CD-Review: The Ossuary - Post Mortem Blues

Besetzung

Stefano “Stiv” Fiore - Gesang
Domenico Mele - Gitarre
Dario “Captain” DeFalco - Bass
Max Marzocca - Schlagzeug

Tracklist

01. Black Curse
02. Witch Fire
03. Blood On The Hill
04. Graves Underwater
05. Post Mortem Blues
06. The Crowning Stone
07. Evil Churns
08. The Great Beyond


(Heavy Rock / Doom Metal) Die jüngste Retro-Rock-Welle, die Rückbesinnung junger Nachwuchsmusiker auf die traditionellen Einflüsse der stilprägenden Gründungsväter unserer Lieblingsgenres, hält nun schon seit vielen Jahren an und ist daher vielmehr zum festen Bestandteil der Szene als lediglich kurzlebiger Trend geworden. Da gute Musik vor Ländergrenzen keinen Halt macht, ist das, was für viele mit Gruppen wie Witchcraft, Graveyard und Horisont in Schweden angefangen hat, mittlerweile natürlich auch in Italien angekommen. Im dortigen Süden haben sich im Oktober 2014 THE OSSUARY gegründet, die nun mit „Post Mortem Blues“ ihre erste Full-Length-Platte via Supreme Chaos Records vorgelegt haben.

Zu meiner Schulzeit gab es in manchen Klausuren sogenannte Transfer-Aufgaben, in denen man beweisen musste, dass man den Stoff nicht nur auswendig gelernt, sondern auch verstanden hatte und auf neue Zusammenhänge anwenden konnte. Insofern kann man THE OSSUARY als bestens vorbereitete Prüflinge bezeichnen, denn weder geben sie einfach nur wieder, was ihnen die Größen aus den siebziger Jahren vorgespielt haben, noch schreiben sie schlicht von ihren eingangs erwähnten Kameraden ab. Nein, „Post Mortem Blues“ bietet einen ganz eigenen Mix von Elementen, die – machen wir uns nichts vor – man natürlich alle schon bei anderen Kapellen gehört hat, der den Hörer aber immer wieder tief in die musikalische Welt der Italiener abtauchen lässt.

Wie genau diese Welt aussieht, lässt sich wohl am besten mit einer Mischung aus schwerfälligem Doom Metal und energetischem Heavy Rock bezeichnen. Der Opener „Black Curse“ lässt mit seinem schleppend groovenden Main-Riff im typischen Gitarrensound keine Zweifel daran aufkommen, wohin die Reise geht, und für Genre-Fans keine Wünsche offen. Hier kommt die düstere Schwerfälligkeit von Black Sabbath und Pentagram durch, wohingegen die folgende Nummer „Witch Fire“ mit ihrer fast schon lieblichen, melodischen Verspieltheit an Rainbow denken lässt.

Mit dieser gelungenen Mischung spielen sich THE OSSUARY durch ihre acht Tracks in etwas über vierzig Minuten, zocken mal eher flotte Rocker („Blood On The Hill“, Titeltrack), mal eher zähe Doom-Brocken („Graves Underwater“, „The Crowning Stone“) oder kombinieren beides im selben Song („Evil Churns“, „The Great Beyond“). Sänger Stefano Fiore fügt sein helles Organ gut in die Atmosphäre ein, singt dementsprechend hier einen hymnischen Refrain, zitiert dort mit dunklem Timbre H.P. Lovecraft („and with strange aeons, even death may die”) und unterhält insgesamt mit mythischen, historischen und morbiden Lyrics. Auch die Instrumentalisten haben ihre Hausaufgaben gemacht und beweisen, dass in THE OSSUARY trotz des jungen Alters der Band erfahrene Musiker am Werk sind – so zocken Gitarrist Domenico Mele und Drummer Max Marzocca auch bei den apulischen Death-Metal-Veteranen von Natron.

Richtig interessant wird es auf „Post Mortem Blues“, wenn nach dem üblichen Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Schema der C-Part beginnt und sich die Italiener ausgiebigen Instrumental-Parts hingeben. Hier spielt der Vierer gekonnt mit Dynamik, Tempo und Intensität, geht melodisch-clean zu Werke, baut Full-Breaks ein, um sich im nächsten Moment energisch aufzubäumen oder setzt Tambourin und Frauengesänge ein, um gefühlvolle Klangwelten zu erschaffen. Gerade in den Langstücken „Graves Underwater“ und vor allem „Evil Churns“ haben die Südeuropäer diesbezüglich ganze Arbeit geleistet.

Unterm Strich bieten THE OSSUARY mit „Post Mortem Blues“ also eine mitreißende Mischung aus tonnenschweren Doom-Riffs und wild-verspielten, klassisch angehauchten Leads, die in eine authentische, transparente Produktion eingebettet wurde und an Fans des Sounds und der oben genannten Bands nicht ungehört vorübergehen sollte. Nur was das Ganze letztlich mit Blues zu tun hat, das müssen uns die Herren noch erklären.

Bewertung: 8 / 10

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