Interview mit Sami Hinkka von Ensiferum

ENSIFERUM setzen auf ihrem Album Nummer vier nicht nur auf Altbewährtes, sondern bringen in Form von bombastischen und progressiven Arrangments auch Neuerungen in den Sound ein. Das polarisiert die Fans so ein bisschen. Grund genug für uns, Samidahingehend anzusprechen. Lest, was er auch sonst noch über das neue Album, schwedischsingende Färinger und alte Kollegen zu sagen hat.

Hallo Sami, danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst.Zuerst einmal will ich euch zu eurem neuen Album gratulieren, das bei unswirklich gut ankam. Wie fallen die anderen Pressereaktionen bislang so aus?
Hi und Danke! Das Feedback war sehr positiv und wir haben sogar einige extremgute Chartpositionierungen eingefahren, beispielsweise Platz 19 in dendeutschen Albumcharts.

Ich möchte gleich mal die größte Veränderung in eurem Sound ansprechen: denEinsatz vieler Orchesterelemente, mit dem ihr euch ein Stück weit von euremursprünglichen entfernt habt. Ist das die zukünftige Richtung vonENSIFERUM?
Ein echtes Orchester einzusetzen war Markus‘ Traum seit dem ersten Album unddiesmal gab es das erste mal die Gelegenheit, diesem Sound nahezukommen – einAlbum mit Orchester war also früher oder später zu erwarten. Wir planenso etwas nicht all zu sehr im Voraus, wir schreiben einfach Songs, die wirmögen. Das ist also so etwas wie eine neue Richtung, das nächste Album könnteaber schon rauer Thrash Metal sein. Man weiß es nicht…

Haben euch eure Landsmänner von Turisas bezüglich der Bombastelementebeeinflusst?
Hehe, nein. ENSIFERUM hatten immer schon orchestrale Elemente (Hörner, Chöre,Harfe, Streicher etc.), das ist also nichts grundlegend Neues. Aber diesmalwar es das erste Mal, dass wir wirklich reale Sounds und große Arrangementszur Verfügung hatten, das ist also der Grund, warum die orchestralen Elementeso eine zentrale Rolle auf „From Afar“ spielen.

Ich glaube, was die Melodien angeht, habt ihr euch diesmal selbst übertroffen.Wer zeichnet denn für diese beim Songwriting verantwortlich?
Markus ist der Bandgründer, das Herz und die Seele der Musik von ENSIFERUMund war auch immer der Hauptsongwriter.

Und wer überlegt sich die Texte?
Die Texte habe alle ich geschrieben.

Lass uns noch etwas über die Texte rede. „From Afar“ scheint für mich so etwas wieein Konzeptalbum zu sein. Gibt es eine durchgehende Story? Worum geht es inden Texten genau?
Nein, „From Far“ ist kein Konzeptalbum, aber es gibt ein paar Themen wie Tod,Moral und die Zeit nach dem Tod, die sich durch das ganze Album ziehen. DieTexte haben ihre offensichtliche Bedeutung und auch einen tiefergehenden,metaphorischen Aspekt.

Wie lange braucht ihr nach einem Release, bis die nächsten Ideen für einneues Album konkrete Formen annehmen? Im Falle von „From Far“: Wann beganndas Songwriting?
Wir hatten ein paar Melodien und Riffs, mit denen wir bei früherenAlbum-Sessions nicht ganz zufrieden waren, so dass wir uns entschieden hatten,sie zu Seite zu legen und mit ihnen nach den Recordings zu „Victory Songs“weiterzuarbeiten. Wir hatten somit also schon mal einen Einstieg. Danachbrachte jeder Ideen in den Proberaum und wir haben auch auf Tour komponiert(wir haben fast 200 Gigs gespielt, nachdem „Viktory Songs“ veröffentlichtwar). Songs zu schreiben ist immer eine besondere Situation, man weiß nie,wie lange es dauern wird.

In „Stone Cold Metal“ gibt es einen Part, bei dem man sich in einen 60erJahre Spaghetti-Western zurückversetzt fühlt. Ist dieser Teil eine Art Homagean den Italo Western? Und wie passt das in das Albumkonzept?
Markus und ich sind große Fans von Ennio Morricones Musik, und Western-Elementesind nichts Neues in unserer Musik. In Songs wie „Iron“ und „Wanderer“ gibtes ein starkes Western-Feeling. Aber diesmal wollten wir das nochmalüberbieten. Da es kein Konzeptalbum ist, gab es auch kein Problem, diesesMeisterstück auf das Album zu packen.

Der Bonus-Track „Vandraren“ ist eine Cover-Version und ursprünglich von derschwedischen Band „Nordman“. Gibt es einen speziellen Grund, warum ihrausgerechnet diesen Song ausgewählt habt?
ENSIFERUM haben immer verrückte Cover gemacht und die Vorstellung, dass einefinnische Band mit einem Sänger von den Faröer Inseln eine schwedische Bandcovert, fanden wir so lustig, dass wir es einfach machen mussten.

Wie du gerade schon angesprochen hast, performt bei diesem Track Heri Joensenvon Týr als Gastsänger. Das ist ein wenig verwirrend – wieso lasst ihrausgerechnet einen Faröer diesen schwedischen Song singen?
Keiner von uns kann gut genug Schwedisch, als dass man es aufnehmen könnte,also haben wir beschlossen, dass wir einen Gastsänger brauchen. Heri kennenwir von all den Konzerten und Touren, die wir mit Týr gespielt haben und erist ein fabelhafter Sänger – das war so etwas wie ein Jackpot für uns.

Ist der dunkle Strom ein Element der Kalevala? Könntest du den Lesern etwasüber diesen vielseitigen Begriff erzählen?
Ja, du kannst den dunklen Strom von Tuonela in der Kalevala finden undnatürlich war die Kalevala eine Inspirationsquelle, als ich die Textegeschrieben habe… aber ich will sie nicht all zu genau erklären, damit ichdem Hörer noch Raum für Eigeninterpretation lasse.

Wisst ihr schon, welche der Songs von „From Afar“ definitiv live gespieltwerden?
In den Proben haben wir das komplette Album gespielt, es ist also jeder Songlive spielbar… wie die Live-Setlist dann aussieht, müssen wir erst nochsehen.

Mich interessiert immer, welche Musik die Mitglieder einer Band hören, außerihrer eigenen natürlich. Nenn uns doch ein paar von ENSIFERUM favourisiertenBands!
Wir haben alle einen sehr unterschiedlichen Musikgeschmack, aberbeispielsweise Iron Maiden ist für uns alle eine sehr wichtige Band.

Wie wichtig ist das Internet als ein Medium für die Band, Myspacebeispielsweise etc.? Und wie geht ihr mit dem Problem illegaler Downloads um?
Natürlich hat das Internet einige Vorteile, wenn die Band / das Label sie zunutzen weiß. Aber illegale Downloads helfen Niemandem in dem Business,beispielsweise habe ich grade neulich erst gehört, dass ein recht großesLabel beinahe bankrott ist.
Leute, die Plattenlabels als böse und gierige Firmen sehen, sind sehr naiv undvergessen einen großen Aspekt: Labels geben Bands die Möglichkeit, in gutenStudios mit professionellen Produzenten Alben aufzunehmen, und sie übernehmen daskomplette finanzielle Risiko, indem sie tausende über tausende Euros fürStudio, Promotion etc. ausgeben. Es wird „Music Business“ genannt, nicht“Music Charity“.
Das ist einfach eine komplett andere Situation, als wenn du über eine ungesignteBand redest, die ihre Musik umsonst über das Internet verbreiten will, um dieBand zu promoten.

Habt ihr noch Kontakt zu Jari?
Natürlich, wir sind noch mit allen früheren Bandkollegen befreundet.

Vielleicht hat er sich mit seinem Perfektionismus etwas verrannt, zudem kamendie ganzen technischen Probleme, mit denen er zu kämpfen hatte. Was denkst duzu der ganzen Geschichte um Wintersun’s „Time“ und was würdest du ihm raten?
Er hatte wirklich Pech mit all den technischen Problemen und so weiter… Ichhoffe wirklich, dass er sein Meisterstück fertigstellt und wieder auf Tourgeht – es gibt schließlich verdammt viele Fans, die darauf warten, das neueMaterial zu hören und Wintersun wieder live on Stage zu sehen. Go Jari GO!

Zu guter Letzt würde ich gern unser traditionelles „Metal1.brainstorming“ mitdir spielen. Was ist das erste, was dir einfällt zu…

Heimat: Frieden
Politik: Kein Kommentar
Lieblingsgetränk: Vodka-Orangensaft
Power Metal: High and loud
Deutschland: Wirklich gutes Kebab
The Good, The Bad & The Ugly: Großartiger Film
Metal1info: Vermutlich ein gutes Webzine, aber ich verstehe kein Deutsch.

Willst du noch ein paar letzte Worte an unsere Leser loswerden?
Genießt das Album, man sieht sich bald auf Tour!