CD-Review: The Tangent - Down And Out In Paris And London

Besetzung

Andy Tillison – Gesang, Keyboards, Gitarre
Guy Manning – Akustikgitarre, Gesang
Jonathan Barrett – Bass
Paul Burgess – Schlagzeug
Theo Travis – Saxophon, Flöte

Tracklist

01. Where Are They Now?
02. Paroxetine – 20mg
03. Perdu Dans Paris
04. The Company Car
05. The Canterbury Sequence Vol. 2: Ethanol Hat Nail
06. Everyman's Forgotten Monday (Bonustrack)


Nach dem opulenten Doppelalbum „Not As Good As The Book“ und der dazugehörigen Novelle im letzten Jahr, schalten THE TANGENT mit ihrer neuen Platte wieder einen Gang zurück: Das bereits fünfte Album der Prog-Projektband, „Down And Out In Paris And London“ ist eine lose Songsammlung mit weniger als einer Stunde Spielzeit. Gänzlich konzeptlos geben sich Andy Tillison und Co. allerdings auch dieses Mal nicht: Im 19-minütigen Opener „Where Are They Now?“ greift Chef Tillison einige Charaktere aus früheren THE TANGENT-Werken wieder auf und spinnt ihre Geschichten weiter.

Wieder einmal gibt es – das gehört ja fast schon zum festen Programm der Band – Veränderungen im Line-Up. Auf „Down And Out In Paris And London“, das inhaltlich nichts mit der gleichnamigen Novelle von George Orwell zu tun hat, präsentiert sich die Band nun endgültig britisch. Jonas Reingold am Bass und Jaime Salazar am Schlagzeug, beide aus dem Dunstkreis der schwedischen Flower Kings, sind nun – wie schon einige Jahre zuvor Flower Kings-Chef Roine Stolt – ebenfalls ausgeschieden. Dafür wurden Jonathan Barrett (Bass) und Paul Burgess (Schlagzeug) ins Boot geholt. Paul Burgess dürfte Progfans, die auch schon die 80er aktiv miterlebt haben, nicht unbekannt sein: Er spielte auf Camels Alben „Stationary Traveller“ und „Pressure Points“, absolvierte Liveshows mit Jethro Tull und ist seit jeher Schlagzeuger von 10cc. Jonathan Barrett ist ein alter Bekannter von Tillisons früherer Band Parallel Or 90 Degrees (die auch in naher Zukunft ein neues Album rausbringt).

Stilistisch haben die beiden Neuzugänge allerdings nicht für allzu große Veränderungen gesorgt. Auffällig ist lediglich, dass der Bass sich weniger in den Vordergrund spielt als zuvor. Es dominiert nach wie vor jazziger Retroprog der Canterbury-Schule. Insgesamt ist das Album allerdings wieder etwas progressiver und verspielter als der Vorgänger. Gleich der überlange Opener sollte THE TANGENT-Fans und Anhänger des Retroprogs überaus zufriedenstellen: Melodisch, abwechslungsreich, vielschichtig und wiedermal mit Melodien versehen, die man sich zwar erarbeiten muss, die dann aber lange Freude bereiten – sofern man den leicht unengagiert wirkenden Gesang von Tillison mag.

Erfreulich auch, dass der Fünfer die etwas härteren Augenblicke, die der Vorgänger bereithielt, herübergerettet hat: Sie finden sich beispielsweise im packenden „Paroxetine – 20mg“ und der Canterbury-Prog-Achterbahnfahrt „Ethanol Hat Nail“. Diese ist sehr verspielt, stellenweise schön schräg und braucht einige Durchläufe. Der harte Part ab Minute 8 ist nur noch genial und ein ganz heftiges Instrumentalgewitter. Gleich darauf begeistert Theo Travis wieder mit schönen, ruhigen Saxophonparts – dieser Mann ist enorm wichtig für THE TANGENT!

Qualitativ steht das neue Werk seinen Vorgängern alles in allem in Nichts nach. Alles, was die Gruppe ausmacht, ist ausreichend vorhanden, Längen finden sich nicht. Damit platziert sich das britische Projekt wie selbstverständlich neben den zwei anderen Retroprog-Helden dieses Jahres: Den wiedergekehrten, jedoch wesentlich kitschigeren Transatlantic und den schwedischen Kollegen von Beardfish, die jedoch deutlich weniger auf Canterbury setzen. Bleibt abzuwarten, wo sich THE TANGENT am Ende in den „TOP 2009“-Listen der Progrock-Szene platzieren werden.

Negativ fällt neben dem seltsam verwaschenen Coverartwork der Platte nur ihre Produktion auf: Sie wirkt – zumindest auf der vorliegen Promoversion – übersteuert. Das Schlagzeug kratzt in den lauteren Passagen teilweise so dermaßen, dass es beim Hören wirklich stört. Hoffentlich ist dies auf der Verkaufsversion nicht der Fall. Aus diesem Grund gibt es vorerst eine Abwertung von einem Zähler. So bleiben von 8.5 Punkten für die Musik am Ende noch 7.5 für das Album über.

Bewertung: 7.5 / 10

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