Interview mit Till Herence von Loonataraxis

 

LOONATARAXIS wurden beim Funkenflug 2006 interviewt, wo sie durch den Gewinn eines Bandcontest hingekommen sind.

Gesprochene Worte bereiten mehr Spaß und Freude als geschriebene? So klicke hier.

Ihr seid die Sieger des Bandcontests, der von Schandmaul veranstaltet wurde. Wie ist das Gefühl einen solchen Wettbewerb von 72 Bands…
Till: 72 waren das? Wusste ich bis jetzt nicht.

…gewonnen zu haben und wie ist deine Meinung zu den Konkurrenten?
Till: Meine Meinung zu den Konkurrenten? Ich muss ehrlich sagen, auch wenn das jetzt vielleicht komisch klingt, aber ich habe nicht damit gerechnet, da die anderen Bands sehr professionell waren und in dem, was sie gemacht haben, auch wahnsinnig gute Musiker. Deswegen bin ich sehr überrascht, dass wir hier heute im Zenith sitzen.

Und was glaubst du, war der Grund für euren Sieg? Dass ihr als 4. von 4 Bands gespielt habt oder etwas anderes?
Till: Das ist so, wie wenn jemand frägt: Ist eure Musik gut? Das beurteilen andere, denke ich. Aus diesem Grund kann ich nichts dazu sagen. Es hat jedenfalls Riesenspaß gemacht im Backstage, die Stimmung war hammer. Alles kam gut rüber, das könnte ein ausschlaggebender Punkt gewesen sein, da im Endeffekt das Publikum entschieden hat.

Wie ist deine Meinung zu den anderen Bands am Funkenflug heute?
Till: Da muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich alle 3 nicht besonders gut kenne. Am ehesten noch Schandmaul und die sind meiner Meinung nach eine hammer Liveband. New Model Army und Zeraphine sehe ich heute zum ersten Mal und kann mir dementsprechend noch kein Urteil bilden.

Hast du das Funkenflug in den letzten Jahren verfolgt?
Till: Auch nicht, leider. Nur dieses Jahr.

Also sagen dir die anderen Bands auch nichts, die in den letzten Jahren dort gespielt haben?
Till: Nein, ich hab ehrlich gesagt gar nichts davon mitbekommen.

Eure höchste Zuschauerzahl war bis jetzt 1000 beim „Oben Ohne“. Heute rechnet man mit ca. 2000-2500. Macht das für euch einen Unterschied oder zieht ihr das gleiche Programm wie immer durch?
Till: Ich denke, wir werden auf jeden Fall das gleiche Programm machen wie immer und uns den Arsch abrocken, um die Leute zum Tanzen zu bringen. Wie dann das Gefühl auf der Bühne sein wird, ist eine andere Frage. Ich werde mich überraschen lassen.

Eure Musik ist eine Mischung aus verschiedensten Elementen. Was ist aus deiner Sicht noch denkbar?
Till: Country. Das haben wir noch nicht gemacht und das würde uns als nächstes reizen. Außerdem sind wir in Kontakt mit einigen Gothbands gekommen und werden mehr Gothic in unserer Repertoire einbauen. Wir sagen nicht, dass wir jeden Musikstil einbauen müssen, um besonders cool zu sein. Das Ziel der Band war immer, dass wir das spielen, worauf wir Bock haben. Wir wollen nicht einen einzigen Stil und die gleiche Schiene fahren, da wir dazu auch innerhalb der Band zu verschieden sind. Es würde uns keinen Spaß keinen machen, uns auf ein New Metal Crossover oder Hardrock oder was auch immer zu beschränken. Wir wollen das spielen, was uns gerade in den Sinn kommt und uns momentan beeinflusst.

Die letztjährigen Sieger des Funkenflug-Contests kamen aus der Metalschiene, wo ihr ganz grob auch eingeordnet werden könnt. Worin siehst du die Gründe dafür, dass sich die Bands aus dem Metalbereich in diesem Contest besonders hervortun konnten? Wird damit der allgemeine Musikgeschmack im Augenblick getroffen oder hat das andere Gründe?
Till: Du meinst jetzt allgemein die Musikstimmung, die gerade in Deutschland herrscht?

Einfach warum von den Nachwuchsbands, die alle aus verschiedenen Bereichen kommen, sich in 2 Jahren jetzt die Metalbands durchgesetzt haben.
Till: Weil ich denke, dass die Zeit wieder reif ist für Metal. Es war ja eine Zeit lang verpönt mit langen Haaren und Metallica T-Shirts rumzulaufen, das waren dann gleich die Assos mehr oder weniger. Mittlerweile – und das freut mich – stehen wieder mehr dazu. Die Hip Hop Sache ist am abflauen. Nicht, dass ich Hip Hop nicht mögen würde, aber es ist wieder salonfähig geworden, Metal zu hören. Das merkt man aus meiner Sicht schon und das ist der Grund, warum sich diese Bands bei Contests mehr durchsetzen.

