Mudvayne – „Lost And Found“-Prelistening

Zwischen den zwei einzigen Deutschland-Konzerten der amerikanischen Band Mudvayne in Bochum (21.02.) und Berlin (23.03.) war ein Prelistening des neuen Albums „Lost And Found“ im Berliner SilverWings Club angesetzt.
Freien Eintritt hatten all diejenigen, die eine Karte für das Berlin-Konzert vorweisen konnten.

Pünktlich um 20.00 Uhr war Einlass und genau eine Stunde später begann die Veranstaltung. Es hatten sich nicht mehr als 50-60 Fans im kleinen Raum des SilverWings zusammengefunden. Zuerst betrat ein Mitarbeiter des Clubs oder der Konzertagentur die Bühne und bat das Publikum freundlich aber bestimmt darum keine Ton-Mitschnitte oder Filmaufnahmen zu machen. Er wies auch darauf hin, dass die Band einen anstrengenden Promo-Tag hinter sich habe und man bitte angemessen und respektvoll auf das Album reagieren solle.
Er wünschte dann noch viel Spaß und sogleich betrat die Band (bis auf Schlagzeuger Chad alle in Tarnjacken und Mützen gehüllt und natürlich ohne Makeup) nebst Sicherheitsmann den Raum. Es dauerte einen kurzen Augenblick bis sie wirklich erkannt wurden, dann aber jubelte die beschauliche Menge. Das Quintett ging auf die Bühne.

Chad Gray (kaum wiederzuerkennen mit der ungewohnt langen Haartracht) sagte dann ein paar Sätze zu dem Album und was es ihnen bedeutet. Er bedankte sich auch höflich für unser Kommen. Dann verließen sie auch schon wieder den Raum Richtung Backstage-Bereich um „einen Drink zu nehmen“.

Nun wurde das Album gespielt.

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-mein Gesamteindruck des Albums (nach EINMALIGEM Hören):

Mudvayne haben kein bisschen von der Intensität, Atmosphäre, Komplexität und Dualität der vorangegangenen zwei Major-Platten verloren.

Sänger Matt beherrscht das emotionsgeladene Wechselspiel zwischen Shouting und Gesang immer noch beeindruckend gut.
Die Gitarrenarbeit von Tribbett ist das ein ums andere mal sehr gut. Greg verbindet Riffattacken, groovende Stakkato-Riffs mit klaren Gitarrenlinien.
Ausnahmebassist Ryan begeistert wiedereinmal mit superschnellen Basslinien, treibenden Rhythmen und ruhigen Einlagen.
Schlagzeuger Gray überzeugt durch Schlagzeuggewitter und viele gut eingesetzte Breaks.

„Lost And Found“ braucht sich also kein bisschen hinter „L.D. 50“ oder „The End Of All Things To Come“ verstecken. Es ist eine mindestens gleichwertige Scheibe auf einem gewohnt hohen Niveau.

Die Ankündigung, die Stärken der beiden Vorgänger auf dieser LP zu vereinen, wurde in die Tat umgesetzt. Die harten Stellen wirken noch brutaler, die melodischen Passagen noch balladesker (ohne dabei jedoch weichgespült zu klingen). Mudvayne sind extremer geworden, in jeglicher Hinsicht.

Zudem ist die CD sehr abwechslungsreich, ein breites Spektrum von knackig kurzen Brettern und längeren dichteren Songs wird abgedeckt. Durch diese variablen Songstrukturen dürfte auch der Langzeithörfaktor groß sein.
Leute, die die ersten beiden Silberlinge gemocht haben werden auch „Lost And Found“ im CD-Spieler rotieren lassen. Leute, die noch nie was mit Mudvayne anfangen konnten, werden aber auch durch „Lost And Found“ nicht überzeugt werden können. Wer große Innovationen erwartet hatte wird enttäuscht werden.

Sie haben ihren Stil bewahrt, aber um einige neue Ideen bereichert.

