CD-Review: Ram - Rod

Besetzung

Oscar Carlquist – Gesang
Martin Jonsson – Gitarre
Harry Granroth – Gitarre
Tobias Petterson – Bass
Morgan Petterson – Schlagzeug

Tracklist

01. Declaration Of Indipendence
02. On Wings Of No Return
03. Gulag
04. A Throne At Midnight
05. Ramrod The Destroyer
– Anno Infinitus
– Ignitor
– The Cease To Be
– Voices Of Death
– Incinerating The Storms
– Ashes


Das Cover von "Rod" von Ram

Bei Metal Blade Records pflegt man den Heavy Metal aus Schweden: Kurz nach ihren Kollegen Portrait dürfen auch RAM wieder mit einem neuen Album ran – schon zum fünften Mal und immerhin mit der zweiten Veröffentlichung bei der kalifornischen Plattenschmiede. Ihr neuester Output hört auf den Namen „Rod“ und ergibt zusammen mit dem Bandnamen ein etwas müdes Wortspiel dessen Entstehung vermutlich auf viel Bier im Proberaum zurückzuführen ist. Auf den Inhalt lässt das freilich nicht schließen und damit der interessant bleibt, haben sich RAM zum ersten Mal in ihrer Geschichte – zumindest im kleinen Umfang – an einem Konzeptwerk versucht.

Auf „Rod“ bedienen sich RAM wie seit „Death“ auf jedem Album sowohl optisch als auch musikalisch der Ästhetik, die man von klassischen Judas-Priest-Alben wie „Defenders Of The Faith“ oder „Turbo“ kennt, was sich vor allem in der Wahl der Gitarrensounds bemerkbar macht. Wie schon der – leider etwas chaotische – Opener „Declaration Of Independence“ aber vor allem das saustarke „On Wings Of No Return“ zeigen, sind die Schweden ihrem bekannten Rezept auch auf dieser Platte bis in die letzte Note treu geblieben und mischen einmal mehr Heavy Metal der ganz alten Schule mit ebenso dichter wie düsterer Atmosphäre, wodurch sie durchaus ihren ganz eigenen Sound erzeugen.

Ebenfalls wie immer haben RAM auch „Rod“ in eine altbackene Low-Fi-Produktion verpackt, was zwar durchaus wuchtig aus den Boxen kommt, jedoch stets ein bisschen arg nach Proberaum-Mitschnitt klingt und vor allem dem Schlagzeug nicht sehr viel Druck erlaubt. Das kann man als „organisch“ oder „atmend“ ansehen, etwas mehr Power hätte vor allem treibenden Songs wie „A Throne At Midnight“ jedoch sicher gut getan. Soweit alles beim Alten? Allerdings. Die erste Hälfte des neuen RAM-Albums bietet typisches und grundsolides Songwriting nach dem bekannten Rezept der Herren und wartet mit dem ein oder anderen wirklich großen Moment auf, jedoch kann „Rod“ hier auch zu keiner Zeit mit dem überragenden „Svbversvm“ mithalten. Der Befreiungsschlag kommt erst mit dem in sechs Kapitel (allesamt als separate Tracks anzusteuern) unterteilten Konzeptwerk „Ramrod The Destroyer“. Die Dramatis Personae umfassen neben dem namensgebenden Ramrod auch den Overseer, eine künstliche Intelligenz namens Illumitron sowie Gevatter Tod höchstpersönlich.

Klingt nach Spaß? Absolut, denn hier machen RAM schlicht alles Richtig: Eingeleitet von herrlich klischeebeladenen 80er-Jahre-Geisterbahneffekten wird hier die Geschichte der von Cyborgs versklavten Überreste der Menschheit erzählt – und zwar in durchaus ansprechender lyrischer Aufbereitung, weshalb sich das Mitlesen im Booklet lohnt. RAM ziehen dazu alle Register ihres Könnens und liefern einen Konzeptteil ab, dessen einzelne Songs ohne weiteres auch für sich alleine stehen könnten und obendrein so manche Überraschung bergen: Frontmann Oscar Carlquist bedient sich hier zum großen Teil eines weitaus zahmeren Gesangsstils – schließlich steht ja das Erzählen der Geschichte im Mittelpunkt – und eine bluesig eingeleitete Halb-Ballade wie „The Cease To Be“ hört man bei den Schweden auch nicht alle Tage. Zwischendrin gibt es noch das gesprochene „Voices Of Death“, welches komischerweise überhaupt nicht peinlich ist und zum Abschluss fahren RAM ein schickes Intrumental auf – kurz: „Rod“ mag zu Anfang nicht mehr als „nur“ ein gewöhnliches RAM-Album sein, das Hauptaugenmerk legten die Burschen aber zweifelsohne auf den Konzeptpart der Platte und weil der in jeder Hinsicht gelungen ist, liefern die Herren aus Göteborg hier erneut ein bockstarkes Metal-Album ab.

Mit „Svbversvm“ gelang RAM vor zwei Jahren ihr Magnum Opus und da ist es klar, dass die Messlatte für den Nachfolger entsprechend hoch liegt. „Rod“ kann nicht ganz das gleiche Niveau wie sein hochklassiger Vorgänger erreichen, jedoch verdient es Respekt, dass die Band mit diesem Album den Mut für neue Experimente aufgebracht hat. Mag die erste Hälfte dieser Platte sich ein bisschen nach auf sicher gespielt anfühlen, so beweisen RAM mit dem Konzeptteil „Ramrod The Destroyer“ umso mehr musikalischen Weitblick und servieren ihren Fans eine spaßige Science Fiction-Operette mit tollem Soundtrack. Unbedingt antesten!

Bewertung: 8 / 10

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