Interview mit Oscar Carlquist von Ram

Mit ihrem dritten Album „Death“ haben die Schweden von RAM erneut eindrucksvoll bewiesen, wie zeitlos der Sound von traditionellem Heavy Metal ist. Sänger Oscar Carlquist sieht sich und seine Mannen als Gralshüter der ursprünglichen Werte des Rock ’n‘ Rolls, gibt tiefere Einblicke in das aktuelle Werk und erklärt, warum Musik gefälligst analog aufgenommen werden sollte und was man von der aktuellen Szene zu halten hat.

Hi, Oscar! Danke erst mal, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast! Zunächst will ich dir mal zu eurem neuen Album gratulieren, ist echt gut geworden! Wie war denn bisher so das Feedback von Presse und Fans? Entspricht es euren Erwartungen?
Ja, es entspricht einem der besseren Szenarien, die ich mir ausgemalt hatte. Unser Label Metal Blade leistet großartige Arbeit bei der Promotion des Albums und die Metal-Community scheint heutzutage mit Old School Heavy Metal auch wieder etwas versöhnlicher umzugehen wie noch vor einigen Jahren.

Was sind die größten Unterschiede zwischen „Death“ und seinen Vorgängern? Was macht es besser als eure früheren Veröffentlichungen?
Ich weiß nicht, ob es besser als die anderen ist. All unsere Alben haben ihren individuellen Stil, und wir haben auch jedes Mal, wenn wir uns dazu entschieden, ein Album aufzunehmen, immer das erreicht, was wir uns vorgenommen hatten, zu tun. „Death“ ist eine natürliche Weiterentwicklung von „Lightbringer“, so wie ich es sehe. „Lightbringer“ war in hohem Maße ein geplantes Album, bei dem wir jeden unserer Schritte sorgfältig analysiert haben. „Death“ ist viel spontaner und unsere Herangehensweise war das Gegenteil von der bei „Lightbringer“.

Was war denn euer wichtigstes Ziel, als ihr die Arbeit an „Death“ begonnen habt?
Wir wollten Songs erschaffen, die sehr gut in der Live-Situation funktionieren, und sie auch so aufnehmen, dass das Hörerlebnis des Albums von der Produktion her so nah wie möglich an den Live-Sound von RAM angelehnt ist.

Der Albumtitel „Death“ ist sehr einfach und unkompliziert, das Konzept des Todes im Allgemeinen hingegen sehr breit gefächert. Was ist denn die Bedeutung von „Tod“ speziell im Zusammenhang des Albums und wer kam auf die Idee dieses Titels?
Das war meine Idee. Ich wollte ein Album schon „Death“ nennen, als ich ein Kind war, einfach weil der Titel so ein Schlag ins Gesicht ist. Aber es gibt noch einen anderen Grund dafür, und das ist jener, diese Kraft zu ermächtigen, der die westlichen Menschen durch Heuchelei versuchen, zu entfliehen. Der Tod ist die ultimative Wahrheit, der ultimative philosophische Spiegel, eine Macht, die angenommen und ergriffen werden sollte, sodass sie deinen Geist und deine Seele stählen und dich auf einen Pfad schicken kann, der wahrhaftig dein eigener ist und nicht der von zweifelhaften externen Mächten wie Staat, Kirche und kommerziellen Kräften.

Das Artwork mit dem Totenschädel passt ja auch ins Konzept von „Death“. Wie wichtig ist das Artwork denn für euch und wer hat es diesmal erstellt? Sollte es von künstlerischem Wert sein oder einfach nur aussagen: Das ist ein Heavy-Metal-Album?
Das Artwork habe ich gemacht. Es ist uns insofern sehr wichtig, als es mehrere symbolische Aspekte des Konzepts von RAM widerspiegelt. Das Artwork muss von mir kreiert werden, weil es von jemandem kreiert werden muss, der eine spirituelle Verbindung zu diesen Aspekten hat. Der Schädel des RAMRODS ist übrigens nicht menschlich, er repräsentiert zwar den Aspekt des Todes als einen Pfad der Läuterung und Erleuchtung, aber er ist behornt und weist somit auf die göttliche Natur hin. Zu viel kann ich hier aber auch nicht dazu sagen, weil es verschleiert und okkult bleiben muss.

Okay, dann reden wir mal über den ersten Song „Death… Comes From The Mouth Beyond“. Da habt ihr eine Spoken-Word-Darbietung auf schwedisch eingebaut. Was bedeutet sie und warum habt ihr auch dazu entschlossen, sie in eurer Muttersprache zu präsentieren? Ist das der Gastauftritt von Freddie Wadling, von dem man im Vorfeld gehört hat?
Jepp, der Spoken-Word-Beitrag ist von Freddie Wadling (schwedischer Sänger, Schauspieler und Opernschreiber – Anm. d. Red.). Wir wollten das auf schwedisch, weil wir so auf eine sehr einfache Art und Weise mit verborgenen Informationen arbeiten können. Im Laufe unserer Alben haben wird das schon mehrere Male auf verschiedenen Ebenen getan, abhängig von der Information, die zu verhüllen war. Wahres Wissen kann nicht bekämpft, nur gesucht werden. Die Hörer, die nicht aus Schweden kommen, müssen die Informationen also über einen einfachen Code einholen. Das verstärkt den Effekt dessen, was dem Hörer vermittelt wird.

Euer Sound erinnert ja offensichtlich an klassische Heavy-Metal-Bands. Wie direkt sind die Einflüsse eurer Vorbilder beim Songwriting und gibt’s vielleicht eine Gruppe, die euch als Hauptinspiration dient?
Wir sind mit Bands wie Black Sabbath, Iron Maiden, Judas Priest, Accept und Kiss aufgewachsen und die stecken uns im Blut. Wahrscheinlich haben sie vielmehr einen unbewussten Einfluss auf uns als einen bewussten.
Wenn ihr Songs schreibt, denkt ihr da schon drüber nach, wie sie live klingen werden?
Nein, nicht wirklich, wir erkennen, wie der Song live funktioniert, wenn wir anfangen, ihn zu proben.

Da ihr eine Old-School-Metal-Band seid, bin ich neugierig, ob ihr das Album analog oder digital aufgenommen habt?
Das Album wurde hauptsächlich mit analogem Equipment aufgenommen, wobei einige Ergänzungen digital aufgenommen wurden. Wir nehmen immer so analog wie möglich auf, weil es bei Aufnahmen darum gehen sollte, einen tollen Take auf Band einzufangen. Kurven und Graphen auf Bildschirmen zu beobachten hat doch nichts mit Musik zu tun. Digitale Bearbeitung tötet Musik!

Ihr wart ja auch selbst die Produzenten des Albums. War es das erste Mal, dass ihr das so gemacht habt und gibt es bestimmte Gründe dafür?
Wir beginnen mit der eigentlichen Produktion eines Albums schon lange bevor es Zeit ist, ins Studio zu gehen, und wie immer hatten wir auch diesmal einen Plan, der festlegte, wie wir die Aufnahmen durchführen wollten. Wir haben eine so starke Vision bezüglich des Albums als Ganzes, dass es seltsam wäre, nicht in dem Maße darin involviert zu sein, wie wir es sind.

Das Album war schon im März 2011 veröffentlichungsfertig und ein Release war für Herbst 2011 angesetzt. Was hat denn so lange gedauert?
Wir standen mit vielen Labels in Verhandlungen und dadurch hat’s einfach ewig gedauert.
Und wie seid ihr letztendlich bei Metal Blade gelandet?
Wir sind mit ihnen in Kontakt getreten und sie waren interessiert. So weit sind wir auch sehr glücklich mit Metal Blade.

Mit Tobias Peterson habt ihr einen neuen Bassisten in der Mannschaft. Wo habt ihr ihn kennengelernt und wie läuft’s bis jetzt so mit ihm?
Ich rief Hellbutcher von Nifelheim an, als die Zeiten düster waren, und fragte ihn, ob er einen Bassisten mit langen Haaren kenne, der mit den Fingern spielt. Er bejahte, also rief ich Tobias an, er kam für eine gemeinsame Probe vorbei und rockte die Sache. Tobias bringt eine Menge Energie in unseren Sound ein, besonders bei Live-Shows war er bisher wie eine Injektion neuen, reinen Blutes.

Lass uns mal noch über die Promoarbeit zu „Death“ reden. Mir hat der Clip gefallen, den ihr zu „Flame of the Tyrants“ gedreht habt – erinnert an Mad Max. Kannst du uns was dazu erzählen?
Die Idee und das Drehbuch zum Video habe ich mir ausgedacht. Der Text des Songs steht im Einklang mit dem, was wir visuell porträtieren wollten. Ich bin totaler Mad-Max-Fanatiker, diese postapokalyptische Welt wirkt unglaublich anziehend auf mich, weil sie das Versagen der Gesellschaft und die Rückkehr zur Herrschaft der Natur darstellt. Muskeln und Intellekt stehen über abstrakten Mächten wie z.B. Geldsystemen.

In eurer Promo-Info zu „Death“ steht, dass der „einvernehmliche Hass gegenüber der aktuellen Metalszene“ in den Gründungtagen von RAM wichtig war. Findet ihr die aktuelle Szene immer noch so blöd?
Nun, diese geschmacklosen Mischungen und Kombinationen von Stilen, die typisch für viele zeitgenössische Bands sind, haben nichts mit den ursprünglichen Grundlagen des Heavy Metals zu tun. Die versuchen viel zu sehr, ihr eigenes Ding durchzuziehen. Wir würden niemals unsere Eigenschaft, ursprünglich zu klingen, aufs Spiel setzen. Ein „frischer“ Sound wird doch sehr schnell alt und ranzig. Wogegen wir hauptsächlich Stellung nehmen, ist die Unwissenheit und der Mangel an Respekt gegenüber den Traditionen des Rock ’n‘ Rolls, der unter vielen Bands und Künstlern präsent ist. Sie nutzen die Szene aus.

Was glaubst du denn, warum dieser traditionelle Heavy Metal, wie auch ihr ihn spielt, in den vergangenen Jahren wieder so beliebt geworden ist? Was findest du an diesem Sound so faszinierend?
Die ursprüngliche Kraft ist da, der Geist der Rebellion, der die Grundlage des Rock ’n‘ Rolls darstellt, ist da. Ich glaube, dass die Leute das, was in den frühen Jahren ablief, mit dem verglichen, was die Bands in den späten Neunzigern und den 2000ern machten, und dann feststellten, das Metal nicht mehr Metal ist. Im Metal sollte es darum gehen, ein Rebell mit langen Haaren, Denim und Leder zu sein, alle anderen Interpretationen sind einfach schwächer.

Steht ihr in Kontakt mit anderen schwedischen Old-School-Bands wie z.B. Portrait oder In Solitude? Seid ihr vielleicht sogar Kumpels?
Ich bin mit beiden Bands gut befreundet und habe sehr große Freude an ihrer Musik. Wir haben auch sehr ähnliche philosophische Grundlagen und lassen uns voneinander inspirieren.

Wie sehen denn die Pläne von RAM für 2012 aus? Wird es eine Tour geben?
Jepp, die Touren werden zur Zeit gerade geplant.
Mit welchen Bands würdest du denn gerne mal touren?
Wir würden jederzeit mit oder gegen jede Band touren, und zwar auf jeder beliebigen Bühne an jedem beliebigen Ort.

Könnt ihr eigentlich von der Musik schon leben oder geht ihr nebenher noch arbeiten?
Wir haben alle zumindest Teilzeit-Jobs, denen wir neben der Musik nachgehen, aber wir arbeiten fleißig daran, dass wir vollständig von unserem Metal leben können. Es bedeutet mir alles, mich in meiner Zeit zu 100% auf die Erschaffung und Darbietung von Heavy Metal konzentrieren zu können.

In Ordnung, wir sind fast durch! An dieser Stelle vielen Dank für deine Antworten, Oscar! Den Abschluss macht unser traditionelles Metal1.info-Brainstorming – ich nenne dir ein paar Begriffe und du sagst uns, was dir zuerst dazu einfällt!
Facebook: Illuminati (Information Awareness Office)
Surströmming: kein Essen, sondern Gift
Deutschland: Heavy Metal!
In Flames: kein Kommentar
Schwedischer Winter: Hassliebe
Metal1.info: Geile Scheiße

Nochmals danke für deine Zeit und alles Gute für die Zukunft! Wenn du noch was an unsere Leser loswerden willst, das letzte Wort gehört dir:
Heavy Metal Tyranny upon you all!