Interview mit Örnatorpet

Read the English version

Dungeon Synth ist ein Genre, das nie so recht in den Fokus des Mainstream gerückt ist und daher auch kaum führende, bis heute relevante Interpreten hervorgebracht hat. Umso schwieriger ist es, sich im Underground zurechtzufinden und dabei die Veröffentlichungen zu entdecken, die es wert sind, gehört zu werden. ÖRNATORPET hat mit „Hymner Från Snökulla“ ein solches Album herausgebracht. Warum nichts über die Person hinter der Ein-Mann-Band bekannt ist, wie der schwedische Solomusiker in so kurzer Zeit so viele Alben kreieren konnte und aus welchem Grund sich Dungeon Synth als Spielwiese für Einsteiger anbietet, erfahrt ihr im folgenden Interview.

Ich grüße dich! Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Wie fühlst du dich?
Hallo, und vielen Dank! Mit gehts ganz gut, dies ist das erste Mal, dass ich interviewt werde, also kann ich natürlich etwas Zeit dafür aufwenden.

Mit ÖRNATORPET kreierst du in erster Linie Dungeon Synth. Ist es dein einziges Musikprojekt oder hast du auch in anderen Genres bereits Erfahrungen gesammelt?
Es ist nicht mein einziges Projekt, aber es ist jenes, dem ich 90% meiner Aufmerksamkeit schenke, und jenes, das am erfolgreichsten und der Community bekannt ist. Ich habe etwa vier weitere Projekte, in denen ich verschiedene Stile des Dungeon Synths ausprobiere, aber ich hatte absolut keine Erfahrung in anderen Genres, oder im Erstellen oder Spielen von Musik überhaupt, bevor ich vor etwa einem Jahr mein erstes Album veröffentlichte.

Was war der Auslöser, der dich zu der Entscheidung gebracht hat, selbst Musik zu kreieren?
Ich bin mir nicht ganz sicher, um ehrlich zu sein. Es begann irgendwann im Dezember 2017. Ich glaube, ich fand immer mehr Dungeon Synth online und langsam öffnete sich mir eine ganze Welt, aus der ich zuvor gerade mal Burzum gehört hatte, und jeden Tag entdeckte ich neue Alben dieses Stils. Ich meldete mich auf dem DS Discord Server an, trat einer Facebook-Gruppe bei und fand heraus, dass jeden Tag völlig normale Leute ihre selbstgemachte Musik auf Kassette veröffentlichen, und ich dachte mir: „Das würde ich auch gerne tun“.
Ich wusste, dass ich immer eine Art Fähigkeit gehabt hatte, mich leicht mit Melodien zu spielen, Lieder auf dem Klavier meiner Schwester zu spielen, gleich zu hören, was gut klingt usw., ohne jemals Musiktheorie studiert zu haben, also beschloss ich einfach, einen kleinen Midi-Controller und etwas Software zu kaufen und zu experimentieren!

Dungeon Synth hat es nie wirklich bis in den Mainstream geschafft, sondern spielt sich weitgehend im Underground ab. Woran, denkst du, liegt das?
Ich schätze, es ist einfach nicht so ansprechend für die meisten Leute, und wahrscheinlich auch, weil man kaum etwas davon findet, wenn man es nicht finden will. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, man muss eine gewisse Art von Person sein, um regelmäßig ganze Alben mit diesem Zeug hören zu wollen, aber ich sage absolut nicht, dass das schlecht ist.

Da Dungeon Synth ein recht „kleines“ Genre ist, gibt es nur wenige Projekte, die die Stilrichtung „anführen“. Wer sind denn so deine musikalischen Vorbilder?
Ich weiß nichts über führende Vorbilder, aber wenn wir über zeitgenössische Künstler sprechen, würde ich sagen, dass ich die bewundere, die ich am meisten höre, das sind Fief, Vindkaldr und Fåntratt. Wenn wir von älteren sprechen, dann wären es auf jeden Fall Lunar Womb und Wongraven.

Im Internet findet man nur wenig Informationen zu ÖRNATORPET und noch weniger zu dir. Hältst du dich bewusst bedeckt und falls ja, gibt es dafür einen bestimmten Grund?
Das tue ich tatsächlich, aus dem einfachen Grund, weil ich nicht „berühmt“ sein will (ich weiß, dass Dungeon Synth ohnehin niemanden berühmt macht), mir ist das so einfach am Liebsten. Am Anfang, als ich mein erstes und mein zweites Album machte, habe ich sie direkt von meinem Privatkonto aus in der Facebook-Gruppe gepostet, aber später hatte ich das Gefühl, als würde ich zu viel Aufmerksamkeit erregen, und Leute außerhalb der Community begannen, zu fragen und darauf zu reagieren, was mich einfach nicht interessierte. Darüber mit Leuten zu sprechen, die sich nicht für das Genre interessieren, reizt mich nicht, also habe ich ein neues anonymes Konto eingerichtet, von dem aus ich stattdessen musikbezogene Dinge poste.

Du hast seit 2018 schon mehrere Alben veröffentlicht. Wie schaffst du es, in so kurzer Zeit einen solchen Output zustandezubringen?
Ich hatte in der ersten Jahreshälfte 2018 viel, viel Freizeit. Ich glaube, ich habe insgesamt elf Alben gemacht, wenn man alle Nebenprojekte miteinbezieht. Und ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, weil ich nicht weiß, wie andere Leute arbeiten, aber ich habe das Gefühl, dass ich von Zeit zu Zeit extrem schnell und sehr kreativ sein kann, wenn ich mich einfach hinsetze und anfange, Musik zu machen. Das und auch die Tatsache, dass ich mit diesen Dingen sehr ungeduldig bin und es nie erwarten kann, etwas Neues zu veröffentlichen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich genug Material gesammelt habe. Meine zweite Veröffentlichung „Vid Ett Berg Uti En Dal“ wurde in zwei Tagen geschrieben, produziert und gemastert.

Planst du, auch weiterhin so schnell neue Alben herauszubringen, oder wirst du dir in Zukunft mehr Zeit lassen?
Wahrscheinlich hätte ich das weiterhin so gehandhabt, aber da ich jetzt bei Nordvis Produktion bin, muss ich noch einige Zeit warten, da ihr Veröffentlichungszeitplan ziemlich voll ist. Aber das könnte eine gute Sache für mich sein, wenn ich über einen längeren Zeitraum auf meinen Tracks sitzen bleiben und sie durchdenken und überprüfen kann, um zu sehen, ob ich etwas ändern möchte, ob man etwas besser machen kann usw. Es wird also eine Herausforderung für mich sein, aber ich denke wirklich, dass es sich lohnen wird.

Würdest du sagen, dass es einfacher ist, instrumentale Keyboard-Nummern zu kreieren als Songs mit Gesang und unterschiedlichen Instrumenten?
Ich denke definitiv, dass es einfacher sein KANN, aber nicht unbedingt. Ich habe das Gefühl, dass dieses Genre sehr nachsichtig und verständnisvoll ist, dass viele der musizierenden Künstler keine besondere musikalische Ausbildung oder Wissen haben. Das ist einer der Gründe, warum ich anfing, auch Dungeon Synth zu machen. Weil ich das Gefühl hatte, dass es der beste Platz wäre, um loszulegen, es fühlte sich einfach leicht an. Aber natürlich hängt es davon ab, welche Art von Dungeon Synth man macht. Ich meine, ich denke nicht, dass jemand sagen würde, dass das, was zum Beispiel Thangorodrim oder Murgrind machen, einfach ist.

Dein aktuelles Album „Hymner Från Snökulla“ unterscheidet sich in seinem Klang und seinem Artwork deutlich von deinen anderen Veröffentlichungen. Wie kam es zu dieser neuen Herangehensweise?
Ich hab da nicht viel drüber nachgedacht, ich wollte nur ein wirklich kaltes, winterliches Album für die Jahreszeit machen und das ist dabei herausgekommen. Am Anfang dachte ich darüber nach, für das Album ein fantastisches Gemälde von Theodor Kittelsen zu verwenden, das eine einsame, schneebedeckte Kiefer in einem verschneiten Feld mit blauem Himmel dahinter zeigt, aber später wurde mir klar, dass die Songs, die ich gemacht hatte, etwas zu „neumodisch“ oder Hi-Fi klangen, als dass diese Art von Kunstwerk dazu gepasst hätte. Stattdessen benutzte ich eines meiner eigenen Fotos, die ich während eines meiner vielen Winterwaldspaziergänge gemacht hatte.

Kannst du uns etwas über das Gesamtkonzept von „Hymner Från Snökulla“ erzählen?
Es gibt kein großartiges Konzept, es ist nur eine Hommage an die fantastischen Winter und Landschaften, die wir hier oben im Norden haben, und ich wollte irgendwie einen Soundtrack für diese Jahreszeit machen. Die meisten der Songtitel sind aus traditionellen schwedischen Volksgedichten entnommen, die bei uns oft zu Weihnachten gelesen werden.

