Interview mit Tim Steffens von Klabautamann

Sechs Jahre nach ihrem letzten Album, „The Old Chamber“, legt das Bonner Duo KLABAUTAMANN nun sein fünftes Studioalbum vor: „Smaragd“. Sänger und Gitarrist Tim Steffens über Klargesang, Enslaved und das Cover von Costin Chloreanu, das eigentlich ganz anders werden sollte.

Euer neues Album trägt den Titel „Smaragd“ – wofür steht dieser Begriff, warum ist es der perfekte Titel für das Werk?
Mir persönlich war der Titel gar nicht so wichtig, ich hätte die Platte Saturn genannt – weil das ein geiler Track und auch ein geiler Titel ist. Aber Flo fand, dass es lame wäre, wieder einen Planetennamen zu verwenden und kam nach einiger Zeit mit Smaragd als Vorschlag. Hat mir auch gepasst.

Das Artwork scheint keinen Zusammenhang zum Titel aufzuweisen – wie passt das Bild zum Albumkonzept?
Ich glaube, Flo hatte die Vorstellung, dass der Anglerfisch vorne einen leuchtenden Smaragd hat. Costin hat das dann aber etwas anders interpretiert. Man muss dazu sagen, dass es nicht von vorneherein ein richtiges Albumkonzept gab. Wir haben erst die Songs gemacht und dann hat Flo sich überlegt, was er für das Artwork cool fände. Wir haben uns das so aufgeteilt, dass ich mich um Sound und Produktion kümmere, er sich dafür um das Artwork. Das machen wir seit Merkur so.

Das Bild stammt von Costin Chioreanu, ist aber alles andere als typisch für seinen Stil. Warum wolltet ihr ihn als Artwork-Künstler und wie viele Vorgaben habt ihr ihm bezüglich des Artworks gemacht?
Jetzt wär der Flo der bessere Interviewpartner für Dich! Aber im Groben ist es so, dass wir beide das Artwork von Costin cool finden und Flo auch mit ihm befreundet ist. Flo hatte schon recht genaue Vorstellungen, aber im Endeffekt ist es dann doch ganz anders geworden – und ich finde super, wie es geworden ist! Aber das ist ja im kreativen Bereich ganz häufig so. Man startet mit einer gewissen Vorstellung, merkt dann aber, dass es sich ganz anders entwickelt. Und das ist auch gut so. Man muss dem kreativen Prozess freien Lauf lassen.

Musikalisch geht ihr mit „Smaragd“ einmal mehr neue Wege. Auffällig ist vor allem der Einsatz von Klargesang – was hat euch zu diesem Schritt bewegt?
Da haben verschiedene Aspekte zusammengespielt. Zum einen wollte ich ein facettenreiches und farbenfrohes Album haben. Im Nachhinein ist mir „The Old Chamber“ was zu eintönig. Hinzu kam, dass ich mit Ingo und Chester gerne mal wieder Musik machen wollte. Wir sind seit Jahren gute Freunde – Ingo kenne ich von vor fast 25 Jahren, als wir zusammen in Barcelona zur Schule gegangen sind – und wir haben schon einige Musikprojekte zusammen gemacht. Das ist immer viel Spaß. Und zu guter Letzt hat mir Thor von Trollmusic auch noch einen Anreiz gegeben, als er in einem Review schrieb, dass doch cleaner Gesang mal als musikalische Weiterentwicklung ganz angebracht sei. Da konnte ich nur zustimmen. Ich glaube, wir hätten das auch schon früher gemacht, wenn wir selbst mehr Gesangstalent hätten! (lacht)

Die Songs erinnern mich teilweise stark an Enslaved – kannst du diesen Vergleich nachvollziehen und würdet ihr die Band als Inspirationsquelle nennen?
Absolut, mir geht das auch so! Und ja, für mich gehört Enslaved – zusammen mit Opeth und Iron Maiden – zu den wichtigsten musikalischen Inspirationsquellen.

Andererseits erinnern die ruhigen Passagen an Woburn House beziehungsweise Island – war diese Entwicklung eine logische Folge der Auflösung dieser Projekte?
Ich glaub das war eher Zufall. Bei Flos Stücken hätte es vermutlich auch sein können, dass einige der Parts bei Woburn House oder Island gelandet wären, wären die Projekte noch aktiv. Bei meinen Songs gibt es da keinen direkten Zusammenhang.

Ihr habt mit Anna Murphy und Fredy Schnyder zudem zwei Gastmusiker auf dem Album – wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Die Anna mag Klabautamann und hat mal für uns in der Schweiz ein Konzert organisiert. Da haben wir auch den Fredy getroffen. Ich glaube, Flo hatte schon vorher Kontakt mit ihm. Fredy hatten wir schon mal bei Klabautamann dabei, für den Song „Noatun“. Das war eine sehr angenehme Zusammenarbeit und ein tolles Ergebnis! Und Anna hab ich gefragt, weil ich gerne noch ein paar neue Klangfarben auf dem Album haben wollte. Und Drehleiher ist für uns definitiv was Neues! Ist total cool geworden und auch der Gesang bei „Frozen in Time“ von ihr gefällt mir sehr gut!

Plant ihr auch mit Klabautamann eine Live-Umsetzung?
Ob wir mit Klabautamann mal wieder Live spielen ist eine gute Frage. Wenn, dann muss ich das auf jeden Fall ohne Flo auf die Beine stellen, der hat aktuell keine Zeit dafür. Bock hätte ich auf jeden Fall!

Besten Dank für Zeit und Antworten. Zum Abschluss ein Brainstorming:
Frankreich:
Pyrenäen.
Touren: Saufen (auch wenn ich das selbst gar nicht exzessiv tue).
Bonn: Heimat.
Facebook: Selbstdarstellung und Egomanie.
Meer: Urlaub & Durchatmen.

Die letzten Worte gehören dir – gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Wer aus dem Bonner Raum kommt, Bock drauf hat, Klabautamann Krams live zu zocken und sich das technisch zutraut, kann sich gerne mal bei mir melden! Aktuell bräuchten wir „alles“, also Bass, Gitarre, Schlagzeug, eventuell auch Gesang und Keyboard. (lacht) Ist aber überhaupt nicht Spruchreif, nur so ‘ne fixe Idee. Ansonsten hat gerade unsere Preorder für Smaragd begonnen: Wer im Mai bestellt, bekommt noch ein cooles Poster vom Cover dazu. Auf Wunsch gibt es auch ein exklusives Shirt!