Interview mit Ralf Scheepers von Primal Fear

PRIMAL FEAR sind mit Sicherheit eine der am härtesten arbeitenden Metal-Bands Deutschlands, wenn nicht gar des Planeten. Seit 1997 aktiv, sind die Esslinger schon mehr als 20 Jahren im Geschäft und haben in dieser Zeit nie mehr als drei Jahre zwischen ihren Alben verstreichen lassen. Entsprechend erscheint auch gerade mal zwei Jahre nach ihrer letzten Platte „Apocalypse“ mit „Metal Commando“ schon der nächste Streich der Truppe. Das alleine wäre schon Grund genug, sich mal wieder mit Sänger Ralf Scheepers zu unterhalten. Hinzu kommt aber noch, dass PRIMAL FEAR nach über zehn Jahren wieder zum Donzdorfer Label-Riesen Nuclear Blast zurückgekehrt sind – der Plattenschmiede, die sei einst groß gemacht hat.
Das Logo der Band Primal Feear

Hallo Ralf und vielen Dank für dieses Interview! In diesen Zeiten eine wichtige Frage: Geht es dir und deiner Familie gut?
Ich habe zu danken! Ja, uns geht es gut, ich hoffe euch auch.

Es ist zwei Jahre her, dass PRIMAL FEAR mit „Apocalypse“ ihr aktuellstes Album veröffentlicht haben. Was hat sich seither bei euch getan?
Wir waren sehr viel unterwegs und haben viel live gespielt. Vor einem Jahr haben wir dann angefangen, Material zu sammeln und letztendlich das neue Album aufgenommen. Es ist immer ein Wechsel zwischen Tour- und Festival-Konzerten, dem Schreiben von neuer Musik und Studioaufenthalten.

Das Cover von "Apocalypse" von Primal FearZwischen zwei PRIMAL-FEAR-Alben liegen nie mehr als drei Jahre – damit habt ihr eine ziemlich hohe Frequenz bei der Veröffentlichung neuer Platten. Setzt euch das unter Zugzwang?
Das Gute ist ja, das es in der Band fünf Leute gibt, die alle Musik schreiben (lacht). Wenn jeder schreibt, hat man auch viele Ideen und so kommt immer eine Menge Material zusammen, aus der wir auswählen können. Vor einem neuen Album existiert ein ganzer Pool an Songs – eigentlich sogar zu viele Songs – aus denen wir wählen. Das wird in der Band demokratisch entschieden. Ich finde das deutlich angenehmer als wenn niemand Ideen hat, denn dann kann man bestimmt nicht alle zwei Jahre eine neue Scheibe machen.

Gitarrist Magnus Karlsson war zuletzt nicht in euren Videos zu sehen. Ist er noch in der Band?
Magnus ist noch in der Band, ja. Zuletzt hatte er wegen COVID-19 aber Schwierigkeiten, für Videodrehs nach Deutschland zu kommen. Und er ist auch kein Tour-Gitarrist von PRIMAL FEAR mehr, weil seine familiären Verpflichtungen ihn zuhause halten.

Ihr seid unlängst zu eurer langjährigen Plattenfirma Nuclear Blast zurückgekehrt – mitten in einer größeren Umstrukturierung des Labels. Macht sich das für euch bemerkbar?
Das haben wir natürlich schon mitbekommen, allerdings wirkt es sich nicht auf unsere Zusammenarbeit mit Nuclear Blast aus. Einer der Gründe, warum wir zum Label zurückgekehrt sind, ist, dass wir mit demselben Team wie damals zusammenarbeiten können. Unabhängig von der Branche, in der man arbeitet, schadet es nicht, wenn man hin und wieder sein Team auswechselt. Das haben wir jetzt mal wieder getan, nachdem wir zuletzt vor zehn Jahren zu Frontiers Music gewechselt waren. Wir haben einfach wieder ein gutes Gefühl damit und das Team arbeitet auch wirklich gut für uns. Im Hinblick auf Marketing und Packaging kann das ja auch schon jeder sehen: Das neue Album erscheint auf Vinyl und als Digibox und wir machen auch im Hinblick auf das Merchandising wirklich viel für die Fans. Ein Vorteil ist auch, dass die Leute bei Nuclear Blast auch gar nicht weit weg von uns wohnen und mit der Zeit zu Freunden geworden sind. Bei einer halben Stunde Fahrzeit sind die Wege kurz und man kann auch mal eben etwas direkt im Büro bequatschen – das ist natürlich vorteilhafter, als mit Italien zu verhandeln.

Das Cover des Primal-Fear-Albums "Metal Commando"Was kannst du uns zu eurem neuen Album „Metal Commando“ erzählen?
Es wäre jetzt natürlich zu viel, auf jeden Song im Detail einzugehen, aber mir persönlich gefällt, dass es wieder ein sehr abwechslungsreiches Album geworden ist. Es sind wieder gute Melodien drauf, wir haben Uptempo- und Midtempo-Songs, aber es gibt auch Groover und eine wirklich gute Ballade. Und ein richtig epischer Song mit über 13 Minuten Spielzeit ist auch dabei – es wird als wirklich viel Abwechslung geboten, was Metal-Fans auf jeden Fall gefallen wird.

Würdest du zustimmen, dass „Metal Commando“ wieder gradliniger und eingängiger ausfällt als sein Vorgänger?
Kann gut sein! Grundsätzlich experimentieren wir immer, weil wir uns als Musiker natürlich auch weiterentwickeln. Trotzdem bleiben wir aber unserem Stil treu. Es ist für uns sehr wichtig, dass wir uns nicht so verändern, dass die Leute sich fragen, was wir denn für eine Band geworden sind. Deswegen kann es gut sein, dass man auf dem neuen Album Parallelen zu unserer ersten Platte hört, allerdings mit einer Weiterentwicklung des Sounds. Wir haben ja auch neue Erfahrungen gesammelt, wie wir unsere Instrumente aufnehmen und wir wissen auch beim Mix ganz genau, was wir wollen. Genauso, wie Mat (Sinner, Bass, Anm. d. Red.) und ich beim Mischen wissen, wo wir hinwollen, wissen wir auch, dass die Musik in erster Linie uns gefallen muss, ehe wir irgendetwas veröffentlichen. Und dieses Vorgehen war für uns auch noch nie von Nachteil.

Habt ihr bei Songwriting oder Produktion und Aufnahmen diesmal irgendetwas gezielt anders gemacht?
Die Ballade „I Will Be Gone“ kommt beispielsweise komplett ohne Schlagzeug aus. Das ist schon etwas anders und passt im positiven Sinne nicht ins sonstige Bild. In der Mitte kommen für die Atmosphäre noch ein paar Streicher hinzu, aber ansonsten sind wir in diesem Song bei der Instrumentierung sehr schlicht geblieben und haben auf allen Bombast verzichtet. Das gibt es sonst nicht bei uns, aber ich meine schon, dass es sich durchaus hören lassen kann.

Wer hatte die Idee dazu?
Das waren Mat und Magnus.

Reine Akustikgitarren-Songs gibt es bei PRIMAL FEAR sonst ja eher selten …
Das stimmt. Zu unserem letzten Album „Apocalypse“ haben wir zu Promo-Zwecken eine kleine Unplugged-Tour veranstaltet und wahrscheinlich hat uns das auf den Geschmack gebracht.

Stellt dich das als Sänger vor andere Herausforderungen?
Auf jeden Fall. Als Sänger muss man wirklich aufpassen, dass man das Thema eines Songs gut transportiert. Bei einer Ballade ist es obendrein schwieriger, einfach drauflos zu singen, weil die Intonation eine größere Rolle spielt. Und gleichzeitig will man ja trotzdem Emotionen rüberbringen. Es ist also durchaus eine Herausforderung und ich habe die Nummer sicher öfter geprobt, ehe ich sie dann eingesungen habe.

Auch in Songs wie „I Am Alive“ legst du einen etwas anderen Stil an den Tag. Hast du auf „Metal Commando“ gesanglich experimentiert?
Das ist etwas aggressiver und tiefer gesungen, ja. Die Oktave liegt noch im Hintergrund drüber. Es ist aber auch nicht das erste Mal, das wir das so machen. Auf der „Black Sun“ habe ich auch oktaviert gesungen und bei „I Am Alive“ haben wir diese Technik mal wieder angewandt. Der Song ist in der Strophe auch eher tief und durch den oktavierten Gesang hat die Nummer jetzt etwas mehr Eier (lacht).

