CD-Review: Winterfylleth - The Ghost Of Heritage

Besetzung

Richard Brass - Gesang, Gitarre
Chris Naughton - Gesang, Bass, Gitarre
Simon Lucas - Schlagzeug, gesprochene Worte

Tracklist

01. Mam Tor (The Shivering Mountain)
02. The March To Maldon
03. Brithnoth: The Battle Of Maldon (991 AD)
04. Forging The Iron Of England
05. The Ghost Of Heritage
06. Defending The Realm
07. Guardian Of The Herd
08. Casting The Runes
09. An Englishman’s Verse
10. The Ruin
11. The Honour Of Good Men On The Path To Eternal Glory


Den Engländern von WINTERFYLLETH würde ich guten Gewissens mein Hab und Gut anvertrauen, so kantenlos kommen die Herren mit ihren adretten Kurzfrisuren, den nicht mit Tattoos übersäten Körpern und ihren schlicht verzierten Shirts daher. Anders als in ihrem musikalischen Milieu üblich, sehen sie nicht im Ansatz gefährlich aus, sondern wirken eher handzahm. Untermauert wird diese Vermutung aber nicht durch den Opener  dieses „The Ghost Of Heritage“ betitelten Debuts, denn „Mam Tor“ haut gewaltig rein. Die kommenden sechs Minuten lassen das Herz im schnellen Takt mithüpfen, aber danach folgt die Ernüchterung: „The March To Maldon“ ist ein reines Instrumentalstück, geeignet für Liebhaber der Akustikgitarre, ohne Begleitung eines weiteren Instrumentes – fad, eher eine Fehlplatzierung. Das, was der erste Song durch epische Hintergrundgesänge, treibende Gitarren und dem wütenden Schlagzeug an Kraft aufgebaut hat, geht durch das lahme Gitarrenspiel verloren. Schade. Zum Glück befinden sich noch sieben reguläre und zwei weitere Bonusstücke auf „The Ghost Of Heritage“, sodass ich geneigt bin, dem Album noch eine Chance zu geben.

Nach den folgenden vier Liedern beschleicht mich aber die Vermutung, dass WINTERFYLLETH nicht vor haben zu überzeugen, denn ich fühle mich melodisch unterspaßt: Die anscheinend immer wiederkehrenden ähnlichen Riffs sind ermattend, das Schlagzeugspiel geizt mit Innovation, die Anschaffung des Basses war Geldverschwendung, weil er schlichtweg nicht hörbar ist, und charakteristisch wirkt der Gesang lediglich dadurch, dass er keine Höhen und Tiefen kennt. „Guardian Of The Herd“ holt mich aus der Misere. Zwar handelt es sich hierbei erneut um einen anfangs akustischen Song, jedoch begleitet von sparsamen, aber durchaus passenden Drumparts, dessen Ende eingeleitet wird durch dröhnende Gitarren und der sich etwas vorbehält, wovon die anderen Stücke leider wenig bis tendenziell nichts erhielten: Ideenreichtum. Während der Großteil von „The Ghost Of Heritage“ durch keinerlei Abwechslung in der Spielart auffällt, zeigt „Guardian Of The Herd“, zu welchen atmosphärischen Momenten WINTERFYLLETH in der Lage wären, wenn sie nicht nur mit ihren augenscheinlich sehr engen Arrangements arbeiten würden. Ein Fehlschluss wäre es, auf Grund dieses Umstands den Musikern mangelndes Geschick an ihren Instrumenten vorzuwerfen, denn gerade live wird erkennbar, wie gerne und wie gut WINTERFYLLETH ihre Lieder spielen. Leider lässt sich aber auch ein Konzert von ihnen in einer Phrase erklären wie das vorliegende Album: Kennst du ein Lied, kennst du alle.

„The Ghost Of Heritage“ bietet pathetische Lyrics, die sich thematisch mit dem England des ausklingenden zehnten Jahrhunderts, dem Kampf zwischen den einfallenden Wikingern und den sich verteidigenden, am Ende aber doch unterlegenen Angelsachsen beschäftigt. Inhaltlich bekommt der Zuhörer demnach eine packende Geschichte geliefert, wobei ich bezweifle, dass jeder ihr Ende erleben wird, da es die musikalische Darbietung nicht vermag, den Zuhörer bei Laune zu halten. WINTERFYLLETH schaffen es nicht, ihre Originalität unter Beweis zu stellen oder ich verkenne diese, weil die Monotonie, in die das Album abdriftet, vielleicht genau das ist, was WINTERFYLLETHs „The Ghost Of Heritage“ ausmacht: Eine musikalische Idee, elfmal ähnlich umgesetzt. Auch das ist Kreativität, obgleich sie so kantenlos ist wie das physische Auftreten der Herren.

Bewertung: 4 / 10

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