Die Belgier TEMPTATIONS FOR THE WEAK haben im Underground ihres Heimatlandes durchaus schon auf sich aufmerksam machen können. Mit ihrem vierten Album will es die bereits 2011 gegründete Band nun auch international wissen. Musikalisch bietet das Quintett eine moderne Mischung aus Thrash Metal, Metalcore und Groove Metal. Damit gelingt TEMPTATIONS FOR THE WEAK ein derart routinierter und druckvoller Sound, dass man sich wundert, dass sich hier eine Underground-Band und keine große Nummer des Genres präsentiert.
Direkt und ohne Einleitung legen TEMPTATIONS FOR THE WEAK mit dem Opener „Silver Lining“ gleich so los, als hätten sie nur diesen einen Song, um sich zu beweisen. Zu einem Riffgewitter à la LAMB OF GOD gesellen sich schnell die Aggressivität älterer MACHINE HEAD und PARKWAY DRIVE, ORBIT-CULTURE-artiger Groove und im Refrain die Eingängigkeit von KILLSWITCH ENGAGE und TRIVIUM. Das kracht, geht gut rein und drückt durch den starken Sound von Scott Atkins (u. a. CRADLE OF FILTH und SYLOSIS) stark aus den Boxen.
„Drowning World“ und das etwas langsamere „Final Straw“ mit an JINJER und RAGE AGAINST THE MACHINE erinnernden abgehackten Riffs gehen ebenfalls kompromisslos und roh nach vorne – gerade hier fällt der klare und differenzierte Sound positiv ins Gewicht. Das sehr melodische „Crossroads“ sorgt erstmals für einen größeren Kontrast – gerade mit diesem Song dürften TEMPTATIONS FOR THE WEAK international um Aufmerksamkeit buhlen, konnte man mit KILLSWITCH-ENGAGE-Sänger Jesse Leach doch ein absolutes Genre-Schwergewicht für einen Gastbeitrag gewinnen.
Die Belgier können jedoch auch gebremst: Die kraftvolle Ballade „Turned To Stone“ mit STONE-SOUR-Feeling geht gut ins Ohr. Das ebenfalls gemächliche „Obsession“ kommt nach dem akustischen Beginn aber trotz Steigerung zur härteren Nummer nicht so richtig aus dem Quark und entpuppt sich als Schnarcher des Albums. Viel besser steht der Band da schon die aggressive Schiene: „Your Own Suffering“ (sogar mit „Blegh“-Break) und „Crawl Through The Ashes“ sind nochmal zwei großartig drückende Groove-Nummern mit angenehm viel Abwechslung.
TEMPTATIONS FOR THE WEAK machen auf „The Venom Inside“ wenig falsch und wirken durchgehend wie eine abgeklärte, gefestigte Band, die das Genre von vorne bis hinten verstanden hat. Einzig störend fällt ins Gewicht, dass so gut wie jeder Song, jeder Part, jeder Rhythmuswechsel oder jeder Riff an eine der genannten Bands erinnert. Dennoch schaffen es TEMPTATIONS FOR THE WEAK, aus dem Metalcore-/Modern-Metal-Einheitsbrei herauszustechen, da „The Venom Inside“ nur so vor Energie, Wucht und technischem Können strotzt. Mit ein bisschen weniger Heldenverehrung und einem Schritt mehr Richtung Eigenständigkeit sind TEMPTATIONS FOR THE WEAK prädestiniert dafür, richtig einzuschlagen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 8 / 10


