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Review Zahn – Purpur

  • Label: Crazysane
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Rock

Zweieinhalb Jahre nach ihrem Magnum Opus „Adria“ melden sich die deutschen Krautrocker ZAHN mit ihrem dritten Longplayer zurück. Die Erwartungshaltung an „Purpur“ ist groß, wusste der Vorgänger doch mit Versatzstücken aus Kraut-, Desert- und Noise-Rock mit einer Prise Post-Punk in Sachen Varianz und Kurzweiligkeit (trotz 80 Minuten Laufzeit) mehr als zu überzeugen.

Dagegen wirkt „Purpur“ beinahe wie ein Kontrapunkt zu „Adria“: Mit 36 Minuten weniger als halb so lang wie der Vorgänger, sind auch die Songs deutlich kompakter geraten und liegen im Schnitt bei vier statt zuvor sieben Minuten Länge. Die Besetzung ist unverändert: Chris Breuer (Ex-HEADS., Ex-THE OCEAN) am Bass, Drummer Nic Stockmann (ebenfalls Ex-HEADS.) und Saitenhexer Felix Gebhard (MUFF POTTER, EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN – live) harmonieren ausgezeichnet zusammen und auch die Spielfreude ist jederzeit hörbar. Dass sie dabei von ARABROTs Kjetil Nernes und Fabian Bremmer (AUA) unterstützt werden, ist ein nettes, wenn auch musikalisch eher subtiles Gimmick.

Musikalisch gibt es hörbare Veränderungen, liegt der Fokus auf „Purpur“ doch spürbar stärker auf krautrockigen Elementen – leider zu Lasten der Abwechslung. Fette Gitarrenriffs mit Stoner- bzw. Desert-Schlagseite sind auf dem neuesten ZAHN-Output eher die Ausnahme, lediglich „Katamaran“ ist ein richtiges Brett und auch die letzten Takte vom Albumcloser „Butter“ erinnern ein wenig an 80er-Jahre-SWANS, als diese noch krachigen Avantgarde-Noise-Rock gespielt haben. Dafür stehen Synthesizer und insgesamt zurückgenommenere Passagen im Vordergrund, was aber auch in einer gewissen Gleichförmigkeit resultiert.

Jeder Song beginnt ähnlich: Ein modulierter Synthesizer mit deutlicher 70er- bzw. 80er-Jahre-Patina macht den Anfang, Schlagzeug und Bass gesellen sich dazu, während die Gitarren im weiteren Verlauf für Steigerungen und das finale Crescendo (mit-)verantwortlich sind. Da die Tracks wie eingangs erwähnt eher kurz gehalten sind, stört dieses beinahe schon schablonenhafte Vorgehen von ZAHN nicht wirklich, fällt aber gerade im Vergleich mit dem facettenreicheren „Adria“ doch auf – und macht es schwer, wirkliche Highlights zu benennen.

Die Aufnahmen von Peter Voigtmann (Ex-THE OCEAN, DEATH BY GONG, Ex-HEADS.) sowie Mischung und Mastering durch CULT OF LUNAs Magnus Lindberg sind über jeden Zweifel erhaben und lassen keine Wünsche offen: Druckvoll, aber trotzdem transparent tönt es aus den Boxen, dass es eine wahre Freude ist. Neben seiner Kompaktheit sicherhlich auch ein Grund, warum „Purpur“ ziemlich geschmeidig durchläuft.

Nachdem ZAHN die Messlatte für einen „Adria“-Nachfolger selbst so hoch angesetzt haben, war vielleicht auch zu erwarten, dass die Euphorie ein wenig verhaltener ausfällt. Musikalisch top, ist „Purpur“ leider nicht so aufregend, wie es sein könnte. Zu oft ertappt man sich als Zuhörer*in dabei, eine Veränderung im Songaufbau zu erwarten – nur um dann festzustellen, dass die Nummer schon wieder vorbei ist und der nächste Track beginnt. Natürlich ist eine gewisse Gleichförmigkeit auch ein Trademark des eher experimentellen Genres Krautrock. Aber ZAHN haben bereits bewiesen, dass das auch spannender geht – was dazu führt, dass „Purpur“ auch nach mehreren Durchläufen ein wenig … zahnlos wirkt.

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Wertung: 7.5 / 10

Stephan Gossen

Publiziert am von

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