Interview mit Andreas Hack von Frequency Drift

Die deutsche Prog-Combo FREQUENCY DRIFT bietet auf ihren zwei Alben atmosphärisch-emotionales Kopfkino und erzählt eine packende Sci-Fi-Geschichte um zwei Schwestern, die in der (nicht mehr allzu fernen) Zukunft spielt. Unser Redakteur Sebastian Mack unterhielt sich ausführlich mit Bandchef Andreas Hack.

Hallo Andreas! Danke, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Lass uns ganz einfach anfangen: Wer ist FREQUENCY DRIFT, wo kommt Ihr her und was macht Ihr für Musik?

Wir kommen mehr oder minder aus Bayreuth, einige Bandmitglieder hat es aber inzwischen an andere Orte verschlagen. WER die Band jetzt allerdings so genau ist, kann ich selbst nicht sagen, denn die Anzahl die Mitglieder schwankt mitunter ein wenig. Ich hoffe sehr, dass sich jetzt ein stabiles Line-Up gefunden hat, aber das dachte ich nach der ersten CD ja auch schon und dann hatten wir auf der zweiten CD plötzlich zwölf Musiker.
Wir machen sog. „Cinematic Prog“, also eine Art Musik-Film. Das Ganze soll den Zuhörern eine Geschichte vermitteln. Dabei bedienen wir uns vieler unterschiedlicher Stilistiken: Rock, Folk, klassische Musik, klassischer Prog. Ich denke unsere Hauptstärken der Musik liegen auf Melodie und Atmosphäre. Wir versuchen auf jeden Fall keiner der typischen Dream Theater-, Marillion- oder Genesis-Klone zu sein.

Was bedeutet Euer Name und wie seid Ihr auf ihn gekommen?

Als ich beschloss diese Band zu gründen, hörte ich gerade den Song „Joyride“ von White Willow und blieb dann bei einer Textzeile, die die Worte „Frequency Drift“ beinhaltet, hängen, weil ich den Ausdruck interessant fand. Ich habe den Begriff dann einmal nachgeschlagen und festgestellt, dass er so etwas wie die Frequenzschwankung eines Oszillators bedeutet, was mich als Fan analoger Keyboards natürlich ansprach.

Bisher habt Ihr zwei CDs veröffentlicht, die eine zusammenhänge Geschichte erzählen: Personal Effects Part I und II. Es sind also Konzeptalben. Was kannst Du über die Story der Platten erzählen, ohne allzu viel vorwegzunehmen?

Die Geschichte spielt an einem Tag, was auch die Uhrzeiten vor den Liedern erklärt. Allerdings liegen die Beweggründe für die Art, wie die Charaktere handeln zum Teil schon in der Vergangenheit. Es ist die Geschichte zweier Schwestern, River und Romance, die im Jahr 2046 leben. Es ist eine Geschichte von Schuld, Trauer, Liebe und Tod. Sie enthält also alle Zutaten, die Musik interessant machen. Ich bin außerdem ein großer Film und Literaturfan, deshalb lassen sich auch von hier viele Einflüsse finden. Die Filme, die die Geschichte am meisten beeinflusst haben, sind: Blade Runner, Ghost in the Shell, Lost und Renaissance. Wir haben uns bemüht, die Alben auch von textlicher Seite her interessant zu machen und viele Zitate bekannter englischer Dichter eingebaut, die, wenn man sie genauer kennt, noch weitere Bedeutungsaspekte zur Geschichte hinzufügen. Ich wünsche eine fröhliche Suche!Ich möchte jetzt allerdings nicht mehr zu Geschichte verraten, weil wir den Zuhörer dazu bewegen möchten, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Nur noch so viel, wir haben uns vor den Aufnahmen eine Art Drehbuch mit Produktionsskizzen überlegt.

Inwiefern unterscheiden sich die beiden Platten musikalisch?

