängeralben eine so hohe Wertung geben wie du, sodass meine Wertungen etwas näher beieinander liegen würden. Aber ihre Klassiker wie „Minas Morgul“ und „Dol Guldur“ können sie aus meiner Sicht ohnehin kaum überbieten.

  2. Winterpercht

    Es liegt tatsächlich, wie du bereits erwähnt hast, wohl eher am subjektiven Gesamteindruck der Melodien. Die Zutaten sind ja nachwievor nicht viel anders, die kleinen Nuancen (auch der Gesang) verändern ja nicht eine gesammte Band. Oath Bound und Stronghold haben für mich die Stücke, die mir am meisten in Erinnerung geblieben sind und die bringen mich dazu anders als bei dem in meinen Ohren auch nicht so guten Dol Guldur (im Vergleich zum absolut ungeschliffenen Diamanten Minas Morgul), die Platten immer wieder gern aufzulegen. Vielleicht habe ich bei Summoning auch ein etwas romantisiertes Bild, bzw. fehlt mir da die völlige Objektivität, da die genannten Alben bestimmte Zeiten in meinem Leben wohl sehr geprägt haben. Deswegen auch die wesentlich großzügigere Wertung und auch deswegen schreibe ich auch keine Reviews (mehr) ;)

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