CD-Review: Winterfylleth - The Reckoning Dawn

Besetzung

Mark Deeks – Gesang, Synthesizer
Dan Capp – Gitarre, Hintergrundgesang
Christopher Naughton – Gitarre, Gesang
Nick Wallwork – Bass, Hintergrundgesang
Simon Lucas – Schlagzeug

Tracklist

01. Misdeeds Of Faith
02. A Hostile Fate (The Wayfarer Pt. 4)
03. Absolved In Fire
04. The Reckoning Dawn
05. A Greatness Undone
06. Betwixt Two Crowns
07. Yielding The March Law
08. In Darkness Begotten


Über eine beträchtliche Zeitspanne hinweg waren WINTERFYLLETH das, was man im Englischen ein „One-Trick-Pony“ nennt. Alle zwei Jahre brachten die Briten ein mit folkigen und heidnischen Untertönen liebäugelndes, ausschweifendes und mit einem landschaftlichen Coverbild versehenes Black-Metal-Album heraus, das seinem jeweiligen Vorgänger weitgehend wie aus dem Gesicht geschnitten war. Nach einigen zaghaften kreativen Regungen im kompakteren „The Dark Hereafter“ überraschten WINTERFYLLETH 2018 schließlich mit einer reinen Folk-Platte („The Hallowing Of Heirdom“). Anders als etwa im Fall von Ulver und Empyrium sollte die Abwendung vom Black Metal jedoch nur von kurzer Dauer sein, denn mit „The Reckoning Dawn“ kehrt das Quintett – abermals zwei Jahre später – zu seinem angestammten Sound zurück.

Mögen WINTERFYLLETH mit der knapp einstündigen Laufzeit und der vordergründig schwarzmetallischen Ausrichtung ihres siebenten Albums eher die Linie ihres Schaffens bis einschließlich „The Divination Of Antiquity“ (2014) fortführen, als sie es mit ihren letzten beiden Longplayern getan haben, so gibt sich die Band hier mitunter doch um einiges beherzter und ideenreicher als auf ihren Frühwerken. Fast scheint es, als habe ihre kurze Akustik-Phase – ganz zu schweigen von Gitarrist Dan Capps jüngsten Umtrieben mit seinem Neofolk-Projekt Wolcensmen – ein Feuer in den Briten auflodern lassen.

Selten klangen WINTERFYLLETH derart zornentbrannt wie im furiosen Opener „Misdeeds Of Faith“ mit seinen imposanten Riffs, donnernden Blast-Beats und Drum-Rolls, selten so niedergeschlagen wie im nichtsdestotrotz vor wilder Erhabenheit strotzenden „A Greatness Undone“, das überaus stimmig mit teils geradeheraus tragischen, teils subtilen Keyboards ausgekleidet ist. Dabei haben WINTERFYLLETH ihren volkstümlichen Einflüssen jedoch keineswegs den Rücken gekehrt. Nicht bloß im Interlude „Betwixt Two Crowns“, das den wehmütigen Charme von Empyriums „Where At Night The Wood Grouse Plays“ in sich trägt, bringen WINTERFYLLETH ihre tiefe Liebe zur Folk-Musik zum Ausdruck.

Auch zu Beginn des Zehnminüters „Absolved In Fire“ und im Ausklang des Abschluss-Tracks „In Darkness Begotten“ greifen die Briten zu anmutigen Akustikgitarren und zarten, manchmal mysteriösen Streichern, welche sie auf meisterhaft natürliche Weise in die Songs einfließen lassen. Ein gewisses vorzeitliches Element liegt allerdings ebenfalls in den majestätischen Leadmelodien und hymnischen Chorgesängen, die WINTERFYLLETH prägnanter denn je in den getragenen Metal-Passagen einsetzen, ohne den Stücken damit ihre rohe Energie zu nehmen („A Hostile Fate (The Wayfarer Pt. 4)“).

Mit „The Reckoning Dawn“ haben WINTERFYLLETH sich gewiss nicht neu erfunden, ihren althergebrachten Stil wohl aber ein Stück weit revitalisiert. Obwohl man durchaus aufmerksam hinhören muss, um die unterschiedlichen Stimmungen in den einzelnen Tracks ausmachen zu können, finden sich in den neuen Songs wesentlich mehr herausstechende Parts, die sich unmittelbar und dauerhaft einprägen, als noch auf den ersten paar Veröffentlichungen der Band. Schlussendlich haben WINTERFYLLETH hiermit ein kraftvolles, durchwegs stimmiges und schlichtweg rundum gelungenes Folk-Black-Metal-Album kreiert, dem man keinerlei Schwachstellen oder Durchhänger nachsehen müsste.

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Bewertung: 8 / 10

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