Interview mit Farago von Servant

Die 2020 gegründete Black-Metal-Band SERVANT, hat es in der kurzen Zeit seit ihrer Gründung weit gebracht. Nicht nur in Sachen Produktivität, kann die Formation auf einen gut bestückten Katalog blicken, auch Live ist die Gruppe um Sänger und Gitarrist Farago mehr als umtriebig und ohne den Gedanken an Stillstand unterwegs. Zwei Jahre nach dem großartigen „Death Devil Magick“ präsentiert die Band mit „Lux Ex Inferis“ bereits ein neues Album. Über dessen Entstehung, bereitwillige Dienerschaft, Freundschaft im Black Metal und noch einiges mehr, haben wir mit Farago im Interview gesprochen.

Hallo Farago, vielen Dank dass du dir Zeit nimmst. Es ist schon erstaunlich, ihr seid seit 2021 aktiv und habt mit eurem neuen Album „Lux Ex Inferis“ bereits euer viertes Album am Start. Wo nimmt man denn eine derartige schöpferische Kraft her?
Ich würde sagen, dass ein gewisser Drang des Kreierens und Hingabe für die Sache ein treibender Faktor ist. Aber so genau kann man das wahrscheinlich kaum sagen. Wir machen uns darüber nicht wirklich viel Gedanken und lassen die Dinge ihren natürlichen Lauf.

Bevor wir uns weiter mit eurer Gegenwart befassen, lass uns mal einen Exkurs in die Vergangenheit machen. SERVANT entstammen dem Umfeld zweier Bands. Zum einen UNDER THE NIGHTSKY und zum anderen ANDRAS. Beide Bands sind der Black-Metal-Szene zugeordnet. Wie haben sich daraus SERVANT destiliert?
Als erstes muss ich hier kurz festhalten, dass UNDER THE NIGHTSKY in erster Linie ein gemeinsames Projekt von Nightsky, dem Gitarristen und Hauptsongwriter von ANDRAS, sowie deren ehemaligem Sänger Khenaz und den Mitgliedern von SERVANT ist. Mit Nightsky verbindet mich eine inzwischen jahrzehntelange Freundschaft, die bis in die 90er Jahre zurückreicht. SERVANTs erstes Album war bereits veröffentlicht, bevor das Projekt UNDER THE NIGHTSKY ins Leben gerufen wurde. Was ANDRAS anbelangt, sollte man erwähnen, dass meine aktive Zeit in der Band 1998 endete. Es ist sicherlich auch Ansichtssache, aber ich für meinen Teil würde nicht sagen, dass SERVANT aus den Bands bzw. dem Projekt hervorgegangen sind.

ANDRAS spielen Pagan Black Metal, UNDER THE NIGHTSKY verorten sich eher im atmosphärischen bzw. avantgardistischen Abzweig des Genres. Ist SERVANT da eher der Wunsch nach Fokus zu den Wurzeln des Genres, oder „künstlerische Ausdehnung“ mit dem Ziel, konkret etwas anders zu machen?
Wie bereits zuvor erwähnt, liegen zwischen meiner Zeit bei ANDRAS und der Gründung von SERVANT mehr als 2 Jahrzehnte. Aber Ziel und Fokus von SERVANT ist sicherlich, befreit von jeglichen Dogmen und Grenzen, uns frei entfalten zu können. Völlige Freiheit ist für unsere Interpretation des Black Metal essenziell.

Wieso der Name SERVANT? Seht ihr euch als Diener?
in gewisser Weise würde ich diese Frage definitiv mit einem Ja beantworten. Wir fühlen uns ganz klar als Diener unseres Schaffens.

Worum geht es euch bei eurer Musik? Wo liegt der lyrische Bezug zur Musik?
Es sind unterschiedliche Themenbereiche, mit denen sich die Lyrics von SERVANT beschäftigen. Auf allen 4 Veröffentlichungen spielen okkulte, esoterische, philosophische oder religiöse Themen eine Rolle. Es ist uns wichtig, dass Lyrik und Musik im besten Fall zu einer Einheit verschmelzen.

Servant, 2026

„Lux Ex Inferis“ ist im Vergleich zu „Death Devil Magick“ noch um ein ganzes Stück melodischer, fast epischer geworden. Siehst du das auch so? Wenn ja, wie ist das gekommen?
Ja, tatsächlich kann man das durchaus so sagen. Im Songwriting geht es uns um völlige Freiheit. Es wäre unserer Meinung nach ein Fehler, die natürliche Entwicklung zu bremsen oder gar zu verhindern. Somit ist das gesamte Material auf dem neuen Album ein Abbild des aktuellen Gefühlszustands. Wenn der Moment sich richtig anfühlt und wir der Meinung sind, dass er festgehalten werden soll, dann hat er das Potential, zu einem Song zu werden.

Euer letztes Album ist gerade einmal zwei Jahre alt. Wann habt ihr denn angefangen, euer neues Album zu schreiben bzw. wie funktionieren SERVANT im kreativen Prozess?
Die ersten Songs entstanden vor zirka einem Jahr. Sobald der kreative Prozess Einzug findet, wird er bei SERVANT genutzt und ausgearbeitet. Wir versuchen, den aktuellen Gefühlszustand festzuhalten und ihn musikalisch, wie auch lyrisch, zu verstärken. Sobald die Songs im fertigen Demostatus sind, begeben wir uns ins Studio und nehmen die Signale noch einmal final auf. Diese Arbeitsweise hat sich seit dem ersten Album nicht geändert.