– Einzelne Songbeschreibungen (nach EINMALIGEM Hören):

01 – Determined
Kurzer Brecher, der schon vorab veröffentlicht wurde. Ein guter Opener, wenn auch eher einer der schwächeren Songs auf der Platte.

02 – Pushing Through
Hart geht es weiter im „L.D. 50“-Stil. Kurze Tempiwechsel und die erste kleine melodische Passage tauchen auf.

03 – Happy?
Die zweite Auskopplung und wahrscheinlich das eingängigste Lied. Klarer Gesang, Mid-Tempo mit schnellerem Refrain, orientiert sich mehr am letzten Album.

04 – IMN
Ein düsteres atmosphärisches Intro samt Herschlagen leitet den Song ein, der in Stakkato-Beginn übergeht. Ein harter Mid-Tempo-Song mit ruhigen Szenen, schnellem Momenten und Stakkato-Ende.

05 – Fall Into Sleep
Langsamer Beginn, deftige Passagen in den Strophen, cleaner Refrain.

06 – Rain. Sun. Gone.
Fängt mit Riff- und Schlagzeuggewitter an. Weist ein grooviges Riff auf und überrascht mit einem Break-Interlude.

07 – Choices
Hartes Intro, klarer Gesang im Chorus, derbe in den Strophen. Melodische Bridge, steigert sich teilweise. Ein sehr langer Song.

08 – Forget To Remember
Grooviger Beginn, mit einer völlig anderen Gitarrenlinie (kla) in den Strophen. Shouting im Refrain.

09 – TV Radio
Heftiges Brett mit Breaks und wieder einmal klarer Gitarre. Einprägsamer Refrain: „I don’t wanna be“.

10 – Just
Ungewohntes Schlagzeug aus der Marschmusik am anfang. Ansonsten abgehackt und hart.

11 – All That You Are
Atmosphärisch ruhiges Stück mit härterer Zwischenpassage und melodischer Gitarre zum Schluss.

12 – Pulling The String
Ein typischer Mudvayne-Brecher als Rausschmeißer. Harter Refrain gemischt mit cleanem Gesang.

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Nach ca. 55 Minuten Spielzeit war das Erlebnis dann vorbei. Ca. 5 – 10 Leute hatten sogar schon ein wenig getanzt und gepogt.

Nun kam die müde wirkende Band wieder auf die Bühne und der sympathische Chad fragte wie uns das Album gefällt. Andächtiges Schweigen machte sich breit bevor ein Kommentar wie „It sounds awesome“ und mein spontan dummer Einwurf „It sounds fucking great“ versuchten die Situation zu retten.
Chad sprach wieder ein paar Worte und dankte uns nochmals für unser Kommen, wofür wir uns wiederum bei ihm bedankten.
Die anderen Bandmitglieder blieben weitestgehend stumm.
Nun wurden ganz kurz CDs signiert. Dann verabschiedete sich auch schon Sänger Matt (der sich immer wieder die Augen rieb), Bassist Ryan schüttelte noch ein paar Hände und machte auf die Show am nächsten Tag aufmerksam, ein paar signierte Poster wurden verteilt, die aber nicht für alle reichten, worauf ein Mädel es für nötig hielt die Band anzuschreien und zu beschimpfen. Ganz professionell wurde sie natürlich ignoriert und der Vierer ging samt Tourmanager (immernoch irritiert von dem Mädchen) und Bodyguard von dannen.

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INFO:

Erscheinen wird „Lost And Found“ (produziert von Dave Fortman) wahrscheinlich am 4. April.

Nochmal die Tracklist:

01 – Determined
02 – Pushing Through
03 – Happy?
04 – IMN
05 – Fall Into Sleep
06 – Rain. Sun. Gone.
07 – Choices
08 – Forget To Remember
09 – TV Radio
10 – Just
11 – All That You Are
12 – Pulling The String


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