Interview mit Marcus Jidell von Avatarium

AVATARIUM haben mit „The Girl With The Raven Mask“ unbestritten eines der stärksten Alben des vergangenen Jahres abgeliefert. Wir nutzten die Chance für ein Interview mit Gitarrist Marcus Jidell und sprachen unter anderem über das Songwriting und die Bedeutung einer gut durchdachten Tracklist. Aber auch die Erfahrungen der letzten Tour und die Probleme heutiger Sänger kamen zur Sprache.

Avatarium Logo„The Girl With The Raven Mask“ ist bereits einige Zeit draußen. Wie waren die Reaktionen bisher?
Marcus: Die Reaktionen waren absolut großartig. Ich bin so glücklich, dass die Menschen zu verstehen scheinen, worauf wir mit unserer Musik abzielen und dass sie die Musik in ihr Herz geschlossen haben.

Die neue Scheibe hat mich richtig überrascht. Sie besitzt noch immer den typischen AVATARIUM-Sound, aber mit deutlich mehr Einflüssen aus psychedelischem und klassischem Hard Rock. War das der nächste logische Schritt oder passierte diese Entwicklung einfach beim Songwriting?
Wir wollten uns tatsächlich ein wenig dem klassischen Hard Rock im Stile von Bands wie Mountain, Led Zeppelin und Crosby, Stills and Nash annähern. Es war also tatsächlich geplant, aber unser Ziel war es auch, dabei den organischen Sound dieser Bands und die ehrliche Spielweise mit der Heaviness von heute zu verbinden. Die Kombination aus weicher und empfindlicher Musik mit der heutigen Heaviness ist schon immer ein musikalisches Ziel für AVATARIUM gewesen.

Avatarium2Euer Keyboarder Carl Westholm hat deutlich mehr Raum auf „The Girl With The Raven Mask“. Wie groß war sein Einfluss auf das Songwriting?
Er war in das eigentliche Songwriting gar nicht involviert, sondern nur in die Arrangements für das Keyboard. Einige der Keyboardmelodien wurden tatsächlich von mir geschrieben und einige andere dann von Carl. Ich wollte mehr Keyboardsounds auf dem Album haben, da ich den Sound von Bands wie Uriah Heep oder auch Deep Purple einfach liebe. Carl besorgte sich dann ein neues Keyboard und eine neue Leslie-Box. Der Rest ist Geschichte.

Habt ihr generell Änderungen beim Songwriting vorgenommen?
Wir haben nur sehr wenig geändert. Leif Edling ist immer noch der Hauptkomponist und Jennie-Ann und ich machen die meisten Arrangements.

Jennie-Ann ist ja bekannt für ihren Background im Blues und Jazz. Inwieweit hat dies Einfluss auf Songs wie „Pearls And Coffins“ oder „Iron Mule“?
Alles was Jennie-Ann macht, ist durch diese Dinge beeinflusst. Ich würde aber sagen, auch durch viele andere Stile und Künstler. Eine Besonderheit an ihr ist ihr Timing und auch ihre spezielle Ausdrucksweise, welche für den modernen Metal, Hard Rock oder Pop sehr ungewöhnlich ist. Die meisten der heutigen Sänger hören sich keine Musik mehr von Ella Fitzgerald oder Little Richard an. Meiner Meinung nach ist dies eine Schande und ich denke, viele heutige Sänger sollten sich diese Art von Künstlern anhören.

avatarium-by-peter-seidel-metalspotter-010Der Opener „Girl With The Raven Mask“ eröffnet das Album sehr direkt und ist extrem catchy. War es wichtig für euch, so einen Song an erster Stelle zu haben? Wie wichtig ist die Zusammenstellung der Tracklist generell für euch?
Sie ist sehr wichtig für uns, da wir uns beim Schreiben der Musik auch immer Gedanken zum Gesamtbild des Albums machen. Jeder Song steht für sich selbst, aber das ganze Album, mit Tracklist, Cover und allem anderen, ist ein Kunstwerk, bei welchem es Spaß macht, daran zu arbeiten und das uns während der Arbeit inspiriert.

Eine weitere Frage zum Opener. Werden wir jemals erfahren, wer das Mädchen mit der Maske ist oder muss der Hörer dies selbst herausfinden?
Ich denke, es gibt sehr viele Menschen, die sich hinter Masken verstecken und ich glaube, auch wir machen es von Zeit zu Zeit. Es ist ein wenig beängstigend, wenn du es nicht schaffst, dich mit den schlimmen Dingen, die du im Leben durchgemacht hast, auseinanderzusetzen. Wir sind unter diesen Masken immer noch die gleichen Menschen und deshalb hilft es auf lange Sicht auch nicht, wenn man seine Gefühle und Emotionen hinter solchen Masken versteckt. Eines Tages werden sie sowieso ans Licht kommen, egal auf welchem Wege.

„Master Thief“ ist aus meiner Sicht ein echter Crowdteaser und ist extrem eingängig. Repräsentiert er in gewisser Weise den Einfluss der vielen Live-Shows, die ihr in den letzten Jahren gespielt habt?
Der Song ist wirklich großartig und auch der Text ist sehr gut. Die Nummer funktioniert bei den Live-Shows hervorragend und Jennie-Ann macht einen wahnsinnig guten Job mit sehr kräftigem Gesang im Stile von Shirley Bassey.

Das neue Album hat an einigen Stellen diesen Touch von alten Horrorgeschichten. Wolltet ihr dem Album absichtlich diesen Touch verleihen?
Wir lieben Horrorgeschichten und Musik ist interessanter, wenn es ein paar dunkle Elemente gibt. Aber ich bin auch schnell gelangweilt, wenn es einfach nur trist und dunkel ist. Wir brauchen ja auch ein wenig Sonnenschein im Leben, genauso ist es in der Musik.

Avatarium_InterviewDas Artwork passt ebenfalls hervorragend in das Bild der alten Horrorgeschichten. Wer hat es entworfen?
Das Bild wurde von der einmaligen Fotografin Linda Åkerberg gemacht und das Artwork wurde von Tim Wezel entworfen.

Ihr wart kürzlich auch auf Tour? Wie ist es gelaufen und wie hat das Publikum das neue Material aufgenommen?
Die Tour war wirkich toll. Wir hatten eine Menge Spaß und es gab natürlich eine Menge sehr guter Musik. Wir haben es genossen, Abend für Abend unsere Fans zu treffen und die Momente mit ihnen zu teilen. Das gehört zu den schönsten Dingen im Leben.

Ihr habt mit The Vintage Caravan und Spiders zwei weitere Bands dabei, die ebenfalls den klassischen Rocksound zelebrieren. Passte dieses Line Up vor allem aufgrund des „neuen“ Sounds?
Die beiden Bands passten einfach, weil sie großartig sind. Ich will mit Bands auf Tour gehen, die ich mag, da ich jeden Abend ihre Musik hören muss. Wir hatten wirklich eine schöne Zeit.

Welche anderen Pläne habt ihr?
Wir werden demnächst einige Shows in Griechenland spielen und dann gibt es noch diverse Festivals auf denen wir auftreten werden. Wir hoffen zudem, dass wir im Herbst erneut auf Tour gehen können.

Damit wären wir am Ende des Interviews angekommen. Wir möchten uns nochmals für die Gelegenheit bedanken und die letzten Zeilen gehören natürlich dir.
Ebenfalls vielen Dank und ich hoffe, dass wir uns irgendwann auf Tour sehen. Falls ihr es euch noch nicht angesehen habt, dann checkt unser neues Video.