Man kann „Lux Ex Inferis“ mit „Das Licht aus der Unterwelt“ übersetzen. Was bedeutet der Titel für dich?
„Lux Ex Inferis“ – „Das Licht aus der Unterwelt“ – ist uns vor allem ein Bild für Erkenntnis, die aus der Dunkelheit geboren wird.

Die deutsche Black Metal Szene ist ja, man kann es nicht anders sagen, bestens vernetzt. Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen SERVANT, P.G. (GROZA) und Lethian (NORNÍR)?
Mit GROZA und NORNÍR verbindet uns eine Freundschaft, und wir kennen und schätzen die Leute hinter beiden Bands schon länger. Insofern waren P.G. und Lethian für uns keine zufälligen Namen, die wir einfach für ein Feature ausgesucht haben. Wir wollten jedoch keine Features um des Features willen, sondern Stimmen, die den jeweiligen Songs etwas Eigenes hinzufügen und sie auf eine bestimmte Art und Weise bereichern. Bei „Tabula Rasa“ hat P.G. mit seiner Stimme genau eine Facette eingebracht, die für den Song sehr gut funktioniert, und bei „De Profundis“ war es bei Lethian ähnlich. Ihre Beiträge sind für uns deshalb nicht einfach Gastauftritte, sondern tatsächlich ein Teil der Songs geworden.

Wo wir gerade bei Kollegen sind, ihr steht demnächst unter anderem mit FIRTAN, SUN OF THE SLEEPLESS und SPERE auf der Bühne. Also auch Live kommt da vieles auf die Bretter, das teils schon Jahrzehnte mit der Szene verwachsen ist. Wie fühlt sich das für dich an?
Es fühlt sich absolut richtig an, sich gemeinsam mit den genannten Bands die Bühne zu teilen. Wir schätzen die Bands und sehen der Tour positiv entgegen.

SERVANT auf dem Ragnarök Festival 2026
SERVANT auf dem Ragnarök Festival 2026

Kommen wir mal zu einem etwas ernsteren Thema: Leider muss man erkennen, dass sich im Black Metal eine immer breitere Akzeptanz gegenüber dem rechten Milieu etabliert hat. Bei Bands wie BURZUM oder gar AD HOMINEM hört man immer öfter: „Es geht mir nur um die Musik.“ Was hältst du davon?
Wir kommen aus Göttingen, einer eher liberal geprägten Universitätsstadt, und in unserem direkten Umfeld – sowohl innerhalb der Band als auch darüber hinaus – spielt NSBM ehrlich gesagt überhaupt keine Rolle. Wir haben damit keinerlei Berührungspunkte und unterstützen solche Strömungen auch nicht. Gleichzeitig habe ich eher den Eindruck, dass der NSBM-Anteil sogar rückläufig ist, als dass er zunimmt. Aber das ist natürlich auch einfach nur mein persönlicher Eindruck des Ganzen.

Als Anschlussfrage: siehst du diese Entwicklung als Toleranz, Rebellion oder bewusste Ignoranz?
Ich glaube, dass man bei solchen Entwicklungen sehr vorsichtig mit Begriffen wie Toleranz, Rebellion oder Ignoranz sein muss. Letztlich beschreiben sie immer auch eine bestimmte Perspektive. Was für den einen als Rebellion erscheint, kann für den anderen bereits als bewusste Ignoranz wahrgenommen werden. Und auch Toleranz hat irgendwo ihre Grenzen, gerade dann, wenn man Dinge toleriert, die für andere nicht mehr mit den eigenen Werten vereinbar sind. Für uns persönlich steht dabei weniger die politische Einordnung einzelner Bands im Vordergrund, sondern die Frage, welche Haltung man selbst vertreten möchte und mit wem man sich identifiziert. „Es geht mir nur um die Musik“ kann natürlich bedeuten, dass jemand tatsächlich ausschließlich die Musik betrachtet. Gleichzeitig kann Musik aber nie völlig losgelöst von dem Menschen und dem Kontext existieren, aus dem sie entsteht. Wo man für sich diese Grenze zieht, muss letztlich jeder selbst entscheiden.

Wir haben ja gerade schon benannt, dass die deutsche Black Metal Szene ein sehr „geschlossenes Konstrukt“ ist. Was glaubst du, braucht die Gesellschaft, um wieder näher zusammenzurücken?
Ich empfinde die deutsche Black-Metal-Szene ehrlich gesagt gar nicht als so geschlossen, wie es manchmal dargestellt wird. Natürlich gibt es bestimmte Netzwerke und Kreise, aber gleichzeitig auch viele unterschiedliche Strömungen und Ansichten. Gesellschaftlich glaube ich, dass es vor allem mehr Austausch und weniger Schubladendenken braucht. Man muss nicht immer einer Meinung sein, um miteinander im Gespräch zu bleiben. Vielleicht beginnt Zusammenrücken genau dort, wo man Unterschiede aushält, ohne den anderen sofort ausgrenzen zu müssen.

Servant, 2026

Wo befinden wir uns als Gesellschaft gerade eher: nahe dem Licht, der metaphorischen Unterwelt oder irgendwo dazwischen?
Irgendwo dazwischen.

Vielen Dank für deine Zeit. Zum Schluss möchte ich gerne noch unser Metal1-Brainstorming mit dir machen. Fünf Fragen oder Stichworte und das erste, was dir dazu einfällt:
Erleuchtung: Erkenntnis.
Tod: Übergang.
Teufel: Versuchung.
Magie: Mysterium.
SERVANT in zehn Jahren: We will see.

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Philipp Sorger

Publiziert am von

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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