CD-Review: Helangår - Schlafes Bruder

Besetzung

Lisa Klank – Gesang
Johannes Fuss – Gitarre, Gesang
Johannes Mentzel – Gitarre
Florian Fuss – Bass, Gesang, Akkordeon
Judith Ludwig – Keyboards, Cello
Nicolas Menze – Schlagzeug, Percussion

Marion Menze - zusätzlicher Gesang
Benjamin Skolny - zusätzliche Akustikgitarre (Lied 2, 9)
Christian Zielinski - zusätzliche Akustikgitarre (Lied 2, 9)
Jonas Ludwig - Bariton (Lied 3)
Joachim Brenn & "Der etwas andere Chor" (Lied 3, 11, 12)

Tracklist

01. Schlafes Bruder
02. Praeludium
03. Geburt - des Lebens Lied
04. Das Wunder seines Hörens
05. Die Gadenzeit
06. Herzens’ Sturm
07. Mitternacht
08. In Wehmut

Dämmerung
I. Greis des Lebens
II. Am wilden Bach
III. Sein Ende
IV. Der Chor der Engel
V. Hinfort


In den knapp mehr als zwei Jahren, seit HELANGÅR ihr Debütalbum „Evening In Valhalla“ präsentierten, hat sich einiges geändert. Nachdem das neue Album bereits komplett eingespielt war, verließ Sänger Tom die Band um eigene Wege zu gehen, und so wollte man das Album dann ja auch nicht veröffentlichen. Es wurde noch recht viel umarrangiert und so konnte sich Helangår einen länger gehegten Wunsch erfüllen, nämlich den Bestseller „Schlafes Bruder“ von Robert Schneider in einem Konzeptalbum zu vertonen.

Mit der neuen Sängerin Lisa Klank klingt das Gesamtwerk natürlich ein gutes Stück anders. An Namen wie Nightwish braucht man hier aber nicht denken, denn ihre Stimme hebt sich angenehm vom Opernhaften und Gothic-Klischees ab, dass den meisten frauengefronteten Gruppen heute zurecht anhaftet. Johannes und Florian Fuss treten hier auch öfter mal mit klarem bzw. „bösem“ Gesang auf, um an gewissen Stellen einen Kontrast zur variablen Stimme von Lisa zu schaffen.
Auch instrumental hat sich einiges verändert, so ist die Musik komplexer, vielseitiger und anfangs auch etwas schwerer zugänglicher geworden. Unter anderem hat ein Cello Einzug in die Musik gefunden, dass gleich beim Opener „Schlafes Bruder“ (nach einem herrlich knisterndem Intro) zum Einsatz kommt.

Eine weitere wichtige Neuerung dürfte schon beim Blick auf die Tracklist auffallen: Die Texte sind nun komplett in deutsch verfasst. So können die Musiker ihre Gefühle besser zum Ausdruck bringen und der Hörer kann dem Verlauf der Geschichte auch etwas besser folgen (Diese jetzt zu beschreiben würde den Rahmen sprengen, deswegen steht am Ende der Review noch ein kleiner Absatz dazu.
Ungewöhnlich rockig präsentiert sich gleich der eben schon erwähnte Eröffnungstrack „Schlafes Bruder“, der nur im Refrain orchestraler, ruhiger und bombastischer wird und die letzten 40 Sekunden mit einer traumhaften Melodie ausklingt. Bombastisch und orchestral wird es hier noch öfter, schließlich hat man sich extra einen Chor ins Studio geholt. Bei „Geburt – Des Lebens Lied“ wird dieser erstmals großflächig eingesetzt und nicht nur das macht das Stück zu einem Höhepunkt des Albums. Viele Wendungen machen das über neun Minuten lange Lied bis zum Schluss spannend, der Wechsel zwischen Heavy-Riffs, lieblichen und ruhigen Stellen sowie auch mal einer überraschend harten Stelle – die gerne noch etwas länger hätte dauern können – ist hier wirklich sehr gut gelungen.

Neben „Geburt…“ sind meine Favoriten auf dem Album das straight rockende und hart riffende „Mitternacht“, bei dem der fiese Florian Fuss eine tragende Rolle beim Gesang spielt und auch Lisa ihren stimmlich kraftvollsten Auftritt auf „Schlafes Bruder“ hat. Völlig anders ist das Duett zwischen Johannes Fuss und Lisa beim darauffolgenden „In Wehmut“. Johannes erzählt und Lisa packt die zärtlichste und einfühlsamste Art ihrer Stimme aus. Instrumental ist das auch herrlich untermalt, vor allem anfangs als sich zur Akustikgitarre noch ein Akkordeon gesellt. Ein wirklich herrliches ruhiges Stück, was nach dem härtesten auf dem Album auch genau an der richtigen Stelle steht.

