Mit LAUTENFEYN betritt eine noch junge Band die Bühne der Mittelalter- und Folk-Rock-Szene, die sich nicht lange mit zaghaften Gehversuchen aufhält. Zwischen Drehleier, epischen Gesängen und rockiger Wucht verbindet das Trio traditionsnahe Klangfarben mit einem klar modernen Selbstverständnis – und trifft damit offenbar einen Nerv: Erste Festivalauftritte, starke Social-Media-Resonanz und fünfstellige Streamingzahlen für die Debütsingle sprechen eine deutliche Sprache. Im Interview erzählen Olli, Saskia und Angie, wann aus einer Idee ein ernstzunehmendes Projekt wurde, warum Storytelling für LAUTENFEYN mehr ist als bloße Kulisse und wie sie sich bewusst zwischen Mittelalter-Romantik und zeitgemäßer Haltung positionieren.

LAUTENFEYN ist noch eine junge Band. Könnt ihr euch noch an den Moment erinnern, in dem euch klar wurde: „Okay, das ist mehr als nur ein weiteres Projekt“?
Olli: Für mich war dieser besagte Moment, als ich mit der holden Saskia zusammen durch die Lande in Deutschland gereist bin, um eine Drehleier-Werkstatt zu besuchen. Da wurde klar, das wird jetzt langsam ernst mit dem Projekt.
Saskia: Olli und ich waren im Januar gerade in Freiburg unterwegs, als das STERNENKLANG-FESTIVAL unseren damals nicht mal 100 Follower großen Instagram-Account angeschrieben hat, um zu fragen, ob wir dort beim Bandcontest mitmachen wollen. Da haben wir nicht lange gefackelt und uns sofort an eine festivaltaugliche Show gesetzt!
Angie: Alles kam super schnell und intensiv. Der Vibe war sofort familiär und die Zusammenarbeit hatte mich direkt hooked!
Der Name LAUTENFEYN klingt nach Mythos und Mittelalter: Was steckt dahinter und wie wichtig ist euch Storytelling als Teil eurer Identität?
Olli: Der Name hat natürlich etwas mit meiner Vorliebe für feine Lauten-Musik zu tun. Der kam einfach komplett aus dem Off – und wurde für gut befunden.
Angie: Storytelling ist unser Kern. Das schafft Identifikation, sowohl untereinander als auch mit den Fans. Aus dieser Räuberbande hat sich ein starker Zusammenhalt entwickelt.

Eure Musik bewegt sich zwischen Mittelalter-Folk und Rock. War diese Richtung von Anfang an klar oder hat sich euer Sound erst gemeinsam entwickelt?
Saskia: Das Mittelalter-Thema war von Anfang an klar, aber die Musik hat sich innerhalb des ersten Jahres sehr stark verändert!
Olli: Das war auf jeden Fall eine gemeinsame Entwicklung. Da hat auch der Beitritt von Angie in die Band viel mit zu tun, die mich ermutigt hat, mehr Metal-Elemente reinzubringen. So haben wir uns von einem sehr akustischen Anfang zu einem ziemlichen Brett entwickelt.
Angie: Aufgrund unserer Hör-Präferenzen kamen viele Entwicklungen intuitiv und wir haben wohl einen Drang zum Epischen und Dramatischen.
Viele Bands im Genre setzen stark auf Tradition: Was macht LAUTENFEYN bewusst moderner oder zeitgemäßer?
Angie: Wir zielen ganz direkt auf das Thema Freiheit in jeglichem Sinne. Selbstbestimmtheit und freier Ausdruck sind der Kern unserer Philosophie. Jeder soll sein, wie er ist und findet ein Stück Zuhause in unserer Bande.
Saskia: Da muss ich gerade an viele Kommentare denken, von Leuten, die unsere Outfits nicht gut finden und meinen, das wäre mehr Goth als Mittelalter, also nicht authentisch genug. Wir sind eben nicht authentisches Mittelalter, sondern authentisch wir. Wir machen, was wir fühlen, nicht nur visuell, sondern auch musikalisch. Die Kunst fließt raus und über Tradition machen wir uns dabei ehrlich gesagt wenig Gedanken.
Mit „Das fahrende Volk“ habt ihr euren ersten Song herausgebracht. Wie zufrieden seid ihr mit den Reaktionen?
Angie: Die Reaktionen waren überwältigend und wir könnten nicht glücklicher sein, wie viel Support wir aus der Szene und von Fans bekommen haben.
Olli: Ich bin sehr zufrieden damit! Dass wir jetzt schon über 10.000 Streams auf dem Song haben!
Saskia: Beim ersten Song schon so viel Resonanz zu sehen und zu spüren, da sind jetzt schon echte Fans – das ist einfach der Wahnsinn.