Wie erklärst du dir den Trend, dass der Metal wieder kommt?
Till: Es kommt darauf an, welche Bands man meint. Gruppen mit politischen Inhalten z.B., obwohl das jetzt sehr weit gegriffen ist, drücken die Aggressionen und die Energie aus, die auf Grund der hochbrisanten politischen Zeiten raus muss. Es könnte damit zusammenhängen, dass mehr Musik gebraucht wird, die einen Katharsiseffekt hat, um Aggressionen abzubauen. Dadurch kommen vielleicht wieder mehr Metalbands mit kritischen Texten zurück auf den Tisch, die vielen Leuten als Sprachrohr dienen.

Was sind deine persönlichen Erwartungen für 2007 und für Loonataraxis?
Till: Wir wollen möglichst viele Konzerte in ganz Deutschland spielen, wenn es geht. Wir haben uns vorgenommen, eine Single zu veröffentlichen, die wir allerdings erst noch aufnehmen müssen. Dann steht die Veröffentlichung von einem Album an, wobei wir noch nicht ganz genau wissen, ob wir genügend Unterstützer dafür finden und ob wir das 2007 schaffen. Das sind aber so die 3 wichtigsten Punkte für das kommende Jahr: Single, Album und möglichst viele Konzerte spielen.

Glaubt ihr, dass euch das Funkenflug mit all den Connections, die ihr neben eurem Auftritt noch knüpfen könnt, sehr viel weiter bringen wird oder könnte es auch wirkungslos verpuffen?
Till: Wirkungslos ist es glaube ich nie. Im Nachhinein werden sich Dinge für uns ergeben, das wird man sehen. Ich kann nicht viel sagen: Man wird abwarten müssen. Aber wirkungslos ist ein Gig vor 2000 Leuten niemals, außer man versemmelt ihn total. Nur selbst dann war man zumindest präsent.
Was nach dem Funkenflug passiert, sehen wir dann. Wir werden weiterhin kleine Clubs abtouren und uns den Arsch aufreißen so weit es geht. Mal schauen, was passiert.

Wenn ihr gerade keine Musik macht und nicht für Loonataraxis tätig seid, was macht ihr dann?
Till: Ich, unser Schlagzeuger und unser Gitarrist studieren noch. Unser Bassist arbeitet schon. So versuchen wir aber trotzdem unser aller Leben auf die Musik auszurichten und mit allem irgendwie in Einklang zu kommen, um möglichst viel machen zu können. Für mich wäre es natürlich ein Traum, irgendwann von der Musik zu leben. Aber den hat wohl jeder Musiker. Wir versuchen unser Bestes, sozusagen.

———-

Wie zufrieden ward ihr mit eurem Auftritt und den Publikumsreaktionen?
Mit dem Gig waren wir mehr als zufrieden, es war einfach atemberaubend. Ein Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen werden. Trotz meines kaputten Halses ging es alles erstaunlich locker über die Bühne. Beim Publikum hatte ich ja anfangs so meine Bedenken, aber die sind ja dann nach dem 2. Song auch richtig aufgetaut und es war einfach nur noch geil. Nochmals ein Dankeschön an alle, die so kräftig bei der Wall of Kuscheldeath gepogt haben, so ein Moshpit sehen wir nicht alle Tage.

Wie gefielen euch die anderen Bands?
Zeraphine ist nicht so mein Geschmack gewesen, aber trotzdem natürlich eine sehr sehr gute Band. New Model Army hat mir dann schon besser gefallen und bei Schandmaul war ich dann erst mal einfach nur baff. Also, meine Vermutung, dass sie eine saugeile Liveband sind, hat sich da bestätigt. Die Show ist einfach eindrucksvoll und ich denke, das hat man dann auch am Publikum gemerkt, dass hier die Glücksgefühle mit dem Bagger von der Bühne gekippt wurden. Wunderschöner Abend einfach.

Und wie wird sich das Funkenflug deiner Meinung nach entwickeln?
Das Funkenflug wird in Zukunft für die Münchner vielleicht wirklich so eine Art vorgezogene Silvesterparty und ich hoffe. es wird für Undergroundbands weiterhin dort die Möglichkeit geben sich einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren. Dankeschön noch einmal an die Schandmäuler für alles.

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: