Interview mit Victor Brandt von Dimmu Borgir/Firespawn

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Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 2 der Serie unterhalten wir uns mit Victor Brandt – Live-Bassist von DIMMU BORGIR, Gitarrist bei FIRESPAWN und ex-Bassist von ENTOMBED/ENTOMBED A.D.

Wann hast du angefangen, Bass zu spielen?
Ich weiß nicht genau, wie alt ich war, aber ich glaube ungefähr zwölf. Ich weiß noch, dass ich damals dachte: „Vielleicht bin ich zu alt, um jetzt noch anzufangen, ein Instrument zu lernen, wenn ich es wirklich schaffen will“, was sich verrückt anfühlt, wenn ich jetzt darüber nachdenke. Aber dann erinnerte ich mich daran, dass ich mal gehört hatte, dass Trey von Morbid Angel auch schon ein Teenager war, als er angefangen hatte, Gitarre zu spielen. Das beruhigte mich irgendwie und zeigte mir, dass es funktionieren könnte. Ich komme aus einem kleinen Dorf mit etwa 800 Einwohnern und natürlich ohne Clubs, in denen es Konzerte, und sei es nur von lokalen Bands, gegeben hätte. Und das war vor dem Internet! Aber meine Familie unterstützte mich stark und besorgte mir ein Instrument. Und da es nichts gab, was mich abgelenkt hätte, verbrachte ich unzählige Stunden mit dem Üben.

Was hat dich damals dazu gebracht, Bass lernen zu wollen?
Ich hing damals mit einem Freund rum und wir hörten uns unsere Lieblings-Metal-Alben an. Da redeten wir dann darüber, wie cool es wäre, Gitarre oder Bass zu lernen und selbst Musik zu machen. Zunächst erschien uns das unerreichbar, aber wir bekamen das nicht mehr aus dem Kopf. Als wir unsere Instrumente bekamen, konnten wir sie nicht mehr weglegen … wir waren wie besessen. Das waren gute Zeiten!

Hast du vorher schon ein anderes Instrument erlernt beziehungsweise erlernen müssen?
Nein, eigentlich nicht. Es gab in Schweden damals aber wirklich gute Möglichkeiten, was Musikschulen und -unterricht angeht. Das hat meiner Meinung nach viel damit zu tun, dass Schweden so viele Bands hervorgebracht hat.

Weißt du noch, welches Modell dein erster Bass war?
Ja, es war eine Kopie des Jazz-Basses von Fender. Den Korpus habe ich tatsächlich noch, der war ganz in Ordnung. Den Hals habe ich gegen einen bundlosen ausgetauscht und Flatwound-Saiten draufgepackt.

Wie viele Bässe besitzt du heute?
Neun Bässe und drei Gitarren.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für verschiedene Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Ja, absolut. Bei DIMMU BORGIR verwenden wir zwei verschiedene Stimmungen (E und D), also braucht jeder von uns einen Bass beziehungsweise eine Gitarre in beiden Stimmungen, damit wir live schnell wechseln können – und natürlich für beide jeweils ein Backup. Normalerweise benutze ich live die gleichen Bässe wie im Studio, aber fürs Studio habe ich noch ein paar Optionen.

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
Vom technischen Standpunkt aus gesehen: Er muss gut klingen. Was das genau bedeutet, „gut klingen“, hängt natürlich davon ab, was dir gefällt. Ich persönlich mag einen Basston, der einen guten Tonumfang über alle Bereiche hat, Tiefe, Mitten und Höhen, und der ausgewogen klingt. Dann geht es natürlich um die Spielbarkeit: Dass er gut ausbalanciert ist und sich bequem spielt, dass der Hals möglichst gerade ist, also der Halsstab wenig gebogen, dass die Saitenlage und Intonation gut sind, damit es sich gut anfühlt und das Instrument auf dem ganzen Griffbrett in der richtigen Stimmung ist. Und er muss stabil sein und aushalten, wenn er auf Tour auch mal was abbekommt … und eben trotzdem immer funktionieren. Es ist extrem wichtig, dass du deinem Instrument vertraust, wenn du auf die Bühne gehst, damit du dich auf die Show konzentrieren kannst und dir keine Sorgen um dein Instrument machen musst.

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Ja, absolut. Ich habe mein Sandberg-Signature-Modell, das auf deren 48er-Modell basiert. Er ist eine Mischung aus Thunderbird, Explorer und einer Harley Davidson. Außerdem erfüllt er alle meine Ansprüche hinsichtlich Qualität, Klang, Spielbarkeit und so weiter. Er ist das Instrument meiner Träume. Wir haben viel Zeit und Mühe hineingesteckt, und das macht sich wirklich bemerkbar. Checkt Sandberg mal aus! Das ist so ein tolles Unternehmen. Alles dort, von ihrem Können und ihrer Erfahrung bis hin zu den Menschen, die für Sandberg arbeiten, ist einfach großartig. Ich kann sie nicht genug empfehlen. Selbst wenn mein Bass nichts für dich ist – die haben wirklich alles, was du dir wünschen kannst und können alles herstellen, reparieren und hinbekommen. Wirklich erstklassig!

Kannst du uns die technischen Details zu deinem Custom-Modell nennen?
Der Hals ist aus kanadischem Ahorn und verschraubt. Das Griffbrett ist aus Ebenholz, ohne Inlays, mit 22 Bünden und langer Mensur (34 Zoll). Der Korpus ist aus Erlenholz und schwarz, mit starkem Vintage-Finish. Dazu Hardware und Pickups von Sandberg: Einmal der Blacklabel Splitcoil und einmal der Blacklabel T ins spezieller Positionierung. Die Klangregelung am Bass erfolgt über das 3-Band-Black-Label-System von Sandberg. Außerdem haben wir einige der Kanten des Korpus abgerundet. Und die von Sandberg fanden eine Idee, die ich hatte, supercool: Sie haben aus dem Jazz-Tonabnehmer ein umgekehrtes Kreuz gemacht. Total cool!

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Ich möchte einfach nur für immer meinen Signature-Bass spielen.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Ich verwende Darkglass Electronics Microtubes 900v, 500 und ihr DG410N-Cabinet. Absolut fantastisches Zeug von einer wirklich großartigen Firma. Ich benutze schon viele Jahre ihre Fußschalter, jetzt spiele ich auch ihren Verstärker. Sie machen mir die Arbeit leichter.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
Das Darkglass B7K und eine DI-Box von Klotz (schaut euch auch mal Klotz-Kabel an!). Bei DIMMU BORGIR verwenden wir ausschließlich Klotz-Kabel. Die sind wirklich erstklassig! Dazu einen DSM Noisemaker CabSim, einen Kompressor von Darkglass und das Fortin-Zuul-Noise-Gate.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Wireless → Darkglass-Kompressor → Fortin-Zuul-Noise-Gate → Klotz DI-Box → Darkglass B7K → DSM Noisemaker CabSim → Darkglass-Microtubes 900v Amp. Und ein XLR-Kabel von der DI zum Front-of-House-Mischer.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Das Darkglass Electronics B7K. Ich habe ganze Tourneen nur mit diesem einen Pedal gespielt und es funktioniert großartig. Du wirst dich dann natürlich auf die PA und die Monitore verlassen müssen, aber wenn die gut sind, wirst du keine Probleme haben.

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt als eigentlich vorgesehen oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Nein, aber Pedale, die ich nicht erwähnt habe und die du dir ansehen solltest, sind: TC Electronics Eyemaster (HM2-Style), Lone Wolf Audio – Left Hand Wrath, Abominable Pedals Sunnbather, Magic Pedals HM2, Black Arts Toneworks Coven.

Warum benutzt du ein Noise-Gate?
Wenn man gerne viel Verzerrung verwendet, so wie ich, kann es manchmal Störgeräusche geben – je nach Stromversorgung der Location und so weiter. Es ist ein schönes Gefühl, wenn es beim Soundcheck ein solches Störgeräusch gibt und dann jemand fragt: „Woher kommt dieses Geräusch?“ Nun, ich bin es nicht (lacht). Ich nutze wie gesagt das Fortin Zuul, das ist wirklich sehr gut und leicht, was sehr praktisch ist.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Der Aufbau, den ich habe, ist sehr fix und ich bin super zufrieden damit.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Übe so viel wie möglich, spiele so viele Auftritte wie möglich, benutze Ohrstöpsel, hab‘ Spaß und sei die Art von Person, mit der du selbst gerne arbeiten oder abhängen würdest. Außerdem habe ich DR-Saiten, Richter- und DSL-Gurte, JHAudio In-Ear-Monitor-System, InTune-Gitarrenplektren, Neural DSP-, Positive Grid und Softube-Software sowie Soundbrenner-Metronome noch nicht erwähnt. Das sind alles erstklassige Produkte und Firmen, die ich nicht genug empfehlen kann! Probiert sie mal aus und übt weiter!


In Teil 3 der Serie kommt Nikita Kaprad (DER WEG EINER FREIHEIT) zu Wort!


Alle Teile der Serie findest du hier:

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

Geschrieben am

Fotos von: Afra Gethöffer-Grütz

2 Kommentare zu “Dimmu Borgir/Firespawn”

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