Interview mit Helangår

Helangår sind nach langer Zeit wieder komplett. Neben Neu- und Alt-Drummer Nico stoßen zum Grundgerüst Flo und Hannes Fuß nun auch Sänger Daniel und Gitarrist Marc. Exklusiv auf Metal1.info erzählen die Neuen und auch die Alten über den Beginn einer neuen Zeitrechnung der kontroversen Band, die wohl auch nach [kwIn’tes sens] wieder spalten wird.

Marc und Daniel, ihr seid die beiden neuen bei Helangår. Wie seid ihr zur Band gekommen? Stellt euch gerne auch vor.
Daniel: Ich kenne Johannes und Florian schon länger privat, dabei hat sich rausgestellt, dass wir ähnliche musikalische Vorlieben haben. Als die beiden dann auf der Suche nach einem neuen Sänger waren, haben sie mich gefragt, ich hab zugesagt und scheinbar bisher ihren Ansprüchen genügt.

Marc: Vor ziemlich genau 4 Jahren haben Johannes und ich uns im Leichen-Sezierkurs in der Anatomie kennen gelernt. Seitdem verbindet uns eine sehr gute Freundschaft. Im Frühjahr dieses Jahres haben Florian und Johannes dann eines Abends beim gemeinsamen Zusammensitzen gefragt ob ich nicht Lust hätte nach Veröffentlichung von [kwIn’tes sens] bei Helangår einzusteigen. Da ich seit meinem 14. Lebensjahr in einer Reihe von Bands aktiv gewesen bin und es liebe auf der Bühne zu stehen, hab ich nicht lange überlegen müssen. Die Musik von Helangår ist für mich eine neue Welt, was aber gerade die Herausforderung für mich ist.

Nico, wie kam es zu deiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte? Was hat sich seit deinem Ausstieg aus deiner Sicht alles verändert?
Nico: Als ich damals die Band verlassen habe geschah dies ja nicht wirklich freiwillig. Die große Distanz zwischen meinem Studienort und den Jungs machte weiteres Proben schlichtweg unmöglich. Eine mittlere Katastrophe an meiner alten Hochschule hatte dann aber für Helangår und mich sehr positive Auswirkungen. Denn meine Suche nach einem alternativen Ausbildungsort endete (natürlich nicht nur zufällig) in Mannheim und damit näher an der Helangår-Basis als die Jahre zuvor. Die Frage nach dem „ob“ stellte sich, da die Band noch immer auf der Suche nach einem neuen Drummer war natürlich nicht!

[kwIn’tes sens] hätte mit meiner Mitarbeit sicherlich anders geklungen und ich freue mich sehr, dass sich Hannes, der beim Songwriting oft eher abgefahrener komponiert als es die Livetauglichkeit erlaubt, sich auf diesem Album regelrecht ausgetobt hat. Trotzdem ist das neue Material noch einen guten Schritt experimenteller als beispielsweise Schlafes Bruder und dabei doch livetauglicher und auch eingängiger als [kwIn’tes sens]. Aber im Probenalltag hat sich eigentlich nichts geändert. Nur der Gitarrist, der in den Probenpausen alle mit endlosem Geklimper nervt heißt heute anders …

Was erwartet ihr euch in eurer Zeit bei Helangår, worauf freut ihr euch, welche Ziele steckt ihr euch?
Marc: An erster Stelle steht für mich ganz klar die Freude daran, endlich wieder mit anderen Gleichgesinnten Musik zu machen. Vielleicht gelingt es uns, mit unserer Musik Menschen zu animieren und abseits des (Metal-)Mainstreams ein Publikum für anspruchsvolle Musik und Texte zu gewinnen.

Daniel: Ich freue mich darauf, mit tollen Musikern Musik zu machen und dabei gleichzeitig noch mit Menschen die ich schätze, Zeit zu verbringen.

Interessant zu wissen wäre, wie ihr die bisherigen Helangår-Alben findet. Sagt gerne euere Meinung zu den drei Alben eurer neuen Band.
Daniel: „Evening in Valhalla“ und „Schlafes Bruder“ würden vielleicht einen Musikgeschmack widerspiegeln, wie ich ihn vor Jahren hatte. Heute empfinde ich sie als sehr solide Platten, die allerdings viel von dem Einzigartigen nicht haben, das „[kwIn’tes sens]“ und auch das ganz neue Material auszeichnet. Daraus liest sich ja schon, dass eben das letzte Album meine Vorlieben am ehesten trifft.

