Temperance - Diamanti - Coverartwork

Review Temperance – Diamanti

TEMPERANCE sind äußerst fleißig: „Diamanti“ ist seit dem Debütalbum „Temperance“ 2014 bereits Langspieler Nummer sechs, dazu gab es noch eine Live-Veröffentlichung sowie zwei EPs. Die Italiener schmeißen aber nicht einfach Platte um Platte auf den Markt, sondern arbeiten stets an sich und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Somit konnten sie den letztjährigen Vorgänger „Viridian“ über Napalm Records veröffentlichen und ihr Major-Label-Debüt feiern.

Bekannt waren TEMPERANCE schon immer für ihre fröhliche, lebensbejahende Musik. Daran ändert sich auch 2021 nichts, was unter anderem über den Titeltrack vermittelt wird: Diamanten stehen laut der Band für die Hoffnung auf eine bessere Welt und auf die Erfüllung unserer Träume, und Hoffnungen kennen keine Grenzen. „Diamanti“ soll durch die Sprache der Musik verbinden, so gibt es den Refrain neben Italienisch in verschiedenen digitalen Bonustracks auch auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Außerdem wird im dazugehörigen Musikvideo der Refrain auf visuelle Art durch Gebärdensprache dargestellt. Hier tropft der zuckersüße Kitsch zwar aus allen Poren, dennoch ist das eine wundervolle, positive Botschaft voller Herz. Diese positive Attitüde spiegelt sich auch in der Musik wider. TEMPERANCE spielen wie gewohnt ihre Mischung aus Melodic und Symphonic Metal mit Anklängen von Power Metal, Hard Rock und Pop. Im kraftvollen Opener „Pure Life Unfolds“ zeigen TEMPERANCE bereits von Anfang an, dass sie voll auf Bombast und ausschweifende Melodien setzen.

Die Melodien sind ein weiteres Drittel des Herzens der Scheibe – egal, ob diese nun von der Gitarre, dem Keyboard, den treibenden Drums oder der Orchestrierung geführt werden. TEMPERANCE gelingt dabei das Kunststück, alle Elemente in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen: Jedes der Instrumente ist fast immer hörbar, insgesamt ist aber keines davon zu dominant. Klar, beim direkten „Breaking The Rules Of Heavy Metal“ etwa ist die Gitarre der Hauptdarsteller, bei „Codebreaker“ rücken die Synthesizer und elektronische Elemente mehr in den Mittelpunkt. Über das ganze Album gesehen aber bilden alle Teile ein großes Ganzes, eine harmonische Einheit.

Eine harmonische Einheit stellen auch die zwei Sänger und eine Sängerin dar: Alessia, Marco und Michele teilen sich in allen Songs den Gesang und sind als Trio das dritte Drittel des TEMPERANCE-Herzens. Immer scheint genau der richtige der Drei den am besten zu ihm/ihr passenden Part zu singen. Bis auf ein paar wenige Screams verfügen alle drei über warme, klare Vocals in mittlerer Stimmlage mit vereinzelten Ausflügen in höhere Gefilde. Ob nun eine Stimme allein, zusammen im Chor oder versetzt und überlagert agierend – stets funktioniert das Zusammenspiel prächtig. Ihnen gelingt dabei das Kunststück, die Lieder nicht überfrachtet wirken zu lassen.

Mit dieser geballten Macht am Mikrofon haben TEMPERANCE natürlich große Variationsmöglichkeiten und diese nutzen sie auch aus. Das Quintett schafft es, jedem Song eine eigene Identität zu geben und die Spannung über die gesamte Stunde von „Diamanti“ konstant aufrechtzuerhalten und im weiteren Verlauf sogar noch zu steigern. „Litany Of The Northern Lights“ etwa setzt auf folkige Klänge, “Diamanti” auf träumerisch-einschmeichelnde Töne und „The Night Before The End“ auf dicke Nightwish-Orchestrierungen mit schweren Riffs und leisen Momenten. Dass bis ganz zum Schluss weiter auf Abwechslung gesetzt wird, zeigt das letzte Drittel des Albums: „Fairy Tales For The Stars“ ist ein locker-flockiger Popsong mit schwelgerischen Streichern, „Let’s Get Started“ ein Hard-Rock-Track mit spaßigen Synthie-Klängen und das abschließende „Follow Me“ ein Uptempo-Melodic-Metal-Kracher aus dem Lehrbuch.

Die Refrains sitzen nach wenigen Hördurchgängen, die Texte sind einfach und stehen für gute Laune, Hoffnung und Zusammenhalt, die Melodien haken sich immer mehr im Kopf fest – „Diamanti“ ist von vorne bis hinten ein richtig gutes, warmherziges Melodic-Metal-Album voller Leidenschaft, Theatralik und Pathos. Die sechste TEMPERANCE-Scheibe mit einer Stunde Feel-Good-Easy-Listening-Metal öffnet sich nach mehreren Durchläufen immer weiter. Durch die großen Unterschiede innerhalb der Songs gibt es anfangs fast zu viel aufzunehmen und zu verarbeiten, der Abwechslungsreichtum ist dafür ein Pluspunkt für den Langzeitspaß. TEMPERANCE brechen weder die Regeln des Heavy Metal noch sprengen sie dessen Grenzen, legen mit „Diamanti“ jedoch ihr bisher bestes und erwachsenstes Album vor. Eine überzeugende Vorstellung, die sich jeder Melodic-Metal-Anhänger zu Gemüte führen sollte.

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Wertung: 8 / 10

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