Interview mit Stefan von Miami Cyber Nights

Dem Motto „Celebrate New Retro Wave“ hat sich das Eventmanagement-, Booking- und DJ-Team von MIAMI CYBER NIGHTS vollends verschrieben. Neben ihren Synthwave-Parties und Retrobörsen macht das Projekt das Rhein-Main-Gebiet besonders mit Konzerten von Danger, Timecop1983, Magic Sword, Lazerpunk oder Dan Terminus unsicher.

Im Rahmen unseres Retrowave-Specials haben wir nun mit MIAMI-CYBER-NIGHTS-Gründer Stefan über den Grundstein des Retrowaves gesprochen, über die Affinität von Metalern für das Genre und über die beliebtesten Kleidungsstücke auf seinen Parties.

Welche nationalen Künstlern unbedingt mehr Beachtung geschenkt werden sollte und wo die coolsten internationalen Synthwave-Events steigen, erfahrt ihr im folgenden Interview. 

miami cyber nights

Als Gründer von MIAMI CYBER NIGHTS hast du der Synthwave-Szene in Deutschland einen Raum zum Wachsen gegeben. Zu welchem Zeitpunkt in deinem Leben kam dir der Gedanke, MIAMI CYBER NIGHTS gründen zu wollen?
Ich war schon immer ein Fan davon, Musikrichtungen, die mich begeistern, eine Plattform zu geben. Für mich war es also nur eine natürliche Entscheidung, als ich 2013 das erste mal von Synthwave hörte und ein großer Fan wurde, auch selbst die Szene aktiv mitzugestalten.

miami cyber nights5Auf der Homepage wird das Projekt als Eventmanagement-, Booking- und DJ-Team bezeichnet. Wer unterstützt dich in welcher Art und Weise bei MIAMI CYBER NIGHTS?
Im Prinzip stecken hinter MIAMI CYBER NIGHTS hauptsächlich zwei Leute – meine Freundin und ich. Wir kümmern uns um die Planung, Organisation und Durchführung der Events. Eine große Unterstützung dabei sind natürlich die Goldene Krone, die als unsere Location zu 100 Prozent hinter uns steht und ohne die MIAMI CYBER NIGHTS in dieser Form nicht machbar wäre. Außerdem unterstützt uns unser LJ, der mich schon seit Jahrzehnten bei meinen Veranstaltungen begleitet und dafür sorgt, dass die Shows auch visuell immer auf höchstem Niveau sind.

Desweiteren haben sich über die Zeit auch eine Reihe von Leuten gefunden, die uns sehr regelmäßig bei Events und anderem unterstützen. Jemand, der uns sowohl vor Ort immer tatkräftig bei Veranstaltungen unterstützt und auch des öfteren Beiträge in unserem Blog verfasst, sowie andere, die regelmäßig tatkräftig bei Aufbau, Merch Verkauf, etc. mitwirken. Am Ende gilt eben doch das Sprichwort: It takes a village…

Was veranstaltet ihr im Rahmen der MIAMI CYBER NIGHTS? Konzerte, Festivals, und/ oder Indoor-Events?
Eigentlich ist es irgendwo alles davon. Wir veranstalten Indoor-Konzerte mit meist drei bis vier Künstlern, achten aber auch immer auf ein entsprechendes Rahmenprogramm. Auf lange Sicht sind ca. drei Veranstaltungen pro Jahr geplant. Wenn wir z.B. Anfragen für eine Tour bekommen, kann es natürlich auch mal mehr werden.

Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf der Musik. Wir sind aber der festen Überzeugung, das gute Musik auch den richtigen Rahmen braucht, um  optimal zu wirken. Deshalb legen wir auch viel Wert auf passende Deko und ein angemessenes Rahmenprogramm. Für letzteres wurden wir in der Vergangenheit schon des Öfteren von tollen Partnern unterstützt, z.B. mit Arcade-Automaten von Flipper und Arcade-Museum Seligenstadt oder Retro-Konsolen vom Digital-Retro-Park in Frankfurt, auch einem tollen Museum – beides sei euch wärmstens ans Herz gelegt!

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Wie viele Live Acts habt ihr mit MIAMI CYBER NIGHTS bisher auf eure Bühnen gebracht? Welche Konzerte habt ihr bspw. 2019 veranstaltet?
Mittlerweile sind hier schon einige zusammengekommen, u.a. Absolute Valentine, Robert Parker, Dance With The Dead, Powernerd, Synthatiger, Daniel Deluxe, Futurecop, VHS Dreams, Mighty Glen und Morgan Willis. 2019 war bisher unser aktivstes Jahr mit sechs Veranstaltungen. Hier haben wir Konzerte mit Danger, Sung, Nina, Timecop1983, Dana Jean Phoenix, Final DJs, Italoconnection, Raphael Krickow von den Disco Boys mit einem exklusiven Disco-Synth Set, Magic Sword, Powernerd, Zero Call, Jeremiah Kane, Lazerpunk, Neoslave, Carbon Killer, Dan Terminus und IRQ7.

Wäre es aufgrund von Corona nicht ins Wasser gefallen, hätten wir inzwischen auch unsere bisher größte Veranstaltung gehabt; unsere Cyberpunk Night mit DJ Hyper, Megahit, Midnight Danger, Oscillian und Neon Nox – diese bekommt nun einen Nachholtermin.

Was sind deine Zukunftspläne mit MIAMI CYBER NIGHTS? Wie soll das Konzept in fünf Jahren aussehen und welchen Künstlern möchtest du gerne in Zukunft noch zusammenarbeiten?
Ehrlicherweise haben wir uns darum noch nicht so viele Gedanken gemacht. Wir machen es weiter so lange wie es uns Spaß macht, und das Event wird sich vermutlich organisch mit uns, unseren Besuchern und der Szene weiterentwickeln. Wir möchten uns hier auch gar nicht allzu sehr festlegen.

Es gibt noch eine ganze Reihe von Künstlern, mit denen wir gerne zusammenarbeiten würden. Ein echtes Highlight wären sicher Mitch Murder oder Powerglove!

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Was ist deine frühste Erinnerung an das Genre? Wie bist du auf Retrowave gestoßen?
Ich war schon immer großer Fan von Synthesizer-Musik, wie z.B. Vangelis, Jean Michel Jarre, usw. Auf Retrovawe bin ich bewusst durch „Far Cry Blood Dragon“ mit seinem fantastischen Score von Powerglove aufmerksam geworden.

Welche Band war die erste, deren Alben du in Dauerrotation hast laufen lassen? Was hat dich so an dem Album begeistert?
Das war vermutlich „Parallel Lives“ von Meteor, weil es so klang, als käme es einfach direkt vom „Top Gun“-Soundtrack. Da für mich nichts über Giorgio Moroder geht, hat das nachhaltig Eindruck hinterlassen.

Welcher Künstler/ welche Band hat dich nachhaltig beeinflusst und warum?
Am meisten vermutlich Danger. Am Anfang konnte ich nichts mit seiner Musik anfangen – es ist ein Künstler, mit dem man sich etwas auseinandersetzen muss. Es gibt da draußen einfach nichts vergleichbares. Die Art, wie er an elektronische Musik herangeht, ist faszinierend – es erinnert mehr an einen Soundtrack, aber ist trotzdem unglaublich clubtauglich.

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Welche Bands/ Projekte haben deiner Meinung nach den Grundstein für Retrowave gelegt? Viele sehen im French House das Geburtsgenre des Synthwave und in verschiedenen Film- und Videospielsoundtracks den Geburtsort.
Im Prinzip sind das schon die richtigen Ureinflüsse des Synthwave. Lifelike hat mit „So Electric“ schon French Electro/ Nu Disco mit ausgedehnten Synthesizer-Flächen verbunden und so einen starken Einfluss auf die Entwicklung von Retrowave gehabt. Das Genre in seiner heutigen Form wurde vornehmlich von Mitch Murder geprägt, der bereits 2009 sein Debüt veröffentlichte und bis heute als einer der Ausnahmekünstler das Genre mitgestaltet.

Der Schritt in die größere Popularität wurde dann maßgeblich von Kavinsky, Miami Nights 1984 und Daft Punk getragen. Gunship hat schließlich die Popstruktur im Synthwave verankert und die Musik so deutlich zugänglicher gemacht.

Wann hat deiner Meinung nach die Retrowave-Szene in Deutschland richtig Schwung aufgenommen? Hatte „Stranger Things“ nun seine Hände im Spiel oder nicht?
Definitiv nicht. Da war sie Szene fast schon über ihren Höhepunkt hinaus, und die meisten Leute, die den Soundtrack von „Stranger Things“ mochten, waren sich ja gar nicht bewusst, welche Art von Musik das ist. Ich glaube eher, dass es ein schleichender Prozess war, in dem Einflüsse aus dem Gaming-Bereich, wie „Farcry Blood Dragon“ und „Hotline Miami“, und aus dem Film, z.B. durch „Drive“ und „Tron Legacy“, zusammenkamen.

Der Film „Kung Fury“ hat dem Ganzen dann den finalen Schubs Richtung Mainstream gegeben. Das merkt man schon daran, das die meistgetragenen Accessoires bei uns (nach Neonbrillen) die Skorpion-College-Jacke und das rote Bandana sind. (lacht)

Retrowave- und Metal-Fan zu sein, schließt sich nicht aus. Mit Perturbator und Gost haben sich Synth-Künstler zu Publikumslieblingen auf Metalfestivals wie Roadburn und Brutal Assault etabliert. Was denkst du, wodurch hat es der Retrowave geschafft, selbst beinharten Metal-Fans so zu gefallen?
Da gibt es glaube ich mehrere Faktoren. Synthwave zieht ja immer sehr viel Inspiration aus der Musik der 80er, was ja ein Jahrzehnt war, das auch den Metal deutlich geprägt hat. Man teilt sich also durchaus ähnliche Einflüsse und Wurzeln. Das merkt man vor allem auch an Bands wie Carpenter Brut, die ja mittlerweile auch zu Festival-Lieblingen avanciert sind.

Darüber hinaus findet man durchaus auch direkte Metal Einflüsse im Synthwave. Gerade Perturbator kommt ja ursprünglich aus dem Black Metal und er ist nicht der einzige, der eine Metal-Vergangenheit hat. Diese Künstler machen Synthwave, wie ein Metaler eben Synthwave machen würde. Einige Perturbator-Songs klingen bis heute stark nach einem Black-Metal-Interlude und könnten mit ein bisschen Orchester, mehr Gitarren und Gesang auch von Dimmu Borgir stammen. Die Inszenierung und Songstruktur von Magic Sword ist auch stark von großen Metal-Opern geprägt.

Zu guter Letzt gibt es inzwischen auch viele Bands, die durch starken Gitarrenansatz gezielt Synthwave und Metal-/ Rock-Elemente verbinden und so den Einstieg sehr erleichtern. Hier sei beispielsweise Dance With The Dead, Magic Sword, Powernerd, Meteor, Hollywood Burns, Carbon Killer, Volkor X, Jeremiah Kane und eben auch Carpenter Brut erwähnt.

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Welche Retrowave-Events außerhalb Deutschlands hast du schon besucht und kannst du weiterempfehlen?
Die Outland Synth Events in London sind sehr zu empfehlen, vor allem wenn man nach einer guten musikalischen Mischung und top Nischenkünstlern sucht.

Die Night Arcade in Amsterdam ist vor allem zu empfehlen, wenn man auch mit Nu-Disco und French-Electro etwas anfangen kann. Hier gibt es zudem auch immer eine tolle Auswahl an Arcade-Automaten, wie der Name schon vermuten lässt.

Zudem möchten wir noch die Stranger Synths in Budapest erwähnen, die Synthwave mit original 80s verbindet und auch immer ein tolles Lineup hat. Zudem ist der Veranstalter auch selbst ein herausragender Synthwave-Künstler.

NewRetroWave Records scheint das größte und vorallem das Label der ersten Stunde zu sein. Hast du dessen Anfänge miterlebt?
Tatsächlich ist NewRetroWave im Vergleich noch gar nicht so lange dabei. Labels wie Rosso Corsa Records und Aphasia Records und diverse Kleinlabels begleiten die Szene schon deutlich länger. Tatsächlich hat NewRetroWave aber angefangen, den Genrebegriff Retrowave ein wenig inflationär auf alles aufzudrücken, was es gefunden und publiziert hat. Dadurch, dass sie schon seit jeher wirklich starke und professionelle Marketingarbeit leisten, konnte man fast gar nicht anders als ziemlich früh darauf aufmerksam zu werden.

Interessanterweise finden sich auch zunehmend ähnliche Labels, die sich groß inszenieren und viel Öffentlichkeitsarbeit betreiben, allen voran Fixt Neon, das von Clayton von Scandroid, aka Celldweller aka Circle Of Dust ins Leben gerufen wurde. Zum einen sind diese Labels leider oft sehr gleich in ihrer Künstlerauswahl, aber beide haben durchaus echte Perlen dabei und pushen natürlich auch ordentlich die Popularität des Genres.

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Welche Künstler/ Bands aus Deutschland möchtest du empfehlen?
Auf Platz 1 (wenn auch eigentlich aus Österreich) sind eindeutig Powernerd. Wer schon immer mal wissen wollte wie ein Crossover zwischen Metal und Synthwave klingen kann, ist hier an der richtigen Stelle. Besonders die Liveshows von Powernerd sind zudem ein Erlebnis ohnegleichen. Danach kommen Synthatiger aus Wolfsburg. Auch hier wird einem eine fantastische Liveshow geboten und auch auf Platte versprühen die Jungs eine unglaubliche Energie.

Mighty Glen aus Halle hat einen etwas düsteren, cyberpunkigen Sound, der auch zu überzeugen weiß. Siamese Youth aus Berlin sind auch fantastisch, vor allem wenn man auf entspannten, poppigeren Synthwave steht. Zu guter Letzt wollen wir L.A. Streethawk aus Bochum nicht unerwähnt lassen. Hier bewegen wir uns auch eher im klassischen Synthwave. Sehr entspannt und verträumt, perfekt für laue Sommerabende.

Die letzten Worte gehören dir – gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Nehmt euch einfach einmal ein bisschen Zeit und setzt euch mit dem Genre auseinander. Es gibt enorm viele Facetten, die es wirklich wert sind, entdeckt zu werden. Es ist schwierig, das Ganze in Schubladen zu stecken, also am besten erst gar nicht versuchen – das mindert doch auch den Spaß.

Es gibt enorm viele Perlen und Ausnahmekünstler, also versucht, euch durch den generischen Brei durchzukämpfen und auch mal so etwas zu entdecken. Kauft die Musik der Künstler über Bandcamp und Co., denn sie sind wirklich darauf angewiesen. Oft kann man hier sogar selbst entscheiden, was man bezahlen möchte.

Und zu guter Letzt natürlich: Besucht doch mal unsere Events! Und die von unseren Kollegen von Neon Eclipse in Marburg und Neon Paradise in Köln! Da gibt es auch einiges zu entdecken!


>> Zum Retrowave-Special

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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