Marc: Seitdem ich mich mit dieser Musik näher beschäftige, tut sich mir eine völlig neue Musikwelt auf. Je länger ich dabei bin, desto mehr finde ich einen Zugang zu der Musik. Die Alben von Helangår sind sicherlich ein ganz spezielles musikalisches Erlebnis, das auch nicht in irgendeine Metal-Sparte zu drängen ist, zumal wenn man das letzte Album „[kwIn’tes sens]“ hernimmt. Da alle drei Alben einen ganz eigenen Charakter haben, wird eine generelle Aussage jedem einzelnen Album sicherlich nicht gerecht. Aber gerade diese Wandelbarkeit machen meiner Meinung nach die bisherigen Alben von Helangår so einzigartig und sind auch ein Grund, warum die Arbeit mit den beiden Brüdern Fuß manchmal anstrengend aber vor allem so spannend ist.

Wie ist es, nach so langer Zeit wieder eine komplette Band zu haben? Ändert sich im Großen und Ganzen viel bei euch, nachdem ihr zuletzt nur zu zweit unterwegs wart?
Hannes: Das Proben in voller Besetzung hat uns unheimlich gefehlt. Natürlich hat auch das Arbeiten als Studioprojekt seinen Reiz, weil man völlig frei ist, in dem was man macht – trotzdem war uns immer klar, dass wir wieder eine Band formen wollen. [kwIn’tes sens] war so was wie ein Befreiungsschlag von Refrain-Strophe-Schemata, Metal-Klischees und Musiktheorie – unsere Katharsis – jetzt sind wir ganz im Kern und bereit Schösslinge in den tränenweichen Boden zu treiben!

Sicherlich kann man euch bald auch wieder live auf diversen Bühnen sehen, gibt es da schon konkrete Pläne?
Hannes: Wir arbeiten dran, dass dauert aber noch ein Weilchen. Wir sind fleißig am komponieren und werden wohl Ende des Jahres ein erstes Konzert geben. Geplant ist aber den Winter noch zu nutzen um dann im Frühjahr wieder richtig zu erwachen.

Werdet ihr bei kommenden Konzerten vor allem euer aktuelles Album „[kwIn’tes sens]“ präsentieren wollen? Das Material konntet ihr ja noch nie live spielen, sicher seid ihr reichlich heiß darauf.
Hannes: Heiß sind wir auf alles Mögliche aber wir haben erst mal angefangen komplett neues Material zu schreiben, bevor wir unsere beiden Neuen mit unseren Altlasten quälen und uns damit auch vor allem live präsentieren. Selbstverständlich werden wir aber auch Werke von [kwIn’tes sens] und den andern Alben in unser Repertoire aufnehmen.

Auf dem Album habt ihr noch alles selbst gesungen. Wie wird das live gelöst, teilt ihr euch die Parts mit dem neuen Sänger auf?
Daniel: Ich dulde keine Sänger neben mir.
Johannes: Aber…
Daniel: Nein!
Johannes: Ok… :'(

„[kwIn’tes sens]“ ist ja nicht euer erstes Album, welches gespaltene Meinungen hervorgerufen hat, es wurde aber wohl noch kontroverser aufgenommen als „Schlafes Bruder“. Woran liegt das eurer Meinung nach?
Hannes: Uns war von vornherein klar, dass nach den teilweise völlig überzogenen Lobeshymnen auf „Schlafes Bruder“ und dem erneut krassen Wechsel der ein oder andere vor den Kopf gestoßen sein würde, so dass die Reaktion nicht verwunderlich ist. Umso erfreulicher sind natürlich die vielen positiven Reaktionen, die wir genauso bekommen haben. Wenn man von allen gemocht wird, kommt dies vielleicht bei Schwiegermüttern gut an, uns widerstrebt das!

Das textliche Konzept war bei euch schon immer ein wichtiges Bestandteil der Musik, bei geradezu philosophischen „[kwIn’tes sens]“ natürlich auch. Bevor wir hier seitenlang rumdiskutieren (was man sicherlich gut könnte ;)) sagt doch gerne in euren Worten, was ihr aussagen wollt, was euer Anliegen ist und wen ihr mit den Texten erreichen und zum Denken animieren wollt.
Hannes: Jeder wird erreicht, der sich gerne auf einen Grenzgang einlassen will. Im Grunde setzen wir uns mit Themen wie dem Sein und dem Tod auseinander. Textlich findet man eine Hetzjagd philosophischer Gigantomanie. Der Mensch fragt also nach dem Sinn vom Sein und im Grunde rollen wir alle großen Fragen umher, Antworten sucht man bei uns vergebens. Wir vertonen das Gefühl, das uns beschleicht, wenn wir an der Grenze angekommen sind.

