CD-Review: Wayfarer - A Romance With Violence

Besetzung

Shane McCarthy – Gesang, Gitarre
Joey Truscelli – Gitarre
Jamie Hansen – Bass, Gesang
Isaac Faulk – Schlagzeug

Gastmusiker:
Kelly Schilling – Gesang (Track 07)
Anthony Limon – Gesang (Track 07)
Colin Marston – Synthesizer (Tracks 02 & 05)

Tracklist

01. The Curtain Pulls Back
02. The Crimson Rider (Gallows Frontier, Act I)
03. The Iron Horse (Gallows Frontier, Act II)
04. Fire & Gold
05. Masquerade Of The Gunslingers
06. Intermission
07. Vaudeville


Der Black Metal und die Folkmusik der USA haben schon manch ein Tänzchen miteinander gewagt – ein ungleiches Paar, das man im sogenannten „Cascadian Black Metal“ nicht selten antrifft. Charakteristisch für Vorzeigebands wie die stark vom Bluegrass beeinflussten Panopticon ist eine Ästhetik zeitloser Naturromantik. Der blutige Urbanisierungsvormarsch der europäischen Einwanderer im 19. Jahrhundert – popkulturell romantisiert als die Zeit des „Wilden Westens“ – wurde im amerikanischen Black Metal bislang hingegen selten bis gar nicht thematisiert. Mit ihrem vierten Album „A Romance With Violence“ schicken WAYFARER sich nun jedoch an, die Auseinandersetzung mit der Pionierzeit salo(o)nfähig zu machen.

Obwohl sich den anprangernden Texten („Our heroes are all killers / and it’s gold they romance“) entnehmen lässt, dass WAYFARER nicht daran gelegen ist, den Archetyp des Revolverhelden noch weiter zu verklären, ist es schwer, „A Romance With Violence“ nicht für seine unverschämte Coolness zu bewundern. Schon das vermeintlich aus einem Grammophon ertönende Intro „The Curtain Pulls Back“ lässt einen mit seinem schunkelnden Barklavier und Streicherspiel förmlich das Feuerwasser im Rachen spüren, ehe die Band im anschließenden „The Crimson Rider“ die schwarzmetallischen Pistolen zückt. Ihr Pulver verschießen WAYFARER in dem soliden, aber recht gemäßigten Longtrack allerdings noch nicht.

Richtig spannend wird es ab „The Iron Horse“, das mit seinen dramatischen Tremolo-Riffs, seinen polternden Drumrolls und Double-Bass-Salven sowie seinem wild durch die Gehörgänge fegenden Solo das intensivste Stück der rund 45 Minuten langen Platte darstellt. Von da an geben WAYFARER auch ihren Americana-Einflüssen in Form von schwermütigen, unverzerrten Gitarren („Intermission“), Clean-Vocals und trüben Hammondorgeln („Fire & Gold“) mehr Raum.

Auch in den spröden, lasch hingefetzten Gitarrenakkorden zu Beginn von „Masquerade Of The Gunslingers“ steckt ein gewisser Westernflair, zugleich aber auch ein drängender Unterton – als wollte die Band damit vor einem drohenden Feuergefecht warnen. Ihr Geschick als Songwriter stellen WAYFARER jedoch in keinem Track deutlicher zur Schau als in „Vaudeville“, das fließend zwischen lässig beschwingten Americana-Parts mit erdigen Gitarren und Klatschrhythmen und kräftig getragenen Black-Metal-Wellen wechselt und das Album auf absolute stimmige Weise abschließt.

In gewisser Weise ist „A Romance With Violence“ wie die Dampflokomotive, die WAYFARER in „The Iron Horse“ besingen. Das Album braucht eine Weile, um sich aufzuheizen – ist es jedoch erst einmal in Fahrt, gibt es kein Halten mehr. Im Gegensatz zu dem eisernen Ross, das den Westen einst im Sturm eroberte, heute jedoch ausgedient hat, könnte der Nachfolger von „World’s Blood“ (2018) technisch allerdings nicht ausgefeilter umgesetzt sein. Ein packendes Narrativ, schlüssige und zugleich vielseitige Arrangements, ein organischer, detailorientierter Sound, der zweifellos Colin Marstons Mixing und V. Santuras Mastering zu verdanken ist – „A Romance With Violence“ brilliert in sämtlichen Bereichen. Amerikas Black-Metal-Szene hat einen neuen Sheriff – und sein Name ist WAYFARER.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewertung: 8.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: