Interview mit Namtar von Massemord

Ihr aktueller Release ist zwar nicht gerade taufrisch, doch erfreut „The Whore Of Hate“ noch immer wieder aufs neue das Ohr des geneigten Hörers, weshalb sich Sänger Namtar auch ein halbes Jahr nach Erscheinennoch noch die Zeit für ein Metal1-Interview nimmt.
Wie er diese dann jedoch füllt, ist wieder eine andere Sache:
Und so könnt ihr nun hier in einem misanthropie-getränkten Stil, den man sonst eher von SHINING und Konsorten zu hören bekommt, lesen, warum er keine Lust hat, besonders viel über das aktuelle Album seiner Band zu verraten, warum er die deutschen Fans und ihrer Liebe zu Nargaroth verachtet, was für ihn Black Metal im Allgemeinen bedeutet und warum er mich gerne sterben sehen würde.

Man kann es schon ahnen: Eine Menge Lesefreude ist garaniert, so man denn nicht jedes Wort des Herren allzu ernst nimmt.
Jedoch sollte an dieser Stelle angemerkt werden, dass sich hier wieder die Problematik in Black Metal-Interviews zeigt:
Verhalten sich die Musiker nett und umgänglich, kommen „Ich habs doch immer schon gesagt, das ganze böse gucken ist nur eine Farce, weil’s halt dazu gehört“-Reaktionen – verhalten bzw. antworten sie jedoch ihrem Image entsprechend, entflammen stets ausgiebige Diskussionen, ob solches überhaupt gedacht, gesagt oder gar geschrieben werden darf.
So steht man als Redakteur vor der denkbar undankbaren Wahl: Zensieren oder Kommentieren.
Da die Thesen und Aussagen, die Namtar hier verlautbart, zwar von der Metal1-Redaktion weder geteilt, noch für gut befunden werden, wir aber der Meinung sind, dass sie sich in einem Rahmen abspielen, der noch unter Meinungsfreiheit fällt, so dass eine Zensur bzw. Kürzung des Interviews nicht angebracht erschien, haben wir das Interview hier in voller Länge veröffentlicht, möchten euch aber gerne dazu einladen, im entsprechenden Thread des Forums über Inhalte des Interviews, des Black Metal oder nach Belieben auch eures sonstigen Lebens zu diskutieren.


Sers. Zuersteinmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wie geht’s soweit?
So tot wie stets.

Euer aktuelles Album, „The Whore Of Hate“, wurde nun vor ungefähr einem halben Jahr veröffentlicht. Wie sind die Kritiken bisher so ausgefallen?
Die Kritiken fallen sagen alle schlicht und einfach: Wir sind fuckin‘ cool. Die Frage ist nur, ob das zeigt, dass wirklich unser Potential beweist, weil wir den Kritiken weder glauben, noch uns um sie scheren. Im Gegensatz zu vielen Black Metal Bands, die posaunen, siewürden sich einen Scheiß für das Publikum interessieren und mit schlechtem Material daherkommen, sprechen wir durch das Feuer, das sich selbst Verteidigen wird ohne irgendwelche Werbung, Beziehungen, Promotion, posed faggot pictures oder eloquente Reviews und Interviews. Was ich sagen möchte: Unsere Musik wird immer für sich selbst kämpfen.

Seid ihr mit dem Endergebnis eurer Mühen, dem fertigen Album, gänzlich zufrieden?
Wenn wir je mit irgendetwas komplett zufrieden wären, würde das bedeuten, dass wir entweder irgendeine psychioaktive Substanz zuviel genommen haben, oder wir schlicht tot sind. Das Absolute kann nicht mit einem menschlichen Wesen in Verbindung gebracht werden, da der Mensch sein eigener Widerspruch ist.
Wir sind mit der Aufnahme zufrieden – nicht zwingend mit dem Sound, den Lyrics, Grafiken und so weiter – aber es ist auch so, dass wir es manchmal zu hören überdrüssig sind.

Die Songtitel auf sind so gewählt, dass sich die Tracklist [nahezu] als zusammenhängender Text liest. („Eerie I Shall Become [and i shall] Assoult The Nature, Rape The Presence [for to] Praise The Whoredom [and] Horrify Through Self-Destruction, Overcuming The Whore Of Hate. [And] Even If Fate Is About To Change…Eerie We Have To Be). Ich nehme nicht an, dass das ein spontaner Einfall beziehungsweise eine lustige Idee war?
Alles, was wir erschaffen hat eine besondere Bedeutung, aber ich sehe keinen Grund, irgendetwas, das sich auf den Inhalt von TWOH bezieht, zu erklären. Es ist mir auch egal, ob nun einer unsere Message versteht oder nicht. Wir predigen nicht, um verstanden zu werden. Wir wollen euch nur dazu bringen, eure Leben zu ruinieren.


Das Artwork von „The Whore Of Hate” ist ungewohnt modern, wenn man das expressionistisch anmutende Artwork mit dem vergleicht, was andere Bands des Genres traditionell auf ihre Alben packen…
Warum habt ihr euch für dieses Bild entschieden?