Die erste CD spielt in der Zeit von Mitternacht bis zum Tagesanbruch, die zweite deckt die Handlung vom Sonnenaufgang bis zur nächsten Nacht ab. Die spiegelt sich insgesamt auch in der Musik wieder. Die erste CD klingt insgesamt dunkler und introvertierter. Die zweite CD klingt heller und etwas aggressiver. Allerdings werden in beiden CDs die gleichen musikalischen Motive verarbeitet. Bevor ich die Musik für die CDs machte, hatte ich mir basierend auf den Figuren Motive überlegt, die ihren Charakter am besten beschreiben und diese tauchen auf beiden CDs immer wieder auf.
Während die erste CD eher die Gedanken einer der Hauptpersonen schildert, ist auf der zweiten CD wesentlich mehr tatsächliche Handlung, weshalb ich hier auch wesentlich mehr Instrumente und Klangfarben einsetzte, um die Größe der Handlung und die Unterschiede der Schauplätze darzustellen.

Ist die Geschichte mit dem zweiten Album abgeschlossen oder wird sie noch fortgeführt?

Ich denke, jetzt ist die Geschichte abgeschlossen, aber sollte uns noch etwas einfallen, was die Geschichte voran bringt, könnte es noch einen dritten Teil geben. Es gibt allerdings noch einen Song, der die Geschichte weiter erzählt, den ich allerdings bewusst wieder von der CD genommen habe, obwohl ich ihn eigentlich sehr mag, aber ich hatte den Eindruck, dass die CD dadurch zu lang werden würde. Wer allerdings unseren Newsletter abonniert, bekommt diesen Song als kostenlosen Download. Nähere Informationen gibt es dazu auf unserer Homepage www.frequencydrift.com.

Insbesondere auf Eurem aktuellen Werk „Personal Effects: Part II“ werden die Songs von atmosphärischen, Hörspiel-artigen Zwischensequenzen zusammengehalten. Wie sind diese entstanden bzw. produziert worden?

Da wir ja ein richtiges Storyboard für die Geschichte erstellt hatten, war es grundsätzlich relativ einfach, zu wissen, wie sich die einzelnen Sequenzen anhören sollen. Die technische Umsetzung war dann allerdings doch schwieriger. Ich habe die Sequenzen alle selbst produziert, z.T. habe ich selbst aufgenommene Fieldrecordings benutzt, also Leute durch die Landschaft laufen lassen und sie dabei aufgenommen, zum Teil habe ich Samples verwendet oder Sounds mit Programmen gebaut. Wir haben uns sehr viel Mühe mit diesen Sequenzen gemacht, weil ich denke, dass sehr zum Verständnis der Geschichte beitragen.

Ein weiteres wichtiges Element Eurer Alben scheint das Booklet zu sein. Ihr verzichtet darauf, die Texte abzudrucken und regt stattdessen mithilfe von Comic-artigen Zeichnungen zu jedem Song die Phantasie des Hörers an. Wie kam es zu dieser Entscheidung und warum habt Ihr beschlossen, die Lyrics nicht zusätzlich ins Booklet zu packen?

Wir haben den Zeichnern Auszüge aus unserem Drehbuch gegeben und ihnen das jeweilige Lied geschickt. Danach hatten sie vollständige künstlerische Freiheit und wir sind wirklich von den einzelnen Ergebnissen sehr angetan. Ich denke, die Sache mit den Bildern lässt dem Zuhörer mehr Freiheit, sich eine eigene Geschichte zur Musik auszudenken. Wir versuchen, dem Käufer unserer Alben den größtmöglichen Gegenwert zu bieten, da denke ich, dass die Bilder einfach mehr hergeben.

Während auf Eurem Debüt Katja Hübner alle Vocals eingesungen hat, teilen sich auf der neuen CD Nicole Scharnagl, Christine Mettner und Kerstin Leidner die Gesangsparts. Wieso ist Katja Hübner nicht mehr dabei und warum habt Ihr stattdessen gleich drei Ersatzsängerinnen engagiert?

Tja, die Sache mit Katja ist ganz einfach. Sie hat uns, nachdem die Hälfte der Vocals aufgenommen waren, sitzen lassen. Es war allerdings schon von Anfang geplant, dass wir auf dieser CD verschiedenen Sängerinnen haben werden, denn während auf der ersten CD praktisch alles aus der Perspektive von River, gesungen von Katja, geschildert wird, gibt es auf der zweiten ja auch Lieder über Romance und die „Bösewichtin“. Für die hatte ich von Anfang an andere Sängerinnen eingeplant.

