Review Mystic Circle – Hexenbrand 1486

  • Label: ROAR! Rock of Angels
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Black Metal

In den späten Neunzigern war MYSTIC CIRCLE eine dieser Gruppen, die man hörte, während man öffentlich so tat, als interessiere einen nur DARKTHRONE. Sie waren immer etwas zu melodisch, zu theatralisch, im Prinzip der Versuch einer deutschen Antwort auf CRADLE OF FILTH. Nach Jahren der Funkstille, Streit und schließlich der Wiedervereinigung 2021 schien das Duo wieder Fahrt aufzunehmen. Zwei Gestalten, die einst in den nebligen Tagen des deutschen Black Metal über die Bühnen krabbelten, kehrten zurück. Nicht um das Rad neu zu erfinden, sondern um ihm ein paar rostige Nägel in die Speichen zu schlagen. „Hexenbrand 1486“ ist nun der nächste Streich der neuen Ära. Und es ist, so viel sei vorweggenommen, ein Werk, das Feuer verspricht, aber eher Funken sprüht.

Das Album beginnt mit „Luciferian“ und gewohntem Donnern und finsterem Getöse, wie man es von MYSTIC CIRCLE erwartet. Chöre hallen, Gitarren schneiden, die Doublebass rattert. Man hat kurz das Gefühl, die Band habe die Zeit seit Anfang der 2000er einfach übersprungen. Das ist einerseits sympathisch, weil hier niemand zwanghaft modern klingen will. Andererseits fragt man sich, ob Nostalgie allein genügt, um ein Feuer zu entfachen, das nachhaltig brennt. „Hexenbrand 1486“ klingt nämlich über weite Strecken, als wären alte Ideen neu aufgewärmt worden: solide, routiniert, aber eben nicht mehr.

Zwischendurch glaubt man, wie in „In The Sign Of The Goat“ kurz den alten Geist zu spüren. Ein Riff hier, ein teuflischer Schrei dort, doch kaum will man mit dem Kopf nicken, stolpert der Song wieder über seinen eigenen Bombast. Es ist ein bisschen wie bei einem historischen Reenactment: Alle Kostüme stimmen, die Begeisterung ist ehrlich, aber am Ende weiß man, dass das eben alles nur Show ist.

Dabei ist „Hexenbrand 1486“ musikalisch womöglich das härteste Werk der Bandhistorie und bietet mit „Ghost Of Whitechapel“ und „The Bible Of Witch Chase“ hörenswerte Songs. Es werden melodische Gitarren eingesetzt, teilweise variable Screams und eben die Arrangements, die jedoch glücklicherweise weniger kitschig ausfallen als früher. Die Produktion ist sauber, druckvoll, aber stellenweise zu steril. Der Sound ist dadurch wie ein wohlgeputzter Sarg: glänzend, aber leblos.

Thematisch bleibt das Duo bei den vertrauten Abgründen: Teufel, Inquisition, brennende Ketzerinnen. Lyrisch ist das Ganze dabei leider voll mit Plattitüden und sorgt für allerlei unfreiwillige Komik. Wenn über „Boogeyman – The Shadow Of Doom“, „Satan Is Inside Our Soul“ oder „Blutschande Unzucht Sodomie“ gesungen wird, kann man sich ein Schmunzeln kaum verkneifen – besonders, weil es so übertrieben ernst vorgetragen wird, dass man fast den Hut ziehen möchte. Da wird der Scheiterhaufen nicht nur entzündet, er bekommt gleich noch ein Keyboard-Solo als Soundtrack.

„Hexenbrand 1486“ ist wie ein aufwendig rekonstruiertes Hexenritual. Das Album lässt sich einmalig gut konsumieren, aber ein längeres Feuer kann nicht entfacht werden. Und während der Scheiterhaufen gemächlich verglimmt, kann man sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Denn selbst wenn das Feuer schwach lodert, der Wille zur Flamme ist ungebrochen. Und das ist in jedem Fall mehr als respektabel.

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Wertung: 5.5 / 10

Samir Kharboutli

Publiziert am von

4 Kommentare zu “Mystic Circle – Hexenbrand 1486”

  1. die neue mystic circle Album ist ein gutes black Metal Album geworden und wer was anderes sagt hat einfach keine Ahnung von black Metal und der Musik mystic circle gehören zu den besten deutschen black Metal Bands wo es gibt 🤘🤘

    1. Na wenn das so ist, erübrigt sich natürlich jede Diskussion. Vielleicht sollten wir den Review-Text direkt durch deinen Kommentar austauschen, die Meinung scheint ja unumstößlich und absolut gesehen die einzig richtige zu sein. ;)

  2. Alle Jahre wieder… neues Mystic Circus Album, paar Worte drüber dass die eigentlich doch gar nicht so schlecht waren wie es immer heißt, und am Ende – ach ne ist doch zu 90% Müll.

    Die gehören zusammen mit Gebrechlichkeit und Hassmord einfach zum Clown-Triumvirat des deutschen BM.

    1. Die beiden anderen Bands kannte ich noch gar nicht. Um es mit den Worten eines Kollegen zu sagen: „Was wurde da für eine Kiste geöffnet, die besser nie aus dem Keller geholt worden wäre.“ … auf jeden Fall danke für die Lacher und Grüße aus der Red.!

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