Glaubst du wirklich, dass das typische „Black Metal Artwork” Negativität und menschliche Degeneration darsellt? Wir ziehen es vor, den Abgrund des tiefsten Hasses abzubilden [A.d.R.: auch hier kann kaum eine Übersetzung den Spirit des Originals treffen: „We prefer to illustrate the abyss of hatred’s cunt.”]

Wie schauen die Pläne für die nahe Zukunft aus? Sind Gigs (in Deutschland) geplant?
Die allernächste Zukunft schaut so aus, dass ich heute abend Bowlen gehe, weil wir momentan darauf warten, dass unser Gitarrist gesund wird.
Ansonsten würden wir gerne an neuem Material für FURIA oder MASSEMORD arbeiten. Bezüglich Gigs muss man sehen – wir würden gerne wieder nach Deutschland kommen und ich würde sie mit Freude von der aus dafür verfuchen, dass sie wie dumme Pussys da stehen, dumm schauen und NARGAROTH hören.

Ihr habt im Sommer auf dem „Storm Of Destruction-Festival” in Ingolstadt gespielt, welches, ob seiner Verwicklungen in die NSBM-Szene, sowohl bezüglich auftretender Bands als bezüglich in diese Richtung gehender Ausschreitungen seitens des Publikums zu einem mehr als strittigen Festival wurde. Wie steht ihr zu dem Thema an sich und, konkreter, zu Bands und Fans aus dieser Szene?
Soweit ich weiß, war das SOD-Festival kein Projekt, das die NSBM-Bewegung unterstützt hat. [A.d.R.: Nach THE STONE (siehe MAY RESULT-Interview) die zweite Band, die nicht gemerkt haben will, dass hier diesbezüglich einiges im Argen lag: Neben FRANGAR, dem Nebenprojekt der mehr als einschlägigen AD HOMINEM-Musiker, sollten zumindest die diversen Symboliken, die vom Publikum genutzt wurden (Schwarze Sonnen, Patches diverser NSBM-Bands sowie einige „Ausschreitungen”) aufgefallen sein…]
Aber wen interessiert das auch? Wenn einer sagt, dass die Nazi-Bewegung falsch war und wir in perfekter Harmonie mit anderen Leuten leben sollten, wie würde das zur destructiven Message im Black Metal passen? Ich sage nicht, dass ich diese Idioten in irgendeiner Weise unterstütze, die ihr Leben irgendeiner politischen Theorie unterwerfen, weil sich das Ganze nicht von der Verblendung unterscheidet, die von allen Kirchen der Welt angeboten und verkauft wird. Auf der anderen Seite realisiere ich, dass wir in Zeiten der „Political Correctness” leben, so dass jeder zweite „Black Metal Fanatiker” denkt, er hat nichts gegen andere und wir sollten in Frieden und Harmonie zusammenleben. Fuck it. Soll es doch mehr Festivals geben, auf denen sich NSBM-Fanatiker oder anderen Mist versammeln, lasst si? sich gegenseitig töten. Tod für alle!


Einige Mitglieder von MASSEMORD sind noch in anderen Bands aktiv, beispielsweise spielen beinahe alle von euch auch bei FURIA. Hat das Einflüsse auf MASSEMORD? Wenn ihr zum Beispiel Texte oder Songs schreibt – wie entscheidet sich, für welches der Projekte das Material verwendet wird?
We throw the dice [A.d.R.: Da es mir nicht möglich schien, diesen Terminus ähnlich ausdrucksstark zu übersetzen, im Original belassen]. Verdammt, FURIA spielt komplett andere Musik (wenn auch gleichermaßen vergiftet), hat andere Texte (wenn auch der Nährboden der gleiche ist wie für MASSEMORD… aber das ist nichts neues: Ich sage immer, dass wir uns hinsichtlich der Message ständig wiederholen), eine andere Methode beim Erschaffen von Musik haben. Aber tut das etwas zur Sache?

Gibt es denn etwas Neues bezüglich FURIA?
Passend zur sterbenden Natur entstehen neue, verrottete Klänge, die wir aller Vorraussicht nach diesen Winter aufnehmen werde. Wir wissen noch nicht genau, in welcher Form, da wir viele Songs einstudiert haben und einige von diesen nicht auf dem zweiten Album zu hören sein werden. Deshalb werden wir vielleicht einige Hits in Form einer EP veröffentlichen. Das hängt alles davon ab, wieviel Schnee fallen wird. Haha.

Das MASSEMORD-Lineup ist in den acht Jahren, die die Band nun besteht, nahezu unverändert geblieben – nur ein Musiker hat in dieser Zeit die Band verlassen. Besteht eine besondere Beziehung zwischen den Leuten in der Band, oder seid ihr nur durch eure musikalischen Projekte verbunden?
Es gibt keine positiven Beziehungen zwischen uns…wir sind fuckin‘ geisteskranke Egoisten, das ist der Grund, warum wir immernoch zusammen sind. Ich kann mir keine Wechsel in den Bands/Projekten unter dem „Let The World Burn”-Banner [A.d.Ü.: Unter diesem Namen fassen die Musiker alle ihre gemeinsamen Projekte zusammen – mehr dazu später] vorstellen. Wir sind eine isolierte Gruppe, und fühlen uns sehr gut dabei.

Die polnische Extrem-Metal-Szene ist in Deutschland einerseits für Bands wie VADER oder BEHEMOTH bekannt, andererseits für ihre Probleme mit dem strengen Katholizismus des Landes (man denke bloß an das über Jahre vom Staat konfiszierte Video-Material der (unter anderem dadurch) legendären GORGOROTH-Show in Krakow, sowie Blasphemie-Klagen gegen diverse Musiker). Berichte doch mal ein wenig über die polnische Szene und wie es ist, Teil von ihr zu sein!
Unabhängig davon, auf welcher Stufe wir stehen, bleibt immer das Gefühl, dass wir mit einer Gruppe von Verlierern identifiziert werden.
Natürlich ist es eine unabänderliche Tatsache, dass wir auf eine Art die polnische Szene mitgestalten, aber ich will auch garnicht abstreiten, dass wir immer auf eine Art Aussenseiter sein werden, dass wir uns nicht um Bühnenfreundschaften scheren und so weiter… Diejenigen, die unseren Respekt und unsere Unterstützung verdienen, wissen das gewiss.
Es gibt da etwas im polnischen Metal, das schwer zu beschreiben ist. Einigen der Veröffentlichungen aus unserem Land ist dieser Mangel an innerer Ruhe eigen – im Fall von MASSEMORD, FURIA, FDS oder unseren anderen Projekten nenne ich es gerne den Hauch aus der Hölle.

Gibt es Bands aus Polen, die du unseren Lesern empfehlen würdest?
Jenden Namen, der auf der Seite www.let-the-world-burn.org auftaucht, ist es wert, beachtet zu werden.


Welche Bands würdest du als als Einfluss auf deine musikalische Entwicklung, beziehungsweise auf die Musik von MASSEMORD nennen?
Es gab einige Bands, aber später stellte sich heraus, dass die große Mehrheit von ihnen bloß Schwuchteln und Vollidioten sind, Leute, die nichts zu tun haben, und aus ihrer Langeweile angefangen haben, Musik zu machen, um zu provozieren, oder nur zum Spaß.Also haben wir beschlossen, den Teufel wo anders zu suchen – weshalb wir heute vom Krach, den ein paar landwirtschaftliche Maschinen machen, weitaus mehr fasziniert sind, als von ähnlich klingendem Mist von Leuten, die im Wald mit irgendwelchen Äxten herumlaufen.

Was bedeutet „Black Metal” für dich?
Ich beschränke mein Weltbild nicht auf einen Grad, auf dem ich das auf irgendeine Art definieren könnte. Diese beiden Worte sind bloß Synonyme für ein paar Ideen,die in meinem Kopf verbunden sind und mich als Individuum definieren. Ich bin sowohl Black Metal als auch Anti-Black Metal, deshalb sehe ich keinen Grund hier irgendetwas zu präzisieren. Unter anderem bedeutet Black Metal, dass ich mir wünsche, du würdest sterben und deshalb eben diesen erschaffe, um dich genau dazu zu bewegen.

Wie auch immer… nun die letzte, wichtige Frage meinerseits: Gibt es bereits pläne für ein neues Album?
Pläne gab es nie, aber das Album wird trotzdem erscheinen.


Vielen Dank für die interessanten Antworten auf meine Fragen! Am Ende nun noch das traditionelle Metal1-Brainstorming. Ich nenne einen Begriff, und du schreibst auf, was dir dazu zuerst in den Sinn kommt:

Religion?
Dazu gibt es nichts angemessenes zu schreiben. Auch die beste Religion ist eine Caprice.

RAMMSTEIN?
Wir gratulieren den Deutschen zu RAMMSTEIN.

Internet?
Gute, inspirierende wissenschaftliche Quelle über menschliche Pathologien.

[A.d.R.: Die nächsten beiden Antworten sind dermaßen kryptisch, dass die Übersetzung unter Vorbehalt ein zaghafter Versuch ist, den Inhalt richtig zu deuten. Das englische Original findet sich dahinter in Klammern]
Corpsepaint?
IMMORTAL. Ich werde nie vergessen, wie sie sich diese Bemahlung selbst ins Gesicht schmieren, bevor sie in den Krieg ziehen – Jetzt weiß ich, warum Norweger so selten an militärischen Konfliken beteiligt sind.
[E. Org.: Immortal. I will never forget them pressing, that painting themselves they go for the war. Now I can see, why Norwegians are so rarely participating in military conflicts.]

Mick Jagger?
Hatte, als er jung war, definitiv zu viele Glühbirnen im Mund.
[Being young, he’s but too many light-bulbs in his mouth]