Das Cover von "One More River To Cross" von The Ferrymen

Review The Ferrymen – One More River To Cross

Was Projekte von Frontiers Music angeht, sind THE FERRYMEN sicher eines der langlebigeren – immerhin veröffentlicht die Truppe nun schon ihr drittes Album in unveränderter Besetzung. Und die hat es in sich: Mit Sänger Ronnie Romero (u. a. Rainbow, Lords Of Black und MSG), Gitarrist Magnus Karlsson (u. a. Primal Fear) und Drummer Mike Terrana (u. a. Rage, Tarja, Vision Divine) sind hier drei Schwergewichte versammelt, die ohne das Zutun der italienischen Plattenfirma wohl nie zueinander gefunden hätten. Zwar weist der Satz „A project by Serafino Perugino“ THE FERRYMEN unmissverständlich als Reißbrett-Konstrukt des Labelchefs aus, ansonsten scheint das Trio aber weitgehend autark: Auf ihrem dritten Album „One More River To Cross“ ist von Frontiers-Handlanger Alessandro Del Vecchio noch immer keine Spur, denn auch hier hatte Herr Karlsson bei Songwriting und Produktion die Zügel fest im Griff.

Wer das bisherige Schaffen von THE FERRYMEN kennt, den wird es kaum überraschen, dass die Truppe noch immer die Blaupause einer Frontiers-Band ist: Phänomenale Musiker, mehr oder minder willkürlich zusammengewürfelt, die melodischen Metal spielen, wie er typischer nicht sein könnte. Das Hauptargument für „One More River To Cross“ ist also, die genannten Akteure im Zusammenspiel zu erleben. Der Charme dessen ist nicht von der Hand zu weisen, aber ob er auf dem dritten Album noch immer ausreicht, um das Projekt zu tragen, ist mehr als fraglich – zumal mindestens Sänger Ronnie Romero inzwischen in derart vielen Bands und Frontiers-Projekten (sic) aktiv ist, dass manch einer seine Stimme allmählich überhaben könnte.

Inhaltlich ist das, was THE FERRYMEN auf ihrer dritten Platte anbieten, nämlich bestenfalls durchschnittlich. Wie zuvor mäandert die Band auch hier zwischen Hard Rock sowie Melodic und Power Metal. In rockigeren Momenten wie dem Opener „One Word“ oder „The Last Ship“ erinnert das dank seiner Kombination aus 80er-Synthies und muskulösen Riffs stark an Whitesnake und in härteren Momenten wie „City Of Hate“ oder „The Other Side“ blitzen komplexere Formationen wie Symphony X als Vorbilder auf – das wird den Meisten bekannt vorkommen, ist es doch der Stoff, aus dem unzählige Frontiers-Bands gemacht sind. Weil Magnus Karlsson ein guter Musiker ist, kommt das Songwriting prinzipiell ohne Tiefpunkte aus, es fehlen nur die Höhepunkte: Wirklich jeder Song wird von einem Synthie-Intro eingeleitet, nach der ersten Riffwand wird auf die Bremse getreten und das alles drängt auf einen pathoslastigen Refrain hin. Kann man machen, denn es funktioniert, ist aber wahrlich nichts Besonderes.

Handwerklich muss sich die Truppe natürlich keinerlei Vorwürfe machen lassen. Magnus Karlsson ist ein fantastischer Gitarrist, der hier natürlich mit atemberaubenden Soli überzeugt und auch Ronnie Romero macht seinem Ruf als Dio-Nachfolger alle Ehre, was insbesondere in der mächtigen Power-Ballade „Morning Star“ nachzuhören ist. Auch ansonsten halten THE FERRYMEN auf ihrem dritten Album allerhand starke Riffs bereit und Mike Terrana treibt das Ganze durch ebenso kraftvolles wie ausgefuchstes Drumming an. Am Ende ist „One More River To Cross“ jedoch weniger als die Summe seiner edlen Teile, denn das Gesamtbild bleibt ultimativ gesichtslos. Die Songs erschließen sich schnell, nur bleibt am Ende kaum etwas hängen und das ist wohl mit das vernichtendste Urteil, das man fällen könnte.

„One More River To Cross“ ist in erster Linie all jenen zu empfehlen, die wirklich gar nicht genug von den involvierten Musikern hören können. Objektiv betrachtet ist alles, was THE FERRYMEN zu bieten haben, schon besser dagewesen und das sogar im Portfolio der Beteiligten – etwa bei Magnus Karlsson’s Free Fall oder eben Lords Of Black, der Ur-Band von Ronnie Romero. Mit ihrem Melodic Metal nach Zahlen kann dieses Trio leider auch auf seinem dritten Album nicht verbergen, dass es sich hierbei um eine seelenlose Auftragsarbeit für eine Plattenfirma handelt, die diese Art von Meterware zum Geschäfts- und Erfolgsmodell gemacht hat. „One More River To Cross“ ist ein technisch überragendes, aber inhaltlich absolut vernachlässigbares Melodic-Metal-Album, das ausschließlich für absolute Komplettisten einen Kaufanreiz darstellt. Schade, aber wenig überraschend.

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Wertung: 5 / 10

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