CD-Review: Thyrfing - Farsotstider

Besetzung

Thomas Väänänen – Gesang
Patrik Lindgren – Gitarre
Henrik Svegsjö – Gitarre
Kimmy Sjölund – Bass
Joakim Kristensson – Schlagzeug

Tracklist

01. Far Åt Helvete
02. Jag Spår Fördräv
03. Farsotstider
04. Höst
05. Själavrak
06. Elddagjämming
07. Baldersbålet
08. Tiden Läker Intet


Mehr als drei richtig lange Jahre haben uns die Schweden auf neues Klangwerk warten lassen. Und um ganz ehrlich zu sein, irgendwie habe ich auch nicht geglaubt, dass sie die hervorragenden „Urkraft“ und „Vansinnesvisor“ überbieten können. Und so ist es dann auch gekommen – es hat sich so einiges geändert, es ist auch wieder ein sehr gutes Album geworden, aber kommt nicht an die beiden Vorgänger ran.

Wie man schon beim Anblick des Covers vermuten dürfte, ist „Farsotstider“ sehr düster, schwerfällig und depressiv geworden. Die teilweise beschwingten Melodien, der klare Gesang, die eingängigen hymnischen Melodien sind gewichen und machen Platz für schwere Riffwände, bedrückende Stimmung und dramatische Atmosphäre. THYRFING gehen 2005 also einen ähnlichen Weg wie Moonsorrow mit „Verisäkeet“. Dazu gibt’s hier wieder nur schwedische Texte, die englischen Lyrics sind komplett verschwunden.

Schon der Opener „Far Åt Helvete“ überrascht etwas mit seinem schweren Grundriff, den wenig eingängigen Melodien und des am Anfang langsamen Tempos. Zwischendrin setzt es hier immer wieder heftige Double-Bass-Attacken, die man auf dem vorwiegend in mittleren bis recht langsamen Geschwindigkeitsregionen gehaltenem Album sehr selten vorfindet, diese wirken dann aber umso brutaler und wuchtiger.
Bei den ersten Durchläufen wirken auch die nächsten Lieder etwas seltsam, man braucht hier einiges an Eingewöhnungszeit. Nach weiteren Hördurchgängen machte es bei mir aber Klick und ein Song wie „Jag Spår Fördräv“ ist mit seiner im Grunde recht simplen Ausrichtung ein absolut fesselndes Stück, das nahezu eine hypnotische Wirkung entwickelt, die sich über die schwerfällige Musik und den Refrain bis hin zum sanften Keyboardzwischenspiel zieht. Der folgende Titeltrack „Farsotstider“ und das sehr ruhige „Höst“ verbreiten eine ähnlich depressive Stimmung, vor allem bei letzterem scheint sich Thomas all seinen Schmerz von der Seele zu singen.

Etwas eingängiger wird es zum Ende hin dann auch noch. „Baldersbålet“ und „Tiden Läker Intet“ haben haben als einzige „Farsotstider“-Abschnitte Hymnencharakter und bringen etwas Auflockerung in den sehr ernsten Grundton der Scheibe. Die beiden erinnern auch ziemlich an das „Vansinnesvisor“-Material, von daher wäre es vielleicht gar nicht so schlecht gewesen, „Baldersbålet“ an den Anfang des Albums zu stellen, um den Einstieg zu erleichtern.

„Farsotstider“ hinterlässt damit einen eher gespaltenen Eindruck mit bei mir drei Phasen: Die erste Kennenlernphase lässt eher skeptisch auf das Werk blicken, die zweite Phase bewegt sich nahe an der Begeisterung, bis die dritte Phase eher eine Mischung aus den beiden ist – ein gutes aber gewöhnungsbedürftiges Album mit einigen göttlichen Momenten und drei wirklichen Höhepunkten (2,7,8). Aber irgendwie hat man es von Thyrfing schon mal besser und aufregender gehört, und auch von anderen Bands. Ohne Frage ein klasse Album, das aber nicht mehr so aus der Viking / Pagan-Veröffentlichungswelle heraussticht, wie es die Vorgänger getan haben. Und an Moonsorrow kommt man aktuell sicher nicht vorbei. Trotzdem ist es eine gute Leistung, wenn man die Vorgänger nicht übertrumpfen kann und man dennoch kein Gefühl der Enttäuschung verspürt.

Bewertung: 7.5 / 10

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