Auf dem Album gibt es zwei zweiteilige Tracks. Sind sie nur aufgrund ihrer ähnlichen Kompositionen miteinander verbunden oder gibt es noch einen Grund, aus dem sie zusammengehören?
Ja, sie sind sich in ihren Kompositionen tatsächlich sehr ähnlich. Ich habe dafür keine wirklich gute Antwort, vielleicht einfach mangelnde Inspiration! (lacht)

Welche deiner Kompositionen ist deiner Meinung nach deine bisher gelungenste?
Ah, das ist eine wirklich schwere Frage. Fast zu schwierig, aber ich schätze, ich bin besonders stolz auf „Älvorna Dansa Över Isen“ von meinem neuesten Album.

Ich habe den Eindruck, dass die Platte die meiste Zeit über recht meditativ klingt, im späteren Verlauf hingegen etwas lebhafter wird. Hat das einen bestimmten Grund?
Ich denke, ich wollte nur, dass das Album auch ein bisschen „Action“ hat, und der Grund, warum sie so weit hinten auf der Trackliste landete, ist, dass ich diese Vision hatte, dass die vorherigen Tracks irgendwie verbunden waren und in narrativer und klanglicher Hinsicht zusammenhingen, also hätte ich die Tracks wirklich nicht anders anordnen können.

Anstatt ein altes Gemälde oder ein eigens kreiertes Artwork zu verwenden, ist auf dem Cover, wie bereits erwähnt, lediglich ein Foto von schneebedeckten Bäumen zu sehen. Was war der Gedanke dahinter?
Es ist ein Foto, das ich selbst gemacht habe, es wurde in dem Wald aufgenommen, an den der Name „Örnatorpet“ angelehnt ist, einem Wald, in dem ich jeden Tag herumlaufe und von dem ich viele meiner Inspirationen beziehe. Als ich entschied, dass ich dieses Kittelsen-Gemälde nicht verwenden würde (ich glaube, es hieß „The Christmas Tree“), entschied ich mich, dass dies die beste Wahl für dieses Album war. (Fun Fact: Das Cover für „Bergtagen“ ist auch ein Foto, das ich in demselben Wald gemacht habe, nur dass dieses etwas mehr bearbeitet wurde!)

Im Gegensatz zu deinen anderen Alben, die du in Eigenregie veröffentlicht hast, erschien „Hymner Från Snökulla“ über Nordvis. Was hat dich dazu bewogen, diesmal die Hilfe eines Labels in Anspruch zu nehmen, und wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Nun, ich hatte schon immer davon geträumt, mit einem schwedischen Label zusammenzuarbeiten und ich war ein Fan von dem, was Nordvis herausgebracht hat, und ich dachte, dass dieses neue Album nicht wirklich den Sound hat, der für eine Veröffentlichung auf Tape geeignet ist, weshalb Nordvis eine gute Wahl war. Also schrieb ich ihnen einfach eine E-Mail mit einem Preview auf das unveröffentlichte Album und wir einigten uns sehr schnell.
Der zweite Grund ist, dass ich damals wegen eines Studiums in Italien lebte und keine Zeit oder Möglichkeit mehr hatte, Sachen in physischem Format selbstständig zu veröffentlichen, weshalb ich mich sofort an ein Label wandte. Das Album war bereits fertig, bevor ich im September dorthin zog. Ich habe die ganze Zeit über keinen einzigen Track geschrieben, aber jetzt, da ich wieder zu Hause bin, bin ich wieder dabei, Musik zu machen und ich kann es kaum erwarten, mein neues Zeug zu präsentieren, aber wie gesagt, es wird einige Zeit dauern, bis das passiert!

Denkst du, dass du deinen winterlichen Stil auch auf kommenden Releases beibehalten wirst oder könnte es wieder einen Richtungswechsel geben?
Nein, es wird sicher anders sein. Ich habe bereits einige Tracks fertiggestellt, und ich kann sagen, dass diese eher dem traditionellen Dungeon Synth entsprechen werden, aber natürlich immer noch auf meine persönliche Weise! Es wird, wenn du mich fragst, das Beste sein, was ich bisher geschaffen habe.

Bei Metal1.info beenden wir unsere Interviews für gewöhnlich mit einem kurzen Brainstorming. Was ist dein erster Gedanke bei den folgenden Begriffen?
Gesang: Nett, aber niemals notwendig.
Sommer: Schöne Natur
Black Metal: Liebe ich, besonders symphonischen.
Geschichte: Interessant, kann aber auch langweilig sein.
Hintergrundmusik: Klavier
J.R.R. Tolkien: Mochte die Filme, hab die Bücher nie gelesen. Ich bin eher der Harry-Potter-Typ (bitte killt mich jetzt nicht).

Zum Abschluss nochmals vielen Dank für dieses Interview. Die letzten Worte würde ich gern dir überlassen:
Vielen Dank, dass du mir die Möglichkeit für dieses Interview gegeben hast!

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: