Im Namen des Folkes

Zugegeben, der Name dieser Kolumne lässt kreativen Spielraum. Allerdings bringt er mich direkt zum Thema: die Stagnation bzw. der fehlende (Erfolg des) Nachwuchs in der Folk- und Mittelalterszene. Ein Beispiel von vielen zu Beginn: Im Jahr 2003 headlineten In Extremo und Subway To Sally das Feuertanz Festival auf Burg Abenberg, 2010 waren es wieder eben jene Bands, die beim ersten zweitägigen Feuertanz zuletzt für die Menge aufspielten – genau wie in vielen Jahren davor und danach. Die einzig echte dauerhafte Alternative an vorderster Front sind die Münchner Schandmaul. Dies gilt auch bei anderen Festivals und ist auf keine bestimmte Region Deutschlands beschränkt. Es ist sozusagen der omnipräsente Dauerzustand. Was ist in all den Jahren geschehen? Wenig. Viel zu wenig.

Immer die gleiche Leier
Wer einen Blick auf die Line-Ups der großen wie kleinen (Szene-)Veranstaltungen der letzten 10 bis 15 Jahre wirft, der sieht unterhalb den großen Drei vieles kommen und gehen. Nur wenige Combos wie Saltatio Mortis, Versengold oder Fiddler’s Green konnten sich auf Dauer ebenso etablieren wie ehemalige Vorreiter der Spielmannsmusik wie Corvus Corax oder Tanzwut. Deren erfolgreichste Zeiten liegen wiederum auch schon einige Monde zurück. Funktioniert mittelalterliche Musik nur noch mit folkrockigen, elektronischen oder anderen Elementen? Ist die Faszination von edlen Rittern und Burgfräulein der für E-Gitarren und Schlagzeug gewichen? Die Quoten von Game of Thrones legen das Gegenteil nahe, die Anzahl der mehr oder weniger gut besuchten Mittelaltermärkte an jeder Bushaltestelle sprechen dafür.

Neue Erfolgsformeln?
Themen wie Qualität, Quantität und soziale Medien spielen bei der Analyse dieser Entwicklung sicherlich eine Rolle. Zudem sind die meisten Bands alles andere als unschuldig an der (eigenen) Stagnation. Pay-To-Play ist nur eines der vielen Übel im Folk wie in anderen Genres, denn dadurch entscheidet am Ende die Finanzkraft (oder auch der Leichtsinn) über die Anzahl der Chancen und nicht das Talent. Die musikalische Leistung hinter Betrag X für Spot Y oder Zeitschriftenartikel Z ist non-existent, aber gut für PR und die eigene Vermarktung. Das eigene Gesicht auf dem Cover eines Printmagazins zu sehen, dürfte manches Musiker-Ego milde stimmen. Nur nicht, wenn es dann auf die Bühne geht. Spätestens dort trennt sich die Spreu vom Weizen und das in Reichweite investierte Geld wird (oft) verbrannt oder (selten) vermehrt. So tourten vor wenigen Jahren die jungen, wilden „Sturmvögel“ von Harpyie mit den „Netten Jungs“ von Cultus Ferox – eine generationenübergreifende Kooperation. Nur blieb der wohl gewünschte Effekt, dass die alten Herren ihren Nachfolgern neue Türen öffnen, völlig aus. Nach dem zweifelhaften Erfolg dieses Unterfangens wagten sich Harpyie nun mit Krayenzeit an die „Gut zu vögeln“-Tour. Krayenzeit kämpfen wiederum mächtig um ihre eigenen Termine, deren Vorverkauf unter einer abgesagten Support-Tour für Schandmaul leidet. Die gemeinsame Tour machte im Vorfeld neben des wenig intelligent gewählten Namens und einer Split-Single mit wenig intelligentem Text vor allem durch einige abgesagte Gigs auf sich aufmerksam. Von Otto Normalverbraucher ist es anno 2017 zu viel verlangt, plakative Titel vergleichsweise unbekannter Musiker darauf zu prüfen, ob dahinter vielleicht mehr steckt als ein Wortspiel. Oder tun es potentielle Schlagerliebhaber, die „Gut zu vögeln“ bei Mickie Krause und Ingo ohne Flamingo verorten, vielleicht auch? Im konkreten Falle von Harpyie und Krayenzeit bezieht es sich auf den gemeinsamen Bezug zur Vogelwelt. Der Name allein wird am Ende wohl nicht maßgeblich für den Erfolg der „Vogelhochzeit“ sein, zeigt aber exemplarisch eine interessante Diskrepanz zwischen Fremd- und Eigenwahrnehmung. Unter den genannten Umständen und Vorzeichen kann man beiden Kapellen objektiv nur „Viel Glück!“ und eine gute gemeinsame Reise wünschen.

Wo die Macht sozialer Medien endet
Das Verhältnis zwischen Facebook-Likes bzw. -Kommentaren zu zahlenden Konzertbesuchern ist indes kein kausales. Dieser Ansatz funktioniert als Selbstbeschiss meist nur nahe der jeweiligen Heimat, indem busweise die eigenen Anhänger angekarrt werden – ebenfalls keine Besonderheit des Folk, aber auch dort nicht besser. Viele Bands sind übergreifend betrachtet mit ihrer Musik auf eigenen Beinen ganz offensichtlich nicht überlebensfähig, sondern müssen sich darauf verlassen, dass größere Namen ihnen die Menschen vor die Bühne ziehen. Nur wer diese dann mehrheitlich selbst dort halten kann und im besten Falle für sich begeistert, wird überleben. Begeisterung ist schwerlich messbar, aber neben verkauftem Merchandise als einem Indiz ist es besonders die Mundpropaganda in der am Ende recht kleinen Welt des Folks, die dafür sorgt, ob und wo Bands gebucht werden. Nur wer Kontakte aufbaut, klug nutzt und vor allem musikalisch überzeugt, wird sich durchsetzen. Diese Erkenntnis mag bitter sein, aber auch Schandmaul und Co. mussten sich ihre Fan-Base erspielen – vor Twitter, Facebook und YouTube. Alle Bands, die z.B. nach mehreren Jahren immernoch keine 20 Tickets für eine Show verkaufen und sich dafür über die ach so bösen Kritiker beschweren, müssen in erster Linie sich selbst hinterfragen und gegebenfalls entsprechende Schritte einleiten. So wie Nachtgeschrei, die im Februar 2018 ihr letztes Konzert in München spielen.

Zwischen Hobby- und Erfolgsprojekt
Es spricht nichts gegen Hobbyprojekte, die eben als solche betrieben werden – nur wer mehr will, der sollte den ein oder anderen Blick abseits der allgegenwertigen (Social-Media-)Schulterklopfer wagen. Meistens gibt es für fehlenden Fortschritt oder ausbleibenden Erfolg gute und einfache Gründe, oftmals ist Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Besserung. Unter dem Namen Ignis Fatuu treten inzwischen sechs Musiker auf, die mit der Ursprungsformation genau noch durch ein Bandmitglied etwas zu tun haben. Wäre ein Neuanfang unter einem anderen Namen nicht die fairere Alternative? Anstatt sich auf vermeintlichen Lorbeeren vergangener Tage zu berufen, einen mutigen Schritt nach vorne wagen und am eigenen musikalischen Schaffen gemessen werden, gerade wenn alle Zöpfe der Vergangenheit bereits abgeschnitten worden sind. Im Nachmittagsprogramm vieler mittelalterlicher Festivals tummeln sich wiederum etliche Kapellen, die in rund einer Stunde Spielzeit ähnlich uninspiriert ihr Programm herunterspielen wie auf dem Mittelaltermarkt Hoyerswerda vor 20 verirrten Seelen oder in der Taverne parallel zum Barbetrieb zwischen Drachenglut und Feuerwasser. Ernsthaft jetzt? Ihr steht auf einer Festivalbühne vor mehreren tausend potentiellen Besuchern (und damit neuen Fans und damit mehr Bekanntheit und und und). Ihr habt befreundete Musiker und andere Bands im Backstage-Bereich, das heißt viele Möglichkeiten mehr oder etwas anderes zu bieten als für gewöhnlich. Vielleicht bringt ihr sogar eine neue CD heraus oder feiert ein Jubiläum. MACHT ETWAS DARAUS! Es geht nicht darum, durch lauter Specials und Gäste die eigene Musik zu überlagern, sondern dem Publikum etwas Besonderes zu bieten und sich aus der Masse abzuheben. Und gerade im Mittelalter- und Folk-Bereich haben die meisten Festivalgänger schon einmal einen Dudelsack gehört.

An dieser Stelle sind es meist die mangelnde Kreativität, der fehlende Einsatz und auch die eigene Engstirnigkeit, die vielen Gruppen im Weg stehen. Dass es anders auch funktioniert, zeigen unter anderem Fuchsteufelswild auf dem Festival Mediaval 2017. Unabhängig von der Musik war für jeden Besucher deutlich zu spüren, dass sich die Musiker nach ihrem Contest-Gewinn im Vorjahr für dieses Jahr etwas einfallen haben lassen. So standen zum Beispiel Tommy Krappweis und El Silbador am Mittag mit den Füchsen auf der Bühne. Das Ergebnis war ein begeistertes Publikum und zahlreiche Pressevertreter, die nach über 30 Bands an vier Tagen garantiert etwas Nennenswertes zu berichten wussten – und nicht erst überlegen mussten, wer diese Regensburger mit der übergroßen Tuba gewesen sind. In anderen Fällen, wie bei Mr. Hurley und die Pulveraffen, ist es ein durchdachtes Konzept, das erfolgreich vermarktet und ausgeweitet wird. Talentierte Musiker arbeiten mit professionellen Partnern, um Stück für Stück mehr Publikum zu erreichen, ohne ihre Seele an ein Label zu verkaufen. Dass diese musikalische Reise – auch unabhängig der Pulveraffen – auf Dauer nicht alle Fans der ersten Stunde begeistern wird, ist naheliegend. Nur wer kann und will dauerhaft für 50 Anhänger spielen, die nur auf einen Song warten und sich gegen jede Entwicklung sperren? Wenn sich die Künstler selbst nicht limitieren, wieso sollten es die Fans tun? Weil es ihre Band und Musik ist? Wohl kaum. Der Konsument ist nie der Entscheidungsträger für den kreativen Kopf. Im Endeffekt geht es um die Menschen hinter der Musik, die irgendwann lieber etwas Komfort (und auch finanzielle Absicherung) genießen wollen, anstatt immer nur ihre Hardcore-Fans vor, während und am besten auch nach dem Konzert zu beglücken. Manchmal auf eigene Kosten, sei es finanzieller, physischer oder psychischer Natur.

Der Mut und die Kreativität einiger weniger sind die Keimzellen der Hoffnung, dass es in 10 Jahren für mehr reicht als „Blut, Blut, Räuber saufen Blut“, „Sieh, du Schöne, was ich habe…“ oder zum x-ten Mal „Vollmond“. Mag es sich hierbei exemplarisch nicht um schlechte Lieder per se handeln, so stehen sie stellvertretend für eine stagnierende Entwicklung einer Szene – gerade wenn sie teilweise auch ohne die dazugehörigen Kapellen im Line-Up auf Festivals oder gar Konzerten anderer Bands (!) angestimmt werden. Die Nachfolger jener Hymnen sind weit und breit nicht zu sehen oder zu hören. Und ja, liebe Troubadoure, Sackpfeifenvirtuosen und Folkpoeten – das ist der Maßstab.

5 Kommentare zu “Im Namen des Folkes”

  1. Suppenjupp

    Ähnlich sieht es doch auch im Bereich EBM/Gothic/Industrial aus. Im Prinzip tauschen Mera Luna und Amphi doch jedes Jahr nur das Lineup. Da sieht man auch immer die gleichen Namen in den oberen Plakatzeilen und das seit Jahren. Auch eine kleine Szene bei der so gut wie gar nichts nachkommt.

  2. Jo

    Danke.

    Ein sehr informativer Artikel mit einem interessanten Blickwinkel „von außen“.

    Zwar sehe ich einige Dinge doch anders (was natürlich in der Natur der Sache liegt), aber manchem ist uneingeschränkt zu zustimmen.

    Allerdings sollte man einzelne von Dir aufgeführte Punkte doch noch hinterfragen:

    1. Warum sieht man „immer“ die großen drei als Headliner auf den Festivalbühnen?
    Anhand von Subway to Sally lässt sich das wunderbar zeigen. Zum Einen sind StS eben nicht die Band von „Blut, Blut!“, sondern haben sich über die Jahre immer wieder neu erfunden, und das auf einem beeindruckenden musikalischen Niveau, das seinesgleichen (nicht nur innerhalb der Szene) sucht. Für In Etremo und Schandmaul gilt ähnliches.
    Zum Anderen sind diese Bands für die Veranstalter größerer Festivals einfach eine sichere Bank. Wenn eine der großen drei als Headliner auf einem Festivalplakat erscheint gestaltet sich der Vorverkauf sicherlich gänzlich anders als wenn beispielweise Harpyie oder wir an dieser Stelle stünden.
    Allerdings sehe ich darin auch überhaupt kein Problem. Die Besucher bekommen ein Konzert bspw. von Schandmaul (gerade was das Feuertanz betrifft, auch noch vor einer umwerfenden Kulisse) und dazu viele andere Bands zu denen sie evtl. sonst nicht gefahren wären.
    Vorteil für die Bands, sie erreichen dadurch ein Publikum das sie noch nicht, oder nur vom Hörensagen kennt. Unsere Erfahrung mit dem Feuertanz jedenfalls war ausgesprochen gut, obwohl wir an diesem Tag der Opener waren spielten wir vor einem schon sehr gut gefüllten Platz.

    2. Da Du ja auch unserer GzV-Tour mit Harpyie einen kurzen Abschnitt eingeräumt hast, hätte ich eine Frage:

    Warst Du da? Also, hast Du Dir eine der Shows angeschaut?

    Sicher kann man sich über die Namensgebung streiten – habe ich aber schlicht keine Lust dazu.
    Sowohl Harpyie, als auch Krayenzeit sind bereits seit einigen Jahren live unterwegs und die meisten Leute für die diese Konzerte interessant waren dürften also auch gewusst haben was sie erwartet.

    Es stimmt zweifellos, dass wir gezwungen waren einige der Shows zusammen zu legen, bzw. abzusagen. Dies hatte sicherlich auch mit der verschobenen Schandmaul-Tour zu tun, aber nicht nur. Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht das lamentieren darüber beginnen, dass die Leute heute gerade bei kleineren Bands den Vorverkauf weniger nutzen, etc.
    Das ist zwar durchaus berechtigt, trifft aber alle Bands gleichermaßen und ist nicht zu ändern. Damit müssen wir alle leben.

    Jedoch war es bei der GzV-Tour nicht so, dass wir vor leeren Clubs gespielt haben (mit einer Ausnahme waren die Clubs sehr gut gefüllt, einer davon ausverkauft).
    Das „Paket“ Harpyie und Krayenzeit hat hervorragend zusammen funktioniert.
    So haben Harpyie ihren Schwerpunkt natürlich mehr im Norden der Republik, wir haben ihn naturgemäß mehr im Süden. Dementsprechend haben wir uns da sehr gut ergänzt. Für Deine Glückwünsche (auch wenn diese mich leider erst nach der Tour erreichen) möchte ich mich jedenfalls herzlich bedanken.

    3. Natürlich fahren kleinere Bands mit größeren Bands auf Support-Tour um ein großes Publikum zu erreichen. Das ist eine Binsenweisheit seit den Ursprüngen des Rock’n Roll. Allerdings gehen die Mythen die sich da im Netz bewegen mit „Pay2Play“, etc. weit an der Realität vorbei.

    4. Finde ich es außerordentlich bedauerlich, dass Nachtgeschrei sich dazu entschieden haben sich aufzulösen (nicht zuletzt weil ich schon seit deren erster Demo-CD ein echter Fan war). Ich freue mich außerdem, dass ich zumindest einmal die Möglichkeit hatte mit ihnen zusammen auf einer Bühne zu stehen.

    Allerdings glaube ich kaum, dass es am mangelnden Erfolg lag (das ist allerdings nur eine Vermutung, da ich dazu auch keine anderen Informationen habe als jeder andere).

    Ich versteje aber auch nicht so ganz, warum Du diese an dieser Stelle anführst?
    Sollen sich also Deiner Meinung nach alle anderen Bands ein Beispiel an deren Auflösung nehmen, und aufgeben?
    Frei nach dem Motto: „Wir werde, nicht reich und berühmt, es werden eh nur immer dieselben drei Bands gebucht, also lösen wir uns auf“???

    Dies wäre wohl weder im Sinne der Szene, noch berücksichtigt es das Herzblut und die Zeit die viele Bands investieren.

    Und das eben nicht aus rein egoistischen Motiven wir Geld und immerwährendem Ruhm, sondern einfach weil sie dies möchten und weil sie Spass daran haben.

    Außerdem überschätzt Du glaube ich die Egos der meisten Musiker. Ich habe keine Ahnung ob wir jemals auf dem Cover eines Printmediums erschienen sind (ich glaube einmal, bei einer Zeitschrift für die auch Du tätig warst, könnte mich aber irren).
    Ich jedenfalls lese Artikel über uns genau einmal. Im besten Falle amüsieren sie mich kurzzeitig. Einen wahrnehmbaren Ego-Schub konnte ich leider bislang nicht feststellen.

    Auch wenn ich Dir jetzt doch in einigen Punkten widersprochen habe (das war so, und vor Allem in diesem Umfang auch gar nicht geplant) möchte ich mich trotzdem für diesen Artikel bedanken.
    Weil er eben nicht zum hundertsten Mal dieselben Klischees aufbereitet, sondern die Szene, und auch den Social Media-Wahn einmal kritisch beleuchtet (wenn mich auch der Facebook- und Twitter-Button direkt darunter in diesem Zusammenhang durchaus amüsieren).

    Also: Danke und liebe Grüße

    Jo (Bassist bei Krayenzeit)

    1. Sigi

      Hi Jo,
      ich behaupte, dass ich seit einiger Zeit in der Folk-Szene oft eher mittendrin statt nur dabei bin. Das tut aber im Grunde nichts zur Sache, da einiges nichts in einer Kolumne wie dieser zu suchen hat.

      Gerne antworte ich auf deine einzelnen Punkte:

      1. Zweifelsfrei richtig, ich habe nichts Gegenteiliges behauptet (nur bei Subway sehe ich die musikalische Entwicklung differenzierter). Ich frage mich nur, warum es über Jahrzehnte so geblieben ist und keine Band aus dem Schatten der Speerspitze treten konnte, um würdige Nachfolger auf dem Thron zu werden. Derweil bieten gerade neue Medien so unendlich viel Potential.

      2. Nein, war ich nicht. Das ist aber auch gar nicht der Punkt, um den es mir geht: Ihr spielt doch eure Konzerte sicher nicht immer nur für die gleichen X Leute pro Stadt, sondern wollt eure Musik mehr Menschen präsentieren, richtig? Und um dein Argument mit dem Vorverkauf aufzugreifen: Es mag sein, dass einige wenige euch kennen und unterstützen – aber glaubt ihr wirklich, jemand, der auf eure Musik steht, kauft spontan ein Ticket, weil er von der „Gut zu vögeln“-Tour liest? Das wäre ein arger Zufall, meiner Meinung nach. Dafür seid ihr über einen gewissen Kreis hinaus wiederum nicht bekannt genug. Und wenn wirklich so viele zahlende Gäste in der gesamten Republik anwesend waren, dann freut euch und genießt es bitte. Meinen Respekt habt ihr. Wie gut die Kombination funktioniert hat und wie gut die Konzerte waren, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich sehe lediglich, was als nächstes passiert und das ist das, was mich (vielleicht) interessiert.

      3. Bei Pay-To-Play glaube ich an keinerlei Mythen mehr. Das muss ich zum Glück auch nicht. Fakt ist, dass die allerwenigsten Bands noch für lau von Freunden mitgenommen werden, die sie unterstützen wollen. Alles andere ist eine Mär.

      4. Über die Gründe von Nachtgeschrei gibt es vielleicht auch bald an dieser Stelle mehr. Allerdings sind derlei Ausführungen zum Ende ausschließlich den betroffenen Musikern vorbehalten. Für mich ist diese Band der größte Verlust der letzten Jahre und das „Scheitern“ absolut unverständlich. Gleichzeitig muss ich – genau wie die Band und ihre Fans – akzeptieren, dass es trotz Support-Touren für Subway to Sally und Saltatio Mortis einfach nicht gereicht hat. Ob es nun an ihnen selbst, der Musik oder wem oder was auch immer gelegen hat, dazu habe ich lediglich eine Meinung genau wie du.
      Ich habe Nachtgeschrei angeführt, weil sie sich selbst hinterfragt haben und eine Veränderung herbeigeführt haben (… ohne dass sie keine 20 Tickets verkaufen konnten oder immer auf die bösen Kritiker geschimpft haben). Ich könnte sie auch anführen, wenn sie ein Elektroprojekt ins Leben gerufen oder anderweitige Konsequenzen als das Ende gezogen hätten.
      In 15 Jahren habe ich viele Musiker erlebt und ich bin der Meinung, dass ich Egos eher noch unterschätze. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, aber gerade wenn jemand seine Zeit, sein Geld und sein Herzblut für etwas opfert, dann tut er sich schwer damit, Kritik an der Sache von sich als Person zu trennen. Dabei ist das entscheidend: Ich kenne auf der einen Seite liebe nette Menschen, die meiner Meinung nach musikalische Kapitalverbrechen begehen, und auf der anderen Seite wiederum absolute Vollidioten, die einen Geniestreich nach dem anderen herausbringen.
      Dass dir bei per Anzeigendeal gekauften Artikeln keiner abgeht, verstehe ich voll und ganz. Aber wenn ein unabhängiges Medium euch z.B. als Schandmaul-Support feiert, gehe ich davon aus, dass du dich berechtigterweise darüber freust.

      Zu Facebook und Twitter: Mea Culpa ;-)
      Immerhin beschränken wir uns auf zwei.

      Viele Grüße
      Sigi

  3. schmollgrim

    dass er keine ahnung hat merkt man daran dass feuerschwanz pulveraffen letzte instanz und knasterbart nicht erwähnt wurden, des weiteren sind die alten bands immer noch aktiv und bringen regelmäßig neue platten, da ist es schwierig diese zu überholen.

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