Wie repräsentativ ist das Stück für den Sound, den ihr auf eurer ersten EP anstrebt?
Angie: Der Song ist perfekt als Einleitung, weil wir so unseren Spirit vorstellen.
Olli: Der spiegelt schon so Einiges wider! LAUTENFEYN ist soundmäßig so breit aufgestellt, dass es noch nicht alles widerspiegeln kann, aber unsere besondere Spezialität sind ja unsere dreistimmigen Gesänge, und die kommen bei dem Stück besonders gut zum Tragen.
Saskia: Die Songs auf dem Album sind so unterschiedlich! Mit „Das fahrende Volk“ und „Stille Weis Lieder“ haben wir schonmal die extremen Gegensätze gezeigt. Ich finde trotzdem, man merkt, dass alles aus einem Guss kommt. Ich bin gespannt, ob die Fans das auch so wahrnehmen werden.
Wie entstehen bei euch neue Songs: Kommt zuerst der Text, die Geschichte oder eher ein Riff, eine Melodie, ein Rhythmus?
Olli: Es gibt alles. Ich habe beim Komponieren so viele unterschiedliche Ansätze, da kann ich gar nicht sagen, dass es den einen oder anderen Weg gibt. Es ist immer verschieden.
Welche Rolle spielen historische Motive im Vergleich zu heutigen Themen, Emotionen oder gesellschaftlichen Fragen in euren Texten?
Olli: Ich glaube ja persönlich, dass viele Dinge, die im Mittelalter relevant waren, heute immer noch eine große Bedeutung haben. Die Menschen damals hatten ja gar nicht so andere Emotionen als wir.
Angie: Sehnsucht und Leiden, Leben und Überleben.
Olli: Die waren natürlich viel krasseren Lebensumständen und ständigen Bedrohungen ausgesetzt, aber gerade deswegen finde ich es wichtig, diese Sichtweise auf das Leben in der heutigen Zeit zu übertragen. Wir sind viel zu bequem geworden für viele Dinge, die damals selbstverständlich waren und an denen die Leute nicht zerbrochen sind.
Social Media ist für junge Bands extrem wichtig: Seht ihr Instagram & Co. eher als kreativen Spielplatz oder als notwendiges Übel im Bandalltag?
Saskia: Ich denke, da sind wir unter vielen Bands eher die Ausnahme, aber ich liebe Social Media! Ich bin neben meinem Job als Musikerin auch schon länger Social Media Managerin. Wir haben uns von Anfang an auf die Plattformen gestürzt und konnten so auch schon viel Aufmerksamkeit erregen. Ohne unsere Kanäle wären wir nicht so schnell da hingekommen, wo wir jetzt schon sind.
Angie: Social Media ist eine super Möglichkeit, unsere verdammten Räuberseelen (Fans) immer nah am Geschehen teilhaben zu lassen.
Olli: Ich muss mich natürlich immer wieder anstrengen, weil meine beiden jungen Mitstreiterinnen das so aus dem Ärmel schütteln, aber es ist ja nunmal nicht mehr wegzudenken!
Welche Art von Content funktioniert für LAUTENFEYN aktuell am besten – Musik- Snippets, Humor, Proberaum-Einblicke oder visuelle Ästhetik?
Saskia: Ich denke, dass jede der aufgezählten Arten von Content gut für uns funktioniert, auf unterschiedliche Arten. Szenen-Ästhetik und Musik-Snippets bringen uns Reichweite und neue Fans, Einblicke hinter die Kulissen stärken die Verbindung zu den Menschen, die schon da sind. Unsere humorvollen Vlogs schaffen oft beides, deshalb sind die mein absolutes Lieblings-Format.
Angie: Die Mischung macht es, unsere Authentizität ist dabei immer super wichtig.
Gab es einen Post oder ein Reel, bei dem ihr gemerkt habt: „Das hat jetzt wirklich Reichweite erzeugt“?
Saskia: Das erste Video, das richtig steil gegangen ist, war der Vlog zu unserem Springer-Gig beim MPS BÜCKEBURG. Da haben wir um die 1000 Follower durch ein Video gewonnen. Die Vlogs vorher haben auch schon gut funktioniert, aber das war das Reel, was uns in der Mittelalterszene wirklich Sichtbarkeit gegeben hat.
Angie: Und dann kam ein Lipsync-Video zu „Das fahrende Volk“, das sowohl bei Instagram als auch Facebook viral gegangen ist und unsere Followerzahlen mehr als verdoppelt hat. Super funny, weil… Hä, ich sitze nur in einem Baum!
Saskia: Manchmal funktionieren die einfachsten Ideen unerwartet gut. Probieren, probieren und probieren ist der Schlüssel.