Das fünfteilige „Dämmerung“ mit über 20 Minuten Spielzeit setzt dann viel auf Chöre, Streichinstrumente und wiederum den Wechsel zwischen härteren und epischen Stellen. Vor allem der Dreierpack am Ende („Sein Ende“, „Der Chor der Engel“, „Hinfort“) ist ein sehr schwieriges Werk geworden, dass sich wohl nicht jedem erschließen wird. In diesen letzten knapp sieben Minuten findet eigentlich kein Rock/Metal-Element mehr Platz, hier wird auf Klassik, Dramatik und Chorgesang gesetzt, was manchen wegen dem Kirchenchor-Feeling wohl nicht ansprechen wird.

„Schlafes Bruder“ ist ein über 70-minütiges außergewöhnliches und mutiges Werk geworden, dass viel bietet und auf dem es viel zu entdecken gibt. Hier wird über die gesamte Spielzeit eine großartige Atmosphäre erzeugt. Man kann jetzt nur hoffen, dass sich alle Skeptiker die Scheibe mal anhören und dann feststellen, dass hier kein Weichspülprodukt rausgekommen ist und man über weite Strecken härter unterwegs ist als auf „Evening In Valhalla“. Lisas Stimme passt wunderbar zur Musik, ich war anfangs auch skeptisch, doch hat mich „Schlafes Bruder“ überzeugt, dass es so funktionieren kann und es auch tut. Und das mit jedem Durchlauf mehr. Der Sound ist im Vergleich zum Vorgänger ein gutes Stück besser, nur das Schlagzeug dürfte noch druckvoller sein.
Auch wenn nun ein paar Jahre vergangen sind, muss man wieder sagen, dass Helangår für ihr immer noch junges Alter verdammt weit sind und ein sehr anspruchsvolles Stück Musik geschrieben haben. Ob einem der neue Weg mit den doch vielen Änderungen gefällt oder nicht, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

„Das ist die Geschichte des Musikers Johannes Elias Alder, der zweiundzwanzigjährig sein Leben zu Tode brachte, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr zu schlafen. Denn er war in unsägliche und darum unglückliche Liebe zu seiner Cousine Elsbeth entbrannt…“
Wir schreiben das Jahr 1803. In das kleine abgeschiedene Bergdorf Eschbach in Vorarlberg wird Elias mit Mühen geboren. Seinen Eltern schon früh sehr fremd, wächst er allein in seiner Welt auf und wird nur von wenigen verstanden. Der grausame Peter, der die Tiere quält und das halbe Dorf in Brand steckt, fühlt sich zu ihm hingezogen und entbrennt später in Liebe zu Elias.
Mit fünf Jahren erlebt Elias an seinem Stein, seiner Zuflucht am Bach, ein unvorstellbares Hörerlebnis und hört das erste Mal den Herzschlag der ungeborenen Elsbeth. Durch dieses Ereignis werden seine ehemals grünen Augen, eitrig gelb und er altert frühzeitig. Dies entfernt ihn noch weiter von den Menschen im Dorf und seinen Eltern.
Elias findet Zuflucht in der Musik. Er bringt sich das Orgelspiel bei und vermag dem Instrument beinah überirdische Töne zu entlocken, die jeden Zuhörer bis ins Mark erschüttern. Dennoch wächst er einsam auf und so bleibt seine göttliche Begabung unentdeckt.
Ein Schauprediger bringt die Lehre von der alles beherrschenden Liebe nach Eschbach. Einer Liebe, die Tag und Nacht währt, daher dürften die, die wirklich liebten, nie mehr schlafen. Elias treibt dies immer weiter in die Liebe zu Elsbeth, die seine Gefühle jedoch nicht erwidert und schließlich einen anderen heiratet.
Elias gibt Gott die Schuld daran und sagt sich von ihm los. Sein Leben wird leer.
Um die Liebe zurückzugewinnen will Elias selbst die Musik aufgeben, obwohl er kurz vor dem Ende seines viel zu kurzen Lebens doch noch als grandioser Musiker entdeckt wird. Er weiß nun, Elsbeth nur deshalb nicht gewonnen zu haben, da er sie ja nur am Tage liebte – er beschließt nie mehr zu schlafen und geht zu seinem Platz am glatten Stein mit Peter, der ihn bis zum Tode begleitet. Nach 7 Tagen Schlafentzug mit Fieber- und Rauschträumen stirbt Elias schließlich und verändert damit auch Peters Leben, der fortan gut zu Menschen und Tieren wird.

Bewertung: 9 / 10

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