Metal Commando“ ist auch euer erstes Album mit Drummer Michael Ehré. Wie lief der Übergang im Studio?
Absolut geil – was für ein Profi! Mat war bei den Schlagzeug-Aufnahmen dabei und hat uns gleich eine E-Mail geschrieben, nachdem sie nach nur drei Tagen schon fertig waren. Michael ist genau unser Mann und es war die richtige Entscheidung, ihn in die Band zu holen. Er trommelt auf dem neuen Album wie ein Weltmeister und er ist zudem auch noch ein absolut lieber Mensch. Es passt also auf allen Ebenen.

Ein Foto von Primal-Fear-Drummer Michael Ehré

Wo habt ihr aufgenommen?
Das war in den „Hansen Studios“ in Ribe, in Dänemark – dort, wo die Platte auch gemischt und gemastert wurde. Alles andere wurde im jeweiligen Heimstudio aufgenommen – ich habe ja vorhin schon gesagt, dass sich jeder von uns da seine ganz eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen angeeignet hat. Ich möchte auch gar nicht mehr anders arbeiten. Ich lege an mich selbst einen sehr hohen Qualitätsstandard an und deshalb habe ich mittlerweile die Studioarbeit mit mir selbst wirklich lieben gelernt.

Worum geht es diesmal in den Texten?
Den Großteil der Texte haben wieder Mat und ich geschrieben – wir teilen uns das immer ganz gut auf. Die Themen sind wieder mitten aus dem Leben gegriffen, allerdings kommt natürlich hier und da immer noch ein bisschen Story dazu. Teilweise ist es kritisch und teilweise wird es auch autobiografisch, etwa in „Along Came The Devil“. Dabei steht der Teufel natürlich stellvertretend für schwierige Phasen im Leben, es geht nicht um einen personifizierten Teufel.

Frontiers Music scheint eine der wenigen Plattenfirmen zu sein, die noch immer aufwändig produzierte Live-Alben veröffentlichen – auch von PRIMAL FEAR. Hat dieses Format auch bei Nuclear Blast eine Zukunft für euch?
Klar, warum denn nicht? Vorausgesetzt, es kehrt wieder Normalität im Touralltag ein. Wir möchten natürlich so viele Konzerte wie möglich aufnehmen und dann auch etwas zusammenstellen. Es ist ja nicht nur Nuclear Blast für diese Entscheidung zuständig, sondern auch die Bands. Von daher: Es wird bestimmt mal wieder eine Live-Veröffentlichung von uns geben.

Live-Clubs und tourende Bands werden von der COVID-19-Pandemie besonders hart getroffen. Wie geht es euch damit?
Wir mussten gerade unsere komplette Nordamerika-Tour absagen und die Festivals fallen natürlich auch alle aus. Und selbst wenn es heißt, dass es ab November wieder losgehen könnte, gehen wir fest davon aus, dass dieses Jahr dicht ist. PRIMAL FEAR sind auch keine Band, die vor Autos spielt oder irgendwelche Streaming-Geschichten macht. Heavy Metal lebt von der Energie eines Live-Auftrittes und der Interaktion mit den Fans. Bevor ich mich da vor Autos stelle und mich anhupen lasse, warte ich lieber, bis das wieder möglich ist (lacht). Das Gleiche gilt auch für Streaming: Konzerte müssen laut sein und es muss abgehen. Je nachdem, wie die Leute das zuhause konsumieren, ist das auch nicht gegeben.

Habt ihr bereits neue Tourpläne?
Unsere neue Booking-Agentur arbeitet derzeit daran, unsere Tourpläne nach Möglichkeit auf 2021 umzulegen. Das ist aber natürlich auch nicht so einfach. Wie du bereits angedeutet hast, ist gar nicht abzusehen, welche Clubs und Promoter diese Situation überstehen. Das macht die ganze Sache sehr schwer planbar, aber zum Glück haben wir Spezialisten am Werk, die das übernehmen und so sind wir ganz zuversichtlich, dass es 2021 wieder losgeht.

Damit sind wir schon am Ende – möchtest du gerne noch etwas hinzufügen?
Wir werden auf jeden Fall auf die Bühne zurückkehren und bis es so weit ist, veröffentlichen wir noch ein paar Sachen. Wir haben noch ein weiteres Video in der Pipeline und nach dem Release des Albums gibt es auch noch ein paar Bonbons für die Fans. Es ist uns wichtig, dass die Leute regelmäßig von uns hören. Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch einmal für den Support der Fans bedanken. Lasst uns das zusammen durchstehen – das packen wir!

Vielen Dank!

Ein Foto der Heavy-Metal-Band Primal Fear

Dieses Interview wurde per Telefon geführt.

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