White Zombie - Astro Creep 2000 Album Artwork

Review White Zombie – Astro Creep 2000 – Songs Of Love, Destruction And Other Synthetic Delusions Of The Electric Head

WHITE ZOMBIE waren 1994 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: Ein Jahr zuvor war der Band um Multitalent Rob Zombie mit ihrem dritten Album „La Sexorcisto: Devil Music Volume One“ der große Durchbruch gelungen, sie tourten exzessiv und veröffentlichen diverse Soundtrackbeiträge (z.B. Beavis and Butt-Head, Airheads). Tatsächlich stand die Band kurz vor der Auflösung: Zwei Jahre Tourleben und der (zugegebenermaßen eigene) Erwartungsdruck im Hinblick auf das nächste Album hatten ihre Spuren hinterlassen. Wie konnte in diesem Chaos ein Album wie „Astro Creep 2000 – Songs Of Love, Destruction And Other Synthetic Delusions Of The Electric Head“ entstehen?

Die Magie schien dahin, man ging sich auf die Nerven und arbeitete alles andere als gut miteinander zusammen. So ließ sich die Ausgangsposition der drei verbliebenen Musiker Rob Zombie (Gesang), Bassistin Sean Yseult (die treibende Kraft hinter WHITE ZOMBIE neben dem Bandleader, mit dem sie bis zu den Aufnahmen von „Astro Creep 2000“ liiert war) und Jay Yuenger (Gitarre) kurz und knapp zusammenfassen. Tourdrummer Phil Buerstatte stand für die anstehenden Albumaufnahmen nicht zur Verfügung und so traf es sich gut, dass mit Ex-Testament– und –Exodus-Drummer John Tempesta und Tasten-und-Elektronik-Mastermind Charlie Clouser gleich zwei Musiker frischen Wind in die Produktion des neuen Longplayers brachten. So zeichnete sich früh ab, dass WHITE ZOMBIEs vierter Longplayer wesentlich industriallastiger als die vorangegangenen Werke daherkommen würde – was durch die spätere Veröffentlichung einer Remix-Platte unterstrichen wurde und einen eigentlich recht smoothen Übergang zum musikalischen Soloschaffen von Rob Zombie darstellt.

Tempestas Schlagzeugspiel sorgt allerdings für eine alles andere als sterile Rhythmusgruppenarbeit à la Ministry: Vielmehr groovt „Astro Creep 2000“ trotz des äußerst präsenten elektronischen Beiwerks wie Sau, was sich gerade in den Midtemponummern wie der Singleauskopplung „More Human Than Human“ oder dem unglaublich atmosphärischen Closer „Blood, Milk And Sky“ zeigt. Gitarrenseitig sorgt der wiederholte Bottleneck-Einsatz für im Metalbereich eher ungewohnte Klänge, in Sachen Vocals weiß der Zuhörer sofort, was er bekommt: Rob Zombies einzigartige und charakteristische Stimme, mal bedrohlich flüsternd wie in besagtem Albumcloser, mal kehlig knurrend wie im durch eine Jeanswerbung populär gewordenem „Super-Charger Heaven“, mal beinahe gerappt (Real Solution #9) und dabei immer ein wenig unterkühlt UND verzerrt.

Für die überraschend zeitlose Produktion zeigte sich Terry Date (u.a. Prong, Deftones, Pantera) verantwortlich. Untenrum schön fett, ein wenig noisy, aber trotzdem transparent gibt es hier auch nach fast 30 Jahren (bis auf den obligatorischen Faktor Lautheit) nix zu meckern. Auch dass die elektronischen Elemente nicht zu altbacken rüberkommen, ist absolut keine Selbstverständlichkeit bei Industrial-Metal-Platten aus den Neunzigern – hier macht sich die langjährige Zusammenarbeit von Charlie Clouser mit Nine Inch Nails‘ Trent Reznor, der dieses Kunststück ebenfalls beherrscht, bemerkbar. Der massive Einsatz von Dialogausschnitten aus Kultfilmen wie „The Omga Man“ oder „Shaft“ verleiht „Astro Creep 2000“ (natürlich auch in Verbindung mit dem gezeichneten Artwork) einen soundtrackartigen Comic-Vibe, beinahe collagenhaft.

Dass der Schreibprozess lediglich drei Monate und der Aufnahme- und Finalisierungsprozess auch nicht länger gedauert hat, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass selten alle Bandmitglieder in einem Raum waren. Man schickte sich Aufnahmen und Ideen hin und her, um persönlichen Kontakt, der für jedes einzelne Bandmitglied Stress bedeutet hätte, so weit wie möglich zu vermeiden. Auch die finalen Studioaufnahmen fanden ausschließlich im Overdubverfahren statt, beginnend mit Schlagzeug und Elektronik, was Yseult und Yuenger in die für sie unkomfortable Situation brachte, direkt auf die auskomponierten, elektronisch anmutenden Rhythmen zu spielen – anstatt Ideen in gewohnter Proberaumatmosphäre mit einem echten Schlagzeuger gemeinsam auszuarbeiten.

Man muss diese letzte Phase im Schaffen von WHITE ZOMBIE wohl als eine Art Agonie, ein letztes Aufbäumen vor dem Ende, verstehen. Nur so lässt sich erklären, dass „Astro Creep 2000“ ein einzigartiges Meisterwerk des Industrial-Metal der neunziger Jahre ist, dem man den eher traurigen Zustand des einstigen Bandgefüges nicht anhört. Unabhängig davon ist das Album ohne Frage auch einer der Wegbereiter des Nu Metal, der bereits in den Startlöchern stand: So kam Korns Debütalbum 1994 und somit ein Jahr vor „Astro Creep 2000“ heraus – und sollte die Metalwelt verändern.

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Wertung: 10 / 10

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