HERETOIR sind seit fast 20 Jahren in der deutschen Post-Black-Metal-Szene unterwegs. Musikalisch irgendwo zwischen ALCEST, LANTLÔS und DEAFHEAVEN verortet, zählt die Band um David „Eklatanz“ Conrad zu den Spitzenreitern ihres Genres. Nicht einmal zwei Jahre nach ihrem letzten Album, dem düsteren „Nightsphere“, legt die Formation nun den Nachfolger „Solastalgia“ vor. Dabei rückt der Fokus deutlicher auf die Synergie von Melancholie und Hoffnung.
Das zeigt bereits der energetische Auftakt „The Ashen Falls“. Schlagzeug und Gitarren bewegen sich wellenartig von sanfter Melancholie zu rasanten Blastbeats und Tremolo-Arrangements. Der genretypische Hall auf den tragenden Melodien verbindet sich mit einem stimmigen Break in Richtung Modern Metal, nur um kurz darauf erneut in schwermütige Träumerei zu zerfließen. Der akustische Beginn von „Season Of Grief“ kontrastiert die Dringlichkeit seines Vorgängers wirkungsvoll, fügt sich ansonsten aber fast zu nahtlos an. Atmosphärisch wirkt der Song weicher, folgt jedoch dem gleichen kompositorischen Prinzip wie „Ashen Falls“, was bei zehn Minuten Laufzeit erste Längen entstehen lässt.
Umso schöner, wenn HERETOIR im weiteren Verlauf zeigen, wie viel Atmosphäre und Gefühl auch vergleichsweise kurze Stücke entfalten können. „Inertia“ etwa hebt die Wehmut mit Davids verzweifeltem Gesang und doomigem Riffing auf eine neue Ebene, während die akustischen Linien von „The Heart Of December“ verdeutlichen, dass HERETOIR auch ohne Strom ein Maximum an Emotion ausdrücken können.
Songs wie „Burial“ oder „We Are The Night“ orientieren sich dann stärker am Modern Metal, wirken dadurch aber recht generisch. Und „Dreamgatherer“ bringt mit sanften Post-Linien einen Hauch Optimismus ins Geschehen und mischt treibende Drums mit markanten Gitarrenarrangements, was die Dynamik noch einmal deutlich steigert.
Das titelgebende „Solastalgia“ beginnt ruhig und entfaltet sich im Verlauf nach der bekannten Formel in getragene Post-Metal-Harmonien. Zwar ist der Song, was seine vielseitigen melodischen Layer angeht, ein Paradebeispiel für den Klang, die Emotionen und auch die rhythmische Formel seines Genres; aber für das neue HERETOIR-Album wirkt diese Formel spätestens ab hier etwas zu vertraut – zumal auch „Solastalgia“ kürzer hätte geraten können.
Der Closer „The Same Hell MMXXV“ hat es von einer Demo zum Album-Schlusspunkt geschafft und klingt wie ein friedvoller Abschied, der Erinnerungen an ALCEST weckt und in Bezug auf die Stringenz der Platte sehr konsequent wirkt. Ein IN-FLAMES-Cover in Form von „Metaphor“ als Bonustrack hätte es allerdings nicht wirklich gebraucht, insbesondere weil sich die Neuinterpretation dieses Songs hinsichtlich des Gesamtklangs von „Solastalgia“ nicht wirklich erschließen mag.
Was „Solastalgia“ auf Albumlänge zu einem schweren Brocken macht, ist die Dauer der Titel – oder vielmehr der Umstand, dass es HERETOIR nicht durchgehend gelingt, ihre Songs spannend zu halten. Das macht den Genuss der an sich starken Musik 2025 zu einer stellenweise zähen Angelegenheit, schmälert jedoch nicht die dichte Atmosphäre und die melodische Schönheit des Albums.
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Wertung: 7 / 10


