CD-Review: Surturs Lohe - Seelenheim

Besetzung

Reki - Gesang, Flöte
Alraun - Gesang, Flöte
Heidenherz - Gesang, Gitarre
Ragnfalt - Gitarre
Ralph - Gitarre, Bass
Nidhöggr - Schlagzeug

Tracklist

01. Der Kaiser im Berg
02. Lohe Surt
03. Seelenheim
04. Unter der Linden
05. Gotengrab
06. Sumar kehre Heim
07. Schwertleite
08. Schildwacht


Obschon die Thüringer SURTURS LOHE seit immerhin 20 Jahren bestehen, gehören sie nicht unbedingt zu den bekanntesten Vertretern des Viking Metal. Das mag auch daran liegen, dass die Band seit ihrer Existenz gerade einmal vier Alben veröffentlicht hat, nach dem zweiten Langspieler „Vor Wallvaters Thron“ mussten die Hörer zudem satte neun Jahre warten, bis das „Nornenwerk“ erschien. Auf Quantität setzen SURTURS LOHE offensichtlich nicht – gerade im Hinblick auf die neue Platte „Seelenheim“, immerhin mit vier Jahren weniger Wartezeit versehen, wird aber deutlich, dass dies zu Gunsten der Qualität aber keineswegs schlecht sein muss.

Das Ganze beginnt mit dem hörspielartigen „Der Kaiser im Berg“ sehr ruhig, aber stimmig, bis der zweite Song „Lohe Surt“ den Hörer mitreißen darf und sich als straighter, kurzweiliger und kraftvoller Viking-Metal-Song präsentiert, der nicht übermäßig sensationell wirkt, aber gut unterhält. Wer nun allerdings glaubt, das volle Spektrum der Musik, die ihn auf den noch folgenden sechs Nummern erwartet, schon einschätzen zu können, der irrt gewaltig. Denn wenn SURTURS LOHE eine Sache beherrschen, dann ist es Abwechslung. Auf „Seelenheim“ gleicht praktisch kein Song dem anderen und doch gelingt es der Band, sie alle stimmig wirken zu lassen. Die Menge an verschiedenen Elementen, von denen die Songs profitieren, ist groß und lädt dazu ein, das Album immer wieder rotieren zu lassen, da es bei jedem Durchlauf Neues zu entdecken gibt. SURTURS LOHE bieten keinen Sound, der einfach zu erfassen ist, sondern aus vielen abwechslungsreichen Facetten besteht. Der im Übrigen sehr gelungene Black-Metal-Gesang etwa, der auf „Lohe Surt“ noch wie eine Selbstverständlichkeit wirkt, findet insgesamt auf lediglich drei Nummern Verwendung und weicht größtenteils sowohl männlichem als auch weiblichem Klargesang, der einwandfrei umgesetzt ist und Emotionen transportiert, ohne theatralisch zu wirken. Aber auch instrumental weiß das Album durch Vielschichtigkeit zu überzeugen: Neben schneidenden Gitarrenriffs gibt der Einsatz von Flöten, Akustik-Gitarren und vereinzelten Streichinstrumenten dem Soundgewand einen melodisch-folkigen und bisweilen sogar leicht symphonischen Touch.
Obgleich es für eine Metal-Band paradox erscheinen mag, zeigen sich SURTURS LOHE tatsächlich in den rein akustischen Momenten von ihrer besten und atmosphärischsten Seite – eine gute Sache also, dass es derer sehr viele auf „Seelenheim“ gibt und die Band keine Scheu hat, die Stromgitarren für längere Zeit verstummen zu lassen. Etwas konsequenter hätte die Gruppe dieses Konzept hie und da dennoch noch durchziehen können. Das fast durchgehend akustisch gehaltene „Gotengrab“ etwa, welches in Sachen Atmosphäre wohl als Höhepunkt des Albums angesehen werden kann, hätte davon profitiert, es komplett ohne metallischen Anteil auskommen zu lassen. Dass in den letzten Minuten auf einmal doch noch die E-Gitarren einsetzen müssen, kommt eher negativ überraschend, weil wenig stimmig.

Dies ist jedoch nur einer von wenigen kleinen Schönheitsfehlern und somit lässt sich festhalten, dass SURTURS LOHE mit „Seelenheim“ ganze Arbeit geleistet und ein mehr als würdiges Album zu ihrem 20-jährigen Jubiläum geschaffen haben. Wann genau die Band uns mit der nächsten Platte beehrt, weiß man bei SURTURS LOHE nie und ist von daher momentan noch nicht abzusehen. Fest steht jedoch, dass der Hörer bis dahin auf „Seelenheim“ viel zu entdecken und mit dem Werk definitiv seine Freude haben wird.

Bewertung: 8.5 / 10

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