Interview mit Tim Steffens von Klabautamann

Mit „Merkur“ haben die beiden Meckenheimer Klabautamänner Tim und Florian nicht nur ihr drittes Album, sondern zugleich auch ein Kleinod deutscher Black Metal-Kultur veröffentlicht. Grund genug, mit Gitarrist, Bassist und Sänger Tim Steffens über das Werk zu sprechen.“

Hallo, schön dass ihr euch die Zeit nehmt und für ein Interview Metal1.info zur Verfügung steht!
Ihr habt vor nicht all zu langer Zeit euer neues, drittes Album, „Merkur“, veröffentlicht.Wie sind die ersten Reaktionen auf das Album ausgefallen, bzw. seit ihr einerseits mit den Reaktionen, andererseits mit dem Werk selbst zufrieden?

Die Reaktionen waren durchweg positiv und auch wir sind es sehr zufrieden!

Als Titel für eure neues Werk habt ihr „Merkur“ gewählt… ein Wort mit vielen Bedeutungen:
Einerseits der Götterbote der Römischen Religion, andererseits der Planet. Auf was bezieht ihr euch mit dem Titel und wieso habt ihr euch für diesen entschieden?

Ein Text von Christian hieß Merkur. Klang irgendwie cool und metallisch. Wir haben an verschiedensten Titel herumgedacht und es schließlich auf „Unter Bäumen“ und „Merkur“ eingeschränkt. Da wir gar nicht mehr so auf der Naturmystik-Schiene sind, dachten wir es wäre an der Zeit das auch durch den Titel zum Ausdruck zu bringen.

Für das, wie ich finde, mehr als gelungene Layout habt ihr ein Werk des Illustratoren Jan Buckard verwendet. Ich nehme an, das Bild wurde als Artwork für eure CD entworfen? Welche Vorgaben habt ihr dem Künstler dabei gemacht?
Da wir schon vorher mit Jan zusammengearbeitet haben, wussten wir um seine Fähigkeiten und haben ihm daher freie Hand gelassen. Er hat lediglich den Titel, die Songs und deren Texte von uns erhalten um die richtige Stimmung erzeugen zu können. Das war eine gute Entscheidung, denn das Ergebnis lässt sich wirklich sehen!

Für wie wichtig erachtet ihr die optischen Aspekte bei einer CD in Zeiten, da die mp3 wohl das gängigste Musik-Format ist?
Zumindest wir selber sind ziemliche CD-Nerds. Es ist einfach viel cooler ne richtige CD mit Artwork und Texten in der Hand zu halten und in den CD-Player zu legen, als in irgendwelchen Playlists rumzuklicken. Wir wir an unseren Verkäufen sehen, gibt es auf jeden Fall noch genug Leute, die ebenfalls die CD als Medium weiterhin bevorzugen.

„Merkur“ ist in gewisser Weise ja auch ein Jubiläumsalbum, KLABAUTAMANN gibt es nun seit über zehn Jahren. Was hat euch über all die Jahre angetrieben und motiviert?
Es hat uns schon immer Spaß gemacht Musik zu machen. Und wenn Flo und ich uns zusammensetzen, dann kommt da auch immer was cooles bei raus. Zusätzlich ist es natürlich auch sehr motivierend, positives Feedback von unseren Fans zu erhalten, vielen Dank dafür!

Ihr arbeitet seit je her als Zweimannprojekt mit wechselnden Musikern. Ist das nicht ein Nachteil, sei es an kreativem Input, der verloren geht, oder auch, weil ihr so keine auftrittsbereite Band darstellt? Gerade in Zeiten, in denen wohl Konzerte die beste Werbung sind…?
Lustiger Weise haben wir auch schon einiges an CDs verkauft, bevor wir jemals aufgetreten sind. Es ist also keineswegs notwendig Konzerte zu geben. Trotzdem finde ich es schade nicht spontan auftreten zu können, würde ich doch ab und zu mal gerene machen. An kreativem Input mangelt es uns eigentlich nie, aber manchmal wäre es sicher hilfreich noch ein paar Leute dabei zu haben um strittige Entscheidungen demokratisch lösen zu können. Wenn man zu zweit ist und zu einem Punkt unterschiedliche Ansichten hat muss man immer diskutieren. Das ist schon mal was anstrengend.

Liegt vielleicht auch darin der Grund, warum KLABAUTAMANN weit weniger bekannt sind als diverse andere Bands, die weniger Alben veröffentlicht haben? Erhofft ihr euch von „Merkur“ den „Durchbruch“?
Och, ich glaub so unbekannt sind wir gar nicht. Allerdings haben wir nie wirklich ein große Bekanntheit angestrebt, da wir die Musik immer als Hobby betrachtet haben. Ich wäre an manchen Stellen durchaus bereit gewesen mehr zu investieren, allerdings war Flo dafür nicht zu begeistern. Ob wir dann allerdings bekannter wären ist natürlich eh die Frage, da kann man nur spekulieren.

Ihr seid ja beide in diverse Projekte eingebunden, beispielsweise Island, Woburn House oder Valborg, welche nahezu alle derzeit ebenfalls „kalben“… ist es nicht etwas stressig, in so vielen Formationen gleichzeitig Alles zu geben? Wie setzt ihr da die Prioritäten?
Das gilt hauptsächlich für Flo, ich hab derzeit nur ein Nebenprojekt. Ich stell’s mir für Flo schon was stressig vor, aber der mag das so. Seine Prioritäten setzt er dabei so, wie er gerade Bock hat. Das was ihn am meisten kickt bekommt Priorität.

Mit „Merkur“ habt ihr nun, wenn ich nicht irre, die erste CD eines eurer Projekte über eurer eigenes Label „Zeitgeister Music Distrubution“ veröffentlicht. Wieso wollt ihr bei soviel Musikerdasein auch noch diesen Teil der Arbeit übernehmen? Für Bands wie KLABAUTAMANN sollte sich doch auch bei einem renomierten Label ein Platz finden?
Also für den außer-europäischen Markt haben wir ja schon die Arbeit an The End Records / Void Expression abgegeben. Wir hätten durchaus auch für Deutschland und Europa ein Label an der Hand gehabt, allerdings ist es tatsächlich lukrativer wenn man 100% des Gewinns einstecken kann, statt 10% – 20%. Klar, es ist auch mehr Arbeit, aber Flo hatte schon länger die Idee ein Label zu machen und hat da also auch Spaß dran.

Ich sehe KLABAUTAMANN als Teil einer neu entstehenden Szene des deutschen, progressiven Black Metal mit Anspruch, der sich wegentwickelt von truen Norweger-Imitaten, hin zu etwas eigenständigem, in der Form so noch nie da gewesenen. Versteht ihr euch selbst als Teil einer solchen “Bewegung“?
Nö. Keine Bewegung. Zumindest nicht bewusst.

Einige Bands, die vergleichbare Musik machen, wie beispielsweise die Oldenburger Band Odeon, würden ihre Musik garnicht als Black Metal beschreiben… wie definiert ihr Black Metal? Musik oder Einstellung? Und sind für euch KLABAUTAMANN Black Metal?
Für viele Leute ist Black Metal mit einer Lebenseinstellung verknüpft – eine pessimistische, destruktive und misantropische Einstellung, die ich in den meisten Fällen nicht leiden kann. Wir haben nichts von dieser Einstellung. Wenn wir Klabautamann als Black Metal beschreiben – und das tun wir tatsächlich – dann ist dies rein auf musikalischer Ebene gemeint.

Das äußere Erscheinungsbild einer Band rundet ja immer den Gesamteindruck ab – nun gibt es in dieser Szene verschiedenste “Verhaltensmuster”: farsot. haben Promophotos ohne Corpsepaint, treten live aber mit Corpsepaint auf und haben Pseudonyme, Secrets Of The Moon verzichten ganz auf Corpsepaint, halten aber an der Tradition der Pseudonyme fest, Geist hingegen bedienen sich beider Stilmittel. Ihr hingegen verzichtet auf beides. Warum?
Haben Corpsepaint und Pseudonyme als “Black Metal Accessoires” ausgedient?

Das kann schon cool sein. Allerdings passt es nicht zu Klabautamann, da Natürlichkeit bei uns immer eine hohe Wichtigkeit hatte.

Auch wenn ihr mit über zehn Jahren Bandgeschichte fast schon zu den alten Hasen gehört – habt ihr noch (musikalische) Vorbilder? Welches (neuere) Album, an dem du nicht mitgewirkt hats, würdest du dem Leser ans Herz legen wollen, weil es dich selbst begeistert?
Klar. Für Klabautamann ist sicher Opeth ein Vorbild. Nicht dass wir versuchen genau so zu klingen. Aber die Vermischung von harten Metal Parts mit atmosphärischen Teilen und komplett anderen Stilistiken hat mich bei Opeth immer sehr gereizt und ist auch bei Klabautamann zu finden.
Dann gibt es natürlich viele geile Musiker, die nicht direkt als Vorbild zu bezeichnen sind, aber dennoch unsere musikalische Sprache geprägt haben, z.B. für mich die Beatles, Leo Brower, John Scofield, zu viele um sie alle aufzuzählen! Hmm, welches neuere Album würde ich empfehlen … ich fand die neue Metallica recht gut. Ansonsten hab ich mir in der letzten Zeit nur ältere Alben gekauft! Z.B. die ‚Help‘ von den Beatles ist super!

Mit meinen Fragen wäre ich damit langsam am Ende. Wenn ihr noch etwas loswerden wollt, habt ihr dazu jetzt die Gelegenheit, sonst gehen wir direkt zum Metal1-Quiz über.

Ich gebe euch einige Begriffe vor, und ihr antwortet mit dem ersten Gedanken, der euch dazu einfällt:

Wahlkampf: Nervt wegen der ganzen Plakate – das Geld sollte man sinnvoller investieren. Ich wähle doch kein Gesicht – und viel mehr gibt’s da meistens nicht zu sehen.
Freie Marktwirtschaft: Hat was vom Recht des Stärkeren in der Natur. Ist glaub ich das realistischste System, wenn auch nicht fair – zumindest nicht im sozialen Sinne.
Mp3: So wird wohl die Musik in Zukunft hauptsächlich konsumiert werden. Es hat auch was für sich die gesamte Musiksammlung auf dem IPod dabei zu haben. Wird für mich aber nie die CD erstezen.
CD: Schön, mag ich :-)
Vinyl: Coole große Cover! Leider hab ich keinen Plattenspieler …

Ich bedanke mich jetzt schonmal für die Zeit und Mühe, die ihr für dieses Interview aufgewendet habt und wünsche euch viel Erfolg mit „Merkur“!