Live-Shows haben im Folk- und Mittelalter-Rock einen hohen Stellenwert: Was ist euch auf der Bühne wichtiger – musikalische Präzision oder maximale Publikumsnähe?
Olli: Ich glaube, das ist für uns alles wichtig. Wir versuchen trotz aller Kaspereien auf der Bühne auch einen hohen musikalischen Standard hinzulegen.
Saskia: Musikalische Präzision ist uns schon wichtig, aber live verzeiht man ein paar Fehler auch mal gerne, wenn die Stimmung passt. Wenn die Verbindung spürbar ist, ist das das allerschönste Gefühl auf der Welt.
Angie: Ein Magic Moment für mich war, dass in Osnabrück abends bereits die Fans unseren Freybeuter-Gruß mitsingen konnten. Absolute Gänsehaut!
Welche Bands oder Künstler haben LAUTENFEYN geprägt, gerne auch jenseits von Mittelalter- und Folkrock?
Angie: Saskia und ich gehen super viel zusammen auf Mittelalter-Konzerte und Events. Bands, die uns soundmäßig besonders inspirieren, sind SUBWAY TO SALLY, SCHANDMAUL und STORM SEEKER.
Saskia: Ich habe eine Zeit lang klassisch Cello und Musiktheorie studiert, das macht sich natürlich auch in meinem Schreibstil bemerkbar. Ich liebe Bands, die Metal und Klassisches verbinden, wie NIGHTWISH, oder als Cellistin natürlich APOCALYPTICA! ELUVEITIE empfinde ich für mich auch sehr prägend.
Olli: Ich muss hier auf jeden Fall RAINBOW mit dem Sänger Ronnie James Dio nennen. Er hat schon in den 70er und 80er Jahren Mittelalter-Themen mit Hard Rock kombiniert. Ich habe außerdem eine große Vorliebe für Irish Folk und stehe sehr auf ALTAN oder CLANNAD.
Ihr nennt eure Fans liebevoll Räuberseelen. Wie kam es dazu? Und was kennzeichnet für euch eine typische Räuberseele?
Olli: Wir haben für diese Band die Räuber-Identität gewählt, ich fühle das auch sehr und bin damit so eins. Und natürlich sind unsere Fans für uns die Räuberseelen. Wir lieben halt Menschen, die auf ihre Unabhängigkeit und Freiheit stehen.
Angie: Der Begriff Räuberseele implementiert Freiheit sowie auch Gebundenheit zugleich. Er ist so gewählt, dass sich jede Person damit auf ihre eigene Art und Weise identifizieren kann. Inklusion ist hierbei im Fokus. Eine typische Räuberseele steht für Verbundenheit mit sich selbst und anderen. Seinen eigenen Kopf bewahren und für seine Werte einzustehen.
Ihr tourt dieses Jahr mit MYTHEMIA. Was sind für euch als „Newcomer“ eure größten Hoffnungen oder auch schlimmsten Befürchtungen für diese Tour?
Saskia: MYTHEMIA hat mich 2024 in Osnabrück als Cellistin mit auf die Bühne genommen. Ich habe dort beim Song „Phantom“ den Part von Benni Cellini (LETZTE INSTANZ) gespielt. Das hat mich motiviert zu lernen, Cello im Stehen zu spielen und ich konnte danach nie wieder zurück! Ich habe MYTHEMIA sehr ins Herz geschlossen und freue mich auf eine geile gemeinsame Zeit, mit dieser Crew kann man einfach nur Spaß haben.
Angie: Wir fürchten nichts, da wir schließlich verdammte Räuber sind. Jeder der sich
unserer Bande anschließt, ist für uns ein Gewinn.
Olli: Ich hoffe für beide Bands auf eine gute Resonanz auf dieser Tour! Wir müssen gemeinsam die Verantwortung für diese Tour tragen, heißt, wir ruhen uns nicht darauf aus, dass wir von MYTHEMIA mitgenommen werden. Wir kennen die Jungs ja und wissen, wie fleißig sie sind.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wie sehen eure nächsten großen Schritte aus: neue Releases, Festivals, eigene Konzerte oder erst einmal weiter wachsen?
Saskia: Mit „Verdammt und vergessen“ haben wir unsere erste eigene Tour, wenn die auch erstmal sehr klein ist. Alle sind im März herzlich eingeladen, nach Hannover, Celle oder Wolfenbüttel zu kommen!
Olli: Wir planen außerdem schon mehrere neue Releases.
Angie: Aber wir verraten besser noch nicht zu viel. Es bleibt durchaus spannend!
Zum Abschluss: Beschreibt LAUTENFEYN bitte in drei Worten – spontan und ohne lange zu überlegen.
Familiär, rebellisch, episch.
Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.


Danke für das tolle Interview.
Lernte die Band auch durch Social-Media kennen und lieben.