Ihr setzt bewusst Disharmonie und asynchrone Töne ein, habt einen Bandnamen den fast keiner richtig aussprechen mag und jetzt auch noch einen Albumtitel, bei dem der durchschnittliche Hörer schon mal überfordert sein kann. Habt ihr Spaß daran, die Menschen zu verwirren und zu verstören? :)
Hannes: Manche schreiben sogar unseren Namen falsch, erst gerade eben hab ich mühevoll wieder alle Kringel über dem a eingefügt, die ein schlampiger Onlineredakteur unterschlagen hat ;)
Dabei fällt mir ein, wir waren letzte Woche nach der Probe, da hast du ja auch schon mal gemeint, das mit den neuen Songs war dann auch schwierig, aber nachdem wir sie aufgenommen haben und sowieso ists ja auch wichtig auf die Texte zu achten, weil eben dadurch, dass wir jetzt wieder mit Nico die Drums aufnehmen und Urin schon immer total unser Ding war, wir beschlossen haben erst recht so weiterzumachen?

Ja, stimmt. Sollen die beiden lustigen Musikanten unten rechts auf dem Cover (welches großartig ist, ich schwimme mal gegen den Strom und frage nicht nach noch mehr Bedeutungen etc. ;)) in Verbindung mit dem Albumtitel bekräftigen, dass ihr – Hannes und Flo – die Quintessenz der Band seid?
Hannes: Ja, so könnte man es deuten. Wir waren als Einzige übrig und hatten vor nach dem Release neue Musiker für unsere Band zu suchen. Dass der Nico plötzlich wieder vor der Tür stehen würde, konnte zu dem Zeitpunkt ja keiner erhoffen. Wir hatten sogar schon mit mehreren anderen Schlagzeugern geprobt und waren kurz davor uns für einen zu entscheiden.

Wohin geht die musikalische Reise in Zukunft? Die drei bisherigen Alben unterscheiden sich ja mehr oder minder grundlegend voneinander, wird es auch mit dem vierten Album wieder Neues, Überraschendes geben, gibt es schon spruchreife Pläne für die nächste Scheibe?
Hannes: Der Plan ist wie jedes Mal ein weltweiter Plattenvertrag und ein Champagnerwhirlpool mit Playmates in unserem Proberaum. Soviel zum Konstanten, aber auch Neues und Überraschendes wird es immer geben. Da die Unterschiede natürlich stark durch die unterschiedlichen Besetzungen bestimmt waren, wird der Bruch diesmal nicht so groß. Trotzdem reden nun wie früher wieder mehr Leute beim Komponieren mit und die Lieder entstehen wieder mehr im Proberaum. Von dem her gibt es einfach strukturell schon wieder einige Punkte, die für Abwechslung sorgen werden. Fest steht bisher nur, dass es bei dem geringen Keyboardeinsatz bleiben wird und wir weiterhin auf Deutsch texten werden.

Da alle Alben grundverschieden sind: Steht ihr weiterhin voll hinter eueren früheren Werken?
Hannes: Natürlich, zu dem Zeitpunkt war das genau das, was wir machen wollten, sie sind Teil unserer Geschichte und Zeugen unserer Entwicklung.

Das ist jetzt schon euer viertes Interview mit Metal1, nervt euch der Scheißladen nicht langsam? :)
Metal was? Nie gehört…

Ich weiß auch nicht, was das ist. Ohne wollt ihr nun sicher nicht aufhören, also bereite ich euch gerne den Spaß eines fantastischen Metal1-Wortspiels :)
Cern: Frühstücks-Cernialien
Finanzkrise: Jede Helangår-CD Veröffentlichung
Downscarred: Trisomie 21 Phobiker
Horb: vom Gäu
Der doppelte Worschter: Alles hat ein Ende nur der doppelte Worschter hat vier!
Kaffeeklatsch: www.helangar.de
Summer Breeze 2004: War ein tolles Erlebnis um Mitternacht auf der Mainstage zu spielen, machen wir mal wieder. Darfst dann auch gern wieder als unser Gast in den VIP-Bereich.

Das reicht nun aber auch. Ich wünsche euch für die Zukunft nun alles Gute mit dem neuen Line-Up, das nun gerne mal ein paar Jährchen zusammen bleiben darf. Da wir ja gute Gastgeber sind, gewähren wir unseren Gästen auch gerne das letzte Wort, nutzt diese Gelegenheit gerne reichlich.
Ach nö.

Selber schuld.

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: