CD-Review: Ram - The Throne Within

Besetzung

Oscar Carlquist - Gesang
Harry Granroth - Gitarre
Martin Jonsson - Gitarre
Tobias Petterson - Bass
Morgan Petterson - Schlagzeug

Tracklist

01. The Shadowwork
02. Blades Of Betrayal
03. Fang And Fur
04. Violence (Is Golden)
05. The Trap
06. No Refuge
07. Spirit Reaper
08. You All Leave
09. Ravnfell


Obacht, Denksport-Aufgabe: 2015 feierte die 1999 gegründete Heavy-Metal-Band RAM ihren 10. Geburtstag. Wie, das kann nicht sein? Kann es wohl! Die Herren aus Göteborg sind nämlich so bescheiden, dass sie mit ihrer Zeitrechnung erst mit der Veröffentlichung ihres ersten Albums im Jahr 2005 beginnen. Verstanden? Gut. Weiter geht’s: 2019 feiert die Band, die 2015 ihr zehnjähriges Bestehen zelebriert hat mit der Veröffentlichung ihres neuen Albums „The Throne Within“ ihren 20. Geburtstag. Wie, kann nicht sein? Kann es wohl! RAM gründeten sich nämlich bereits 1999 und sind somit seit 20 Jahren im Geschäft. Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen – oder entsprechend rechnen.

Interessant: Jedes Mal, wenn RAM etwas zu feiern haben, nehmen sie eines der besten Alben ihrer Karriere auf. So war es mit 2015 mit „Svbversvm“ und so verhält es sich auch jetzt mit „The Throne Within“. Mag der Opener „The Shadowwork“ noch eine recht standardmäßige Uptempo-Nummer der Schweden ohne jegliche Besonderheit sein, geht es ab dem nachfolgenden „Blades Of Betrayal“ steil bergauf. So steht dem Hörer ab Song Nummer zwei eine 45-minütige Werkschau sämtlicher Qualitäten dieser Band bevor, in der die Truppe aus Göteborg aber auch wirklich zu gar keinem Zeitpunk Schwäche zeigt. Der auf Nummer sicher gespielte Opener sei RAM also sofort verziehen – es ist ja auch kein schlechter Song, nur fühlt man sich hier am ehesten an das schwächere „Rod“ erinnert.

Der Vergleich zu „Svbversvm“ liegt im Falle von „The Throne Within“ nicht nur dank der hohen Qualität des Albums im Allgemeinen äußerst nahe – nicht etwa, weil RAM hier bei sich selbst abkupfern würden, sondern schlicht weil die Schweden seit 2015 nicht mehr so viel Abwechslung, Spielfreude und Stringenz bewiesen haben wie auf dieser Platte. Das fängt an mit dem hymnisch treibenden „Blades Of Betrayal“ an, in dem die Schweden ihren Düster-Sound über einen erhebenden Chorus gekonnt mit schwermetallener Party-Stimmung verbinden, setzt sich im stampfenden Stadion-Rocker „Fang And Fur“ fort und gipfelt im langsamen Aufbau des gefühlvoll-majestätischen Gänsehaut-Stücks „You All Leave“. Kaum eine Heavy-Metal-Band schafft es, ihren ganz eigenen Stil auf so unterschiedliche Arten zu beleuchten und doch stets nach sich selbst zu klingen, doch RAM treffen hier in jedem Song ins Schwarze.

Natürlich erfinden auch RAM bei aller Authentizität und schreiberischen Routine das Genre nicht neu und machen auf „The Throne Within“ vor allem aus ihrer Affinität zu Judas Priest kaum einen Hehl. Das lässt sich angesichts des Gesangs von Frontmann Oscar Carlquist ohnehin kaum vermeiden, wird bereits im „Metal Gods“-Zitat von „Fang And Fur“ überdeutlich und auch „Violence (Is Golden)“ enthält viel der DNA der Frühachziger-Alben von Halford und Band. Seinen – augenzwinkernden – Höhepunkt erreicht diese Huldigung in „Spirit Reaper“, in dem RAM sich mit trashigen Synthies und entsprechend kitschigem Riffing nachgerade schamlos bei „Turbolover“ bedienen. Auch ansonsten wird immer mal wieder deutlich, wer die Truppe so alles inspiriert und so stößt die Band mit dem Rauschmeißer „Ravnfell“ ins True-Metal-Territorium von Grand Magus oder Visigoth vor.

Wollte man RAM nun unbedingt etwas ankreiden, man könnte monieren, dass sie allgemein schlicht die bekannten Elemente des Genres neu vermischt haben und im Speziellen ihren Song „The Trap“ herausgreifen: Besagte Nummer groovt zwar geradezu infektiös dahin, bietet jedoch einen mehr als tumben Verschwörungstheoretiker-Text über die verlogenen Medien und den von einer ominösen Schattenmacht verstellten Blick der Allgemeinheit auf „die Wahrheit“. Daran kann man sich stören, muss man aber nicht und es spiegelt aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht die Meinung der Band wieder, nur wäre ein Metal-Song über die Vorzüge des pluralistischen Systems in einer einwandfrei arbeitenden Demokratie vermutlich nicht ganz so prickelnd.

So oder so, RAM wissen, wie Metal geht – das beweist die Formation auf „The Throne Within“ in jedem Song. Scheinbar mühelos verbindet die Band hier die für ihre Musik von Anfang an typische, kalte Düsternis mit der rotzigen Attitüde des klassischen Heavy Metal zu stählernen Hymnen, die ihresgleichen suchen. Zwischen den kantigen Riffs versteckt die Truppe dann noch durch die Bank gelungene Leadgitarren sowie nicht selten große Melodiebögen mit maximalem Gänsehaut-Faktor und schon sollte sich kein traditionsbewusster Headbanger dem Charme dieser Platte entziehen können. Mit acht über jeden Zweifel erhabenen und einem etwas schwächeren Song haben RAM nun also ein beinahe perfektes Heavy-Metal-Album geschaffen, das Fans und Quereinsteigern gleichermaßen ans Herz gelegt sei und sich fortan mit „Svbversvm“ den Platz als beste Platte der Schweden teilen muss. Stark!

Bewertung: 9 / 10

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