CD-Review: Wiegedood - De Doden Hebben Het Goed III

April 2018

Besetzung

Levy Seynaeve- Gesang, Gitarre
Gilles Demolder - Gitarre
Wim Sreppoc - Schlagzeug

Tracklist

1. Prowl
2. Doodskalm
3. De Doden Hebben Het Goed III
4. Parool


Das belgische Kunst- und Musikkollektiv Church Of Ra sollte jedem wohl jedem Hörer ein Begriff sein, der die Platten von Amenra, Oathbreaker oder The Black Heart Rebellion rauf und runter hört. Diesem geneigten Zuhörer wird bei dieser Aufzählung auch auffallen, dass ein wesentlicher Bestandteil der Church Of Ra fehlt, nämlich WIEGEDOOD.

Diese Band, die wiederum aus Amenra- und Oathbreaker-Mitgliedern besteht, veröffentlicht nun ihre dritte Platte „De Doden Hebben Het Goed III“; eine Band, die so viele Alben auf den Markt gebracht hat, wie sie seit Jahren aktiv ist, nährt schnell die Angst, dass WIEGEDOOD bei dieser Veröffentlichungshast wohl ihre Power verlieren könnten, allerdings sollte diese Angst noch nicht mit „De Doden Hebben Het Goed III“ eintreten.

Denn während sich Black-Metal-Songs mit einer überlangen Spielzeit zu oft in sich selbst verirren und den Hörer entweder genervt oder gelangweilt zurücklassen können, schaffen es WIEGEDOOD auch auf ihrem dritten Longplayer, nicht in diese Falle zu tappen. Obwohl die Belgier im Durchschnitt keinen Song unter acht Minuten auf diesem Album haben, sind diese Minuten weder irritierend in ihrer Struktur noch ergehen sie sich schlussendlich in einem faden Ende. Beide Problematiken kann das Trio dank eines wirkungsvollen Verbundes eines nur so vor Kraft strotzenden Tempos mit starken Riff-Flankierungen geschickt umgehen.

Nicht verwunderlich also, besonders nicht mit Blick auf die beiden Vorgänger, dass „De Doden Hebben Het Goed III“ mächtig viel Fußarbeit von Drummer Sreppoc einfordert, der entweder mit Blastbeats oder seinen Doublebass-Pedalen beschäftigt ist. Derweil schrubben sich Demolder sowie Sänger Seynaeve an den Gitarren die Fingerkuppen wund. Diese Mühe mündet in die ernüchternde Feststellung, dass WIEGEDOOD schlichtweg der gelungene Mix von Inquisition und (den alten) Wolves In The Throne Room sein könnten, schließlich verbinden die Belgier das Gute aus beiden Welten: die Rifflastigkeit des Duos aus Columbia und die Sogwirkung der ersten Platten des Washingtoner Trios. Besonders im Titeltrack untermauern WIEGEDOOD das nur zu deutlich.

Die eingangs erwähnte Releasefreude fordert allerdings dennoch einen Tribut, nämlich eine Spielzeit von nur knapp über einer halben Stunde. Vielleicht halten sich die Belgier bewusst zurück, um nicht Gefahr zu laufen, ab einem gewissen Punkt too much zu werden; einen Punkt, den Winterfylleth beispielsweise stets überschreiten. Diese Gradwanderung ist zwar einerseits enttäuschend, sichert andererseits aber auch die Qualität, mit der WIEGEDOOD auf „De Doden Hebben Het Goed III“ vorgehen: all killer, no filler.

Bewertung: 8 / 10

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