Für den Track „Inside“ habt Ihr den Gitarristen der norwegischen Progressive Rock Band White Willow, die in Insiderkreisen nicht unbekannt ist, für ein Solo gewinnen können. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ich stand schon vorher mit Jacob über myspace in Kontakt. Als ich dann mit den Aufnahmen für die zweite CD begann, schickte ich ihm eine Demoversion der Lieder mit der Frage, ob er nicht etwas spielen wolle. Er sagte zu meiner großen Freunde zu und sein Gitarrenspiel hat das Lied wirklich voran gebracht.

Ich stelle es mir sehr schwer vor, die dichte und packende Atmosphäre Eurer Alben live zu reproduzieren. Spielt Ihr viele Livekonzerte und sind demnächst welche geplant?

Das mit dem live Spielen ist so eine Sache. Einerseits würde ich gerne auftreten, andererseits gibt es da die oben genannte Musikerproblematik. Außerdem wäre das Ganze wirklich sehr aufwändig und im Moment schlicht nicht finanzierbar. Wir haben zum Release der ersten CD ein Konzert gespielt und dabei schon einiges versucht, um die Handlung für den Zuhörer greifbar zu machen, das hat dann auch Spaß gemacht. Es war allerdings mit sehr viel Aufwand und Stress verbunden. Außerdem war es auch eine finanzielle Hängepartie, bei der wir zum Glück gerade so mit Null auf Null hingekommen sind. Natürlich würde ich gerne mehr live spielen, aber es müssten dann schon passende Veranstaltungen sein. Aber wenn jemand einen Vorschlag hat, bitte bei uns melden!

In Rezensionen werdet Ihr des Öfteren mit The Gathering oder Marillion verglichen. Stimmt diese Beziehung Deiner Meinung nach oder nervt es Dich eher, dass Rezensenten immer alles in Schubladen stecken müssen?

Das Schubladendenken ist zwar grundsätzlich eher ärgerlich, aber wohl kaum vermeidbar. Zu den Vergleichen kann ich nur Folgendes sagen: Bis „Marbles“ war ich der größtmögliche Marillion–Fan und ich denke ihrer Musik hat mich schon mitgeprägt, aber zu The Gathering sehe ich relativ wenig Bezug. Insgesamt versuche ich andere Musik zu hören als solche, die ich selbst spiele, da sonst die Gefahr zu groß ist, dass man einfach von seinen Vorbildern kopiert. Wen ich hier allerdings empfehlen kann und wer auch definitiv unsere Musik beeinflusst hat, sind Yoko Kanno und Bear McCreary.

Wo können interessierte Leser reinhören und Eure Platten erwerben?

Natürlich auf unserer Homepage: www.frequencydrift.com und bei den üblichen Verdächtigen: www.empire-music.de und www.justforkicks.de und bei unserem englischen Label Cyclops Records.

Haben die Mitglieder von FREQUENCY DRIFT noch andere musikalische Projekte, oder ist die Band Ihr einziges musikalisches Vehikel?

Jürgen und ich haben noch eine ganz andere Sache am Start, die auf den Namen Rachel’s Memory hört, und musikalisch allerdings etwas anders gelagert ist. Hörproben gibt es bald unter: www.myspace.com/rachelsmemoryband

Zum Abschluss folgt noch unser traditionelles Metal1.Brainstorming. Was fällt Dir spontan zu folgenden Dingen ein:

Per Anhalter durch die Galaxis: 42
King Crimson: Happy with what you have to be happy with
Orangensaft: Apfelsaft
Guido Westerwelle: Was soll man da noch sagen?
Ich kann nicht leben ohne: Sauerstoff
InsideOut: Sushi

Die letzten Worte gehören natürlich Dir. Möchtest Du unseren Lesern noch irgendetwas sagen?

Der Rest ist Schweigen.

Andreas, vielen Dank für das Interview und Deine Antworten. Ich wünsche Euch noch viel Erfolg mit Eurem neuen Album!