Interview mit Markus Toivonen von Ensiferum

Hier ein Interview mit Ensiferum-Gitarrrist Markus Toivonen, das kurz nach der Trennung von Sänger/Gitarrist Jari Mäenpää Anfang Januar 2004 geführt wurde. Lest hier alles wissenswerte darüber, über das kommende Album „Iron“ sowie weitere interessante und lustige Antworten.

 

Hallo, wie geht’s dir?
Markus: Hallo, mir geht’s ganz gut.

Zu aller erst eine sehr aktuelle Sache. Am 6. Januar wurde offiziell bekannt gegeben, dass Jari die Band verlässt. Kam das für dich überraschend oder zeichnete sich das schon lange vorher ab?
Markus: Eigentlich hat Jari die Band nicht verlassen, wir mussten ihn feuern, weil die Aktivitäten von Ensiferum so unter ihm gelitten hätten, vor allem was Konzerte betrifft, und das hätte die Sinn der Band zerstört. Wir wussten, dass Jari ein Soloalbum aufnehmen will, aber ich hätte nie gedacht das er so viel Zeit dafür aufbringen würde. Vor allem jetzt, wo wir in der wichtigsten Phase unserer Karriere sind.

Jari schreibt in seinem Statement, das man auf www.ensiferum.com lesen kann, von „that is my side of the story“. Würdet ihr da etwas anderes behaupten als er?
Markus: Die Version der Band war die Nachricht selbst, dass Jari raus aus der Band ist. Wir haben uns in vollem Einverständnis getrennt, dieses „that is my side of the story“ heißt also nicht, dass wir die Dinge anders sehen würden. Jari hat die Situation nur genau erklärt.

Wie fühlt ihr euch bei der Aussage von Jari, dass ihm seine eigene Musik immer wichtiger als Ensiferum war? Wusstet ihr das oder hat euch das überrascht?
Markus: Ja, das wussten wir schon die ganze Zeit über, Jari war immer ehrlich mit Ensiferum. Wir dachten erst gar nicht daran, das er mal ein Soloalbum aufnehmen wollen würde, weil er die Musik eigentlich immer für sich selbst gemacht hat und das seine Freunde sie hören können, und nicht so groß angelegt. Als ich von seinem Plattenvertrag gehört habe, dachte ich das es eine gute Sache ist, weil er sich selbst besser ausdrücken könnte und so seine „Solos“ innerhalb von Ensiferum weniger werden. Deswegen dachte ich auch, dass Ensiferum zusammen bleiben würden und alle glücklich sind. Jari komponierte zum Beispiel nur einen einzigen Song für „Iron“, der aber einfach nicht nach Ensiferum klang und somit auch wieder verworfen wurde. Jari war natürlich enttäuscht und sagte, das er es leid ist, in einer Band zu spielen, in der er sich nicht selbst verwirklichen kann. Aber dann kam er zu diesem Vertrag und ich sagte ihm, er soll das Lied einfach für sein Soloalbum verwenden, und damit waren die Probleme für mich gelöst. Die Probleme kamen aber bald wieder, als ich gemerkt habe, wie viel Zeit er für sein Projekt aufgewendet hat, obwohl die ganzen Songs schon geschrieben waren. Ich dachte, er nimmt das Album in einem Monat auf und das war’s dann mit dem Thema. Aber jetzt braucht er schon ein halbes Jahr, wenn ich den Herbst letztes Jahr dazuzähle. Deswegen konnten wir schon die Konzerte im Herbst und Winter nicht spielen, und wir hätten auch nicht auf die Tour im April gehen können.

Habt ihr schon eine Ahnung wie ihr den Posten von Jari nun wieder füllen wollt? Hast du schon einen neuen Mann im Hinterkopf?
Markus: Wir sind schon auf der Suche nach einem neuen Mitglied. Wenn wir niemanden finden, der gut genug ist um Gitarre zu spielen und zu singen, müssen wir eben einen Gitarristen und einen Sänger holen.

Wegen Jari’s Zeitproblemen wegen seinem Soloprojekt hatte es ja erst geheißen, ihr könnt nicht mit auf die Finntroll-Tournee. Wie sieht die Sache jetzt aus?
Markus: Ja, wir wollen auf jeden Fall bei dieser Tour dabei sein, wie gesagt hat die Suche nach Ersatz ja schon begonnen.

Spielt ihr dieses Jahr zum ersten mal in Deutschland? Ich jedenfalls freu mich schon euch im Sommer beim Party.San und dem Summer Breeze zu sehen. Im Summer Breeze Forum seid ihr ja sowieso eine der meistgewünschten Bands!
Markus: Ja, wir spielen in Deutschland, mindestens beim Party San und beim Summer Breeze. Es ist schön zu hören, dass die deutschen Fans uns sehen wollen, vor allem da wir noch nie im Ausland gespielt haben.

Wie verliefen die Aufnahmen zu euerem zweiten Album „Iron“?
Markus: Die Arbeiten am Album waren wirklich hart, wir hatten von Anfang an viele Probleme. Leute wurden krank, unsere Instrumente und Ausrüstung fielen regelrecht auseinander, der Klang der Gitarren hatte nicht gepasst (vielleicht lag’s am Klima in Dänemark). Und nach diesem schrecklichen Anfang passierten Dinge wie das der Kerl, der uns die Gitarren-Verstärker vom lokalen Musikgeschäft in Kopenhagen bringen sollte, eine Panne mit seinem Auto hatte und uns an diesem Tag den Verstärker nicht bringen konnte… Und das war nur eins von Millionen von Problemen die wir hatten. Aber immerhin war unser Produzent Flemming Rasmussen ein sehr netter Kerl. Er hat wirklich nie die Nerven verloren, auch wenn wir 14 Stunden am Tag gearbeitet haben. Er ist der ausdauerndste Arbeiter, den ich je getroffen habe.

Warum ist die Veröffentlichung denn nun auf den 5. April verschoben worden?
Markus: Weil im Studio so viel schief gelaufen ist, aber es geht noch weiter: Der letzte Mix ist noch nicht gemacht und danach kommt auch noch das Mastering. Und falls wir die Tour absagen müssen, wird unser Label das Album vielleicht sogar erst im Herbst rausbringen, damit wir mehr Zeit haben, ein passendes neues Bandmitglied zu finden. Wir müssen das Album mit einer Tour promoten. Wir wollen nicht, dass die Veröffentlichung noch weiter verschoben wird, davon haben wir genug. Und ich glaube auch nicht, das es noch mal passieren wird.

Kannst du mir schon etwas zu „Iron“ erzählen? Hat sich am Stil oder am Sound zu „Ensiferum“ etwas verändert? Sind auch weiterhin so viele fesche Folk-Elemente dabei?
Markus: Da gibt es schon ein paar Unterschiede, es ist zum Beispiel nicht so lang wie das erste Album :)
Der Sound klingt auch eher etwas nach Metallica, liegt wohl am Produzenten :)
Und es ist auf jeden Fall mehr Folk Musik als beim Debüt, und es wird auch nicht mehr so nach Power Metal klingen, wie etwa „Guardians Of Fate“. Ich glaube, „Iron“ ist kein „Easy Listening“ Album, man muss es sich schon ein paar mal anhören.

Haltet ihr wieder solche Scherze bereit wie den Sack voller Bierflaschen als Percussion-Instrument bei „Gobblins Dance“?
Markus: Vielleicht, warts einfach ab…

Habt ihr den ganzen Sack Bier vor dem Aufnehmen des Songs selbst vernichtet?
Markus: Nur bevor wir die “Drunken Group Chiors” aufgenommen haben.

Das Cover von „Iron“ hat schon gewisse Ähnlichkeiten zu „Ensiferum“. Soll der lustige Kerl mit dem Schwert und dem Schild mit der Finnland-Fahne so etwas wie euer Maskottchen werden? So etwa in der Art des Reapers der bei jedem Children of Bodom-Album vorne drauf ist.
Markus: Als wir die Idee hatten, das der selbe Typ wieder auf dem Cover sein könnte, haben wir realisiert, dass er dann ein Maskottchen wird, also haben wir uns dazu entschieden, ihn nicht rauszulassen.

 
Habt ihr schon mal drüber nachgedacht euere drei Demos neu zu veröffentlichen? Eueren Fans würde es sicherlich gefallen.
Markus: Tatsache ist, dass ich schon drüber nachgedacht habe, alle drei Demos zusammen als ein Album zu veröffentlichen. Ich muss nur Spinefarm um Einverständnis fragen.

Erzähl doch mal eine lustige Anekdote aus euerem Musiker- oder Tourleben.
Markus: Ich hab eine lustige Geschichte, die in einer Nacht vor einem Gig im Nosturi in Helsinki passiert ist. Ich saß auf dem Klo, und draußen warteten schöne Mädchen drauf reinzukommen, um ihr Make-Up aufzulegen. Ich habe also die Toilette total zugeschissen und die ganze Kacke und das Papier hat das verdammte Klo verstopft und ich konnte nicht spülen! Dann hab ich eine Toilettenbürste gesucht, aber da war keine, also hab ich die Scheiße mit meiner Hand bearbeitet, bis sie im Abwasser verschwand! Es wäre schon ziemlich peinlich gewesen, die Mädls sonst nach mir reinzulassen. Und die Legende von „Spül die Toilette mit deiner eigenen Faust“ war geboren.

Bist du viel im Internet unterwegs oder ist das eher nicht so dein Bereich?
Markus: Meistens für E-Mails, sonst interessiere ich mich eher weniger dafür.

Wie gefielen euch die drei Herr der Ringe Filme (bzw. Bücher, falls ihr Zeit hattet sie zu lesen)?
Markus: Ich muss zugeben, dass ich die Bücher nie gelesen habe, aber die Filme waren ganz in Ordnung.

Welche drei Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Markus: Meine Freundin hat gesagt, sie will nicht mitkommen, als entscheide ich mich für ne Porno-DVD, einen DVD-Player und nen Fernseher. Gibt’s denn dort Strom?

Zum Schluss noch unser traditionelles Wortspiel. Was fällt dir zu folgenden Begriffen ein…

New Metal: Nu-Metal? Pop“Musik“, die von irgendwelchen Trendhüpfern als Metal bezeichnet wird.
Trueness in der Metal-Szene: Ist Ensiferum „untruer“ Metal? Also kann ich auch keine Trueness verlangen, auch wenn es von der Situation abhängig ist.
In Flames: Ihre ersten Alben waren sehr gut, aber heutzutage nur noch Nu-Metal.
Blind Guardian: Verdammt brillante Band, vor allem „Imaginations From The Other Side“ ist eins der besten Alben aller Zeiten. Viele Menschen behaupten, Ensiferum würde sie an Blind Guardian erinnern, aber ich hab davon nichts bemerkt.
Nordische Mythologie: Das was ich kenne, respektiere ich sehr.
Liebe: Ist üblicherweise der Grund für Trauer und Selbstzerstörung
Groupies: Großartig, aber erzähl das nicht meiner Freundin :)
Drogen: Tief aus dem Darm!
Interviews: Ebenfalls, zumindest für meinen Übersetzer. Hehe, nur ein Scherz.
Metal1.info: Noch nie von gehört ;) Hab’s bisher auch noch nicht gelesen.

Ich danke dir vielmals, das du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten! Ich wünsch dir viel Glück für die Zukunft, vor allem mit dem neuen Mitglied und dem neuen Album und natürlich auch für die kommenden Konzerte! Wenn du eueren deutschen Fans und den Lesern von Metal1.info noch etwas sagen willst, hast du hier deine Zeilen.
Markus: Danke! Mein Respekt geht an die Deutschen, besonders weil sie Ensiferum anscheinend mehr mögen als die Leute in anderen Ländern. Und in Deutschland wissen die Leute, wie man